Volleyball Bundesliga Blaubären Flacht opfern einen Urlaubstag fürs Auswärtsspiel

Weite Reise TSV-Chefcoach Manuel Hartmann und seine Mannschaft – nach Schwerin sind es 770 Kilometer. Foto: Andreas Gorr

Volleyball-Bundesligist TSV Flacht muss an diesem Freitag (18 Uhr) beim SSC Palmberg Schwerin ran – der Termin stößt bei den Blaubären nicht auf Gegenliebe.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

770 Kilometer sind es von Flacht nach Schwerin. Dass die Partie der Binder Blaubären in Mecklenburg-Vorpommern auf Freitag fällt, nimmt Trainer Manuel Hartmann wohl oder übel hin. Für die berufstätigen Spielerinnen führt das zu einer Konsequenz – ihnen geht ein Urlaubstag verloren.

 

Herr Hartmann, das am weitesten entfernte Auswärtsspiel steht ausgerechnet an einem Freitagabend auf dem Plan. Was bedeutet das für die Blaubären?

Also es ist natürlich ungeschickt, aber wir müssen das nüchtern betrachten. Ein Freitagsspiel trifft jede Mannschaft mal, dass wir nach Schwerin müssen, das ist unglücklich. Das heißt, dass die Spielerinnen, die im Berufsleben stehen, Urlaub nehmen müssen.

Hat jede frei bekommen?

Ja, alle 13 Spielerinnen sind mit dabei. Zuvor hatte der Verein explizit bei den Arbeitgebern schriftlich darum gebeten.

Am vergangenen Samstag unterlagen die Blaubären mit Kapitänin Frauke Neuhaus (hi.) gegen den Liga-Überflieger Allianz MTV Stuttgart mit 0:3 Foto: Andreas Gorr

Wie sieht der Reiseplan aus?

Wir fahren Donnerstagabend ab und machen auf etwa halber Strecke – in diesem Fall in Hildesheim – einen Zwischenstopp. Am Freitagvormittag geht es weiter nach Schwerin und nach dem Spiel direkt zurück nach Flacht, wo wir so gegen acht Uhr am Samstag ankommen sollten. Diese Nachtfahrten sind gängig in der Bundesliga, das machen eigentlich alle Teams so.

Leisten sich die finanziell besser gestellten Clubs auch mal eine Flugreise?

Die Variante Reisebus wird bei allen größeren Strecken bevorzugt. Als ich in Schwerin tätig war, sind wir mal geflogen, auch mit dem VCO Berlin haben wir das mal gemacht – das bietet sich nur an, wenn bei Start und Ziel ein Flughafen in der Nähe ist. Ich denke, dass die meisten Clubs nüchtern rechnen, was die günstigste Möglichkeit ist. Wenn es einen günstigen Flug von Stuttgart nach Hamburg gibt, kann es schon sein, dass die Reisesumme billiger wird als die Busfahrt.

Inwieweit kann ein Verein auf die Terminvergabe der Liga Einfluss nehmen?

Wir haben wie alle drei Aufsteiger zumindest mittwochs keine Auswärtsspiele. Das war von vornherein so abgesprochen. Mittelfristig wird die Sonderregelung wegfallen. Ansonsten teilen die Vereine vor der Saison mit, an welchen Terminen sie etwa keine keine Halle zur Verfügung haben. Wenn in der Stuttgarter Scharrena Handball gespielt wird, kann Allianz MTV dort nicht rein. Dann baut die Liga einen Spielplan, bei dem sie versucht, Wünsche und Einschränkungen zu berücksichtigen. Unter Umständen können die Teams danach noch Termine tauschen ...

Inwieweit mischen die Medien da mit? Streaminganbieter DYN überträgt die Volleyball-Bundesliga kostenpflichtig.

Was ich weiß ist, dass Fernsehspiele nominiert werden und man sie tauschen oder ablehnen kann. Wir hätten die Möglichkeit gehabt, ein Fernsehspiel zu machen – aber das ist infrastrukturell für uns dieses Jahr nicht zu stemmen. Zudem wird bei Fernsehspielen die Uhrzeit vorgegeben. Das ist der Grund, warum es Freitags-, Samstags- und Sonntagsspiele gibt, da es für einen Sender nicht vorteilhaft ist, wenn alle Teams am Samstag um 19 Uhr spielen, weil der Streaming-Zuschauer dann nur ein Spiel gucken könnte. Ziel ist es, dass Abonnenten theoretisch alle Spiele nacheinander anschauen können.

Gegen den VC Wiesbaden gelang Bundesliga-Neuling TSV Flacht Anfang Februar der erste Heimsieg. Foto: Andreas Gorr

Wie lautet das Ziel des TSV in Schwerin?

Ich stelle Schwerin von der spielerischen Qualität auf eine ähnliche Stufe wie Allianz MTV Stuttgart. Vielleicht ist die zweite Sechs etwas schwächer als die von Allianz – trotzdem ist Schwerin ein Team, wenn die Spielerinnen das Tempo anziehen, haben wir wenig Chancen. Unser Ziel ist, das bestmögliche Spiel zu machen. Wir haben noch was vor diese Saison und nutzen das Spiel, um an uns zu arbeiten, gerade an Wille und Einsatz. Um dann bereit zu sein, für die nächsten Partien gegen Hamburg, Aachen und Borken.

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