Volleyball – Allianz MTV Stuttgart Warum die Königsklasse hinten angestellt wird

Von Dominik Florian 

Der deutsche Volleyball-Meister Allianz MTV Stuttgart startet mit einigen Sorgen in die Champions League. Die Königsklasse war für die begehrte Mittelblockerin Martina Samadan ein Grund, um nach Stuttgart zu wechseln.

Erfüllt die Erwartungen in Stuttgart: Mittelblockerin Martina Samadan Foto: Baumann
Erfüllt die Erwartungen in Stuttgart: Mittelblockerin Martina Samadan Foto: Baumann

Stuttgart - Mit dem sensationellen Einzug in das Viertelfinale war die Champions League in der vergangenen Saison neben der Meisterschaft der emotionale Höhepunkt für die Stuttgarter Volleyballerinnen. Und auch ein wichtiger Faktor für das Gesicht der Mannschaft in dieser Spielzeit.

Lesen Sie hier: Die Stuttgarter Problematik auf der Position der Zuspielerin

An diesem Dienstag geht die Tour durch Europa wieder los für den deutschen Meister. Bei LKS Lodz (18 Uhr, Live auf swr.de) absolviert Allianz MTV Stuttgart das erste Gruppenspiel. Die Vorfreude auf die Königsklasse ist indes getrübt. „Bei der Auslosung waren wir noch sehr optimistisch, aber in der aktuellen Situation müssen wir die Champions League eher hinten anstellen“, sagt MTV-Sportdirektorin Kim Renkema angesichts der Sorgen auf der Zuspielposition und der Liste der verletzten oder angeschlagenen Spielerinnen. Dabei ist das Duell gegen den polnischen Meister richtungsweisend. Gegen den italienischen Titelverteidiger Igor Gorgonzola Novara haben die Stuttgarterinnen eher keine Punkte eingeplant, gegen Khimik Yuzny aus der Ukraine sind zwei Siege Pflicht. Und die Spiele gegen Lodz, das Renkema „auf Augenhöhe“ sieht, könnten das Zünglein an der Waage sein, wenn es ums Weiterkommen geht.

Große Außenwirkung

Noch größer als die sportliche Bedeutung ist die Außenwirkung einer Teilnahme in der Königsklasse. „Wir sind der einzige deutsche Vertreter in dieser Saison, das ist eine Ehre und wird natürlich auch wahrgenommen“, sagt MTV-Geschäftsführer Aurel Irion. Spürbar sei das auch bei den Sponsoren, die frühzeitig den Stuttgarterinnen zusätzliche Unterstützung bei einer Qualifikation zusicherten. „So stand gar nicht zur Debatte, ob wir das Startrecht aus finanzieller Sicht überhaupt wahrnehmen“, stellt Irion klar.

Nicht zu unterschätzen sei auch die Sogwirkung der Champions League auf Spielerinnen gewesen, die, gemessen an ihrem Potenzial, auch das Trikot des aktuellen Champions-League-Siegers tragen könnten. „Bei den Verpflichtungen von Stars wie Alexandra Lazic oder Martina Samadan war das schon ein Pfund“, sagt Irion.

Bleibender Eindruck

Und obwohl die Saison noch jung ist, hat vor allem die Kroatin Samadan, die die schwere Nachfolge von Mittelblockerin Molly McCage antrat, bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Martina ist unglaublich athletisch, professionell und strahlt eine große Ruhe aus“, sagt MTV-Trainer Giannis Athanasopoulos über die 26-Jährige. Welche Rolle die Nationalspielerin schon innehat, zeigte sich zuletzt bei der 2:3-Niederlage gegen die Ladies in Black Aachen: Obwohl die 1,93 Meter große Abwehrspezialistin Rückenprobleme plagten, verlieh sie dem Stuttgarter Block nach ihrer Einwechslung Stabilität und war zweitbeste Punktesammlerin. Dass die begehrte Mittelblockerin den Wechsel aus der italienischen Topliga von Busto Arsizio an den Neckar wählte, sorgte ohnehin schon für Aufsehen. Ausschlaggebend für die Entscheidung pro Stuttgart seien für Samadan „die Professionalität der Club-Verantwortlichen und das Gesamtpaket“ gewesen.

Klar ist aber, dass die Kroatin, die in der vergangenen Saison in der ersten Saisonhälfte für den italienischen Meister aus Conegliano schon in der Champions-League auflief, auch in der Königsklasse wieder spielen will.

Sich mit den Besten messen

„Es ist für jede Volleyballerin reizvoll, sich mit den besten Spielerinnen zu messen“, sagt Samadan, die während ihre Studiums vier Jahre an diversen Universitäten in den USA spielte. Auf LKS Lodz wäre Samadan bereits in der vergangenen Saison in der Gruppenphase getroffen, ihr Wechsel zu Busto Arsizio im Winter verhinderte aber das Aufeinandertreffen. Auf das Duell im zweiten Anlauf freut sie sich trotz ihrer Rückenprobleme umso mehr: „Es wird ein umkämpftes Spiel“, blickt die Mittelblockerin voraus, „das wir aber unbedingt gewinnen wollen.“