Volleyball Allianz MTV Stuttgart überrascht sogar sich selbst

Überragend: Lucia Varela Gomez freut sich mit ihren Teamkolleginnen von Allianz MTV Stuttgart über den 3:0-Erfolg gegen den SSC Schwerin und den Sprung ins Pokal-Finale. Foto: Baumann

Dank einer herausragenden Leistung gegen den SSC Schwerin ziehen die Stuttgarter Volleyballerinnen mit dem zehnten 3:0-Sieg in Serie ins Pokal-Finale ein.

Wenn es läuft, dann gelingen sogar die verrücktesten Dinge. 10:11 lagen die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart im ersten Satz des Pokal-Halbfinales gegen den SSC Schwerin zurück, Zweifel an der eigenen Stärke kamen trotzdem nie auf. Der Favorit, der bis dahin alle neun Partien in der Bundesliga und im Pokal mit 3:0 gewonnen hatte, machte sechs Punkte in Serie – auch dank Melani Schaffmaster. Beim Stand von 15:11 zeigte die Zuspielerin eine spektakuläre Rettungsaktion mit dem Fuß, danach brachten die Stuttgarterinnen den Satz und das Spiel (25:15, 25:16, 25:19) mit einer herausragenden Leistung nach Hause. „Jetzt“, sagte Geschäftsführer Aurel Irion, „wollen wir den Pokal auch gewinnen.“

 

Das Finale findet am 28. Februar letztmals in der SAP-Arena in Mannheim statt, Gegner der Stuttgarterinnen wird der VfB Suhl sein, der sich am Mittwochabend nach fünf umkämpften Sätzen mit 3:2 gegen den Titelverteidiger Dresdner SC durchsetzte. Obwohl nun nur noch ein Sieg fehlt, bemühte sich Konstantin Bitter, die um ihn herum deutlich spürbare Euphorie zu bremsen. „Wir sind zwar im Endspiel“, sagte der Coach, „aber gewonnen haben wir noch nichts.“ Außer Anerkennung – davon aber viel.

Felix Koslowski lobt den „überragenden Gegner“

Felix Koslowski, der mit dem SSC Schwerin sechs große Titel geholt hat, saß nach der Niederlage enttäuscht auf seinem Stuhl am Spielfeldrand. Er haderte mit einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung im ersten Satz, als ihm eine Challenge verwehrt worden war („Das hat uns komplett den Stecker gezogen“), er lobte aber auch den dominanten Auftritt des Kontrahenten. „Stuttgart spielt auf einem überragenden Niveau, kaum ein Gegner kommt in einem Satz mal über 20 Punkte“, sagte Koslowski, „wie in den vergangenen Jahren hat der Verein den stärksten Kader, jetzt bringt das Team seine PS aber auch aufs Feld. Wir müssen akzeptieren, dass wir gegen eine Mannschaft verloren haben, die derzeit deutlich besser ist und Maßstäbe setzt.“ Nicht nur in den Ergebnislisten.

Starker Auftritt: Kapitänin Antonia Stautz (li.), Libera Yurika Bamba. Foto: Baumann

Dass Allianz MTV Stuttgart in dieser Saison noch keinen Satz verloren hat, ist beeindruckend. Das positive Auftreten des Teams allerdings auch. Angeführt von Diagonalangreiferin Pauline Martin und Mittelblockerin Lucia Varela Gomez zeigten die Gastgeberinnen gegen den SSC Schwerin erneut, was sie auszeichnet: ein großer Zusammenhalt und eine neue Variabilität, dazu reichlich individuelle Klasse. „Die Tiefe im Kader ist groß, keine von uns ist unersetzbar, wir sind sehr schwer auszurechnen“, sagte Kapitänin Antonia Stautz, „der Star ist die Mannschaft – und das fühlt sich sehr gut an.“ Auch für die Verantwortlichen.

Allianz MTV Stuttgart: neue Gruppe, neuer Schwung

Auf den Abschied der Legenden Krystal Rivers, Roosa Koskelo und Maria Segura Pallerés folgte zwangsläufig ein großer Umbruch, und schon jetzt lässt sich sagen: die Neuaufstellung ist gelungen. „Die Mannschaft macht Spaß“, meinte Aurel Irion nach dem Einzug ins Pokal-Finale, „sie bringt neuen Schwung, strahlt eine große Frische aus. Und es ist zu spüren, dass diese neue Gruppe zu schätzen weiß, was hier in Stuttgart passiert und wie der Verein aufgestellt ist. Wir haben eine glorreiche Vergangenheit erlebt, die wir keinesfalls schlechtreden wollen – doch umso mehr freut uns, was wir gerade erleben.“ Natürlich auch, weil mit dieser Dominanz nicht zu rechnen gewesen ist. „Wir waren von der Qualität des Kaders überzeugt“, erklärte der Geschäftsführer, „aber, so ehrlich dürfen wir sein, ein bisschen überraschen wir uns selbst.“ Zumal das Team ja noch nicht am Ende seiner Entwicklung ist.

Zuspielerin Pia Kästner stand gegen den SSC Schwerin zum zweiten mal nach ihrer Rücken-Operation im Kader, mit ihr besitzt Konstantin Bitter noch mehr Optionen. Der Trainer hat nun allerdings auch die Aufgabe, die Spielerinnen in der zweiten Reihe bei Laune zu halten. Gegen den SSC Schwerin gab es keinen einzigen Wechsel, doch schon an diesem Freitag (18.30 Uhr) in der Bundesliga-Partie beim VC Wiesbaden wird er deshalb ganz sicher wieder rotieren. „Daraus ergeben sich neue Situationen“, erklärte Konstantin Bitter, der nach dem emotionalen Triumph im Pokal-Halbfinale sichtlich bemüht war, den Fokus zu behalten: „Kurz freue ich mich, dann wird meine Aufgabe sein, mit den Spielerinnen weiterhin bodenständig zu bleiben und hart zu arbeiten.“ Schließlich ist eine Frage immer noch unbeantwortet.

Niemand bei Allianz MTV Stuttgart weiß, wie die Mannschaft auf einen größeren Rückstand, einen Satzverlust oder gar eine Niederlage reagieren würde. „Wir sind glücklich, dass wir im bisher wichtigsten Spiel der Saison erneut klar gewonnen haben“, meinte der Trainer, „doch es werden auch mal Rückschläge kommen. Ich bin gespannt, wie wir damit umgehen.“ Bis dahin? Genießen die Stuttgarterinnen, dass ihnen alles gelingt. Selbst Rettungsaktionen mit dem Fuß.

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