Volleyball Bundesliga Blaubären von der Hölle in den Himmel und zurück
Volleyball-Bundesligist Binder Blaubären TSV Flacht zeigt sein gesamtes Repertoire und verliert vor ausverkauftem Haus unnötig gegen Mitaufsteiger ETV Hamburg mit 2:3.
Volleyball-Bundesligist Binder Blaubären TSV Flacht zeigt sein gesamtes Repertoire und verliert vor ausverkauftem Haus unnötig gegen Mitaufsteiger ETV Hamburg mit 2:3.
Die kuriose Serie setzte sich fort: Wenn die Binder Blaubären des TSV Flacht auf den ETV Hamburg in einem Liga-Spiel treffen, gewinnt stets das Team der Gäste. Am Samstag wäre der Auswärtssegen beinahe erloschen – die Blaubären hatten einen Matchball, doch Roxana Vogel servierte den Aufschlag ins Netz. Und wenige Minuten danach nutzen die Hamburgerinnen ihren zweiten Matchball, der TSV war 2:3 (15:25, 21:25, 25:23, 25:20, 15:17) geschlagen.
Der Stachel der Niederlage saß schmerzhaft tief bei den Blaubären, den Offiziellen und den Fans. „Wir haben den Sieg in der Hand“, stöhnte Sportdirektor Jan Lindenmair kaum eine Minute nach den finalen Punkt des ETV, „aber wir machen ihn nicht. Ich bin ziemlich konsterniert.“ Die TSV-Anhänger in der erneut mit 433 Zuschauern ausverkauften Heckengäusporthalle mussten sich mental mit dem 2:3 arrangieren. „Das hätte nicht sein müssen“, klagte einer.
Dieses knappe Fazit hätte so ziemlich jeder Beobachter ohne Zögern unterschrieben. Das ausgezeichnete Merkmal der Leistung der Blaubären war die Inkonstanz, sie präsentierten ihr gesamtes Repertoire – im Guten wie im Schlechten. Mal leisteten sich die Flachter Frauen haarsträubende Fehler, mal brillierten sie mit blitzsauberen Angriffen. Entsprechend verlief die Sportreise, auf die die Mannschaft ihre Fans in Schlepptau nahm – der Trip startete in der Hölle, führte in Richtung Himmel und endete für den TSV-Tross nach 125 Spielminuten wieder dort, wo er gestartet war.
Ein Höllentrip in drei Akten, wie das Erzählgerüst vieler Filme. Akt eins: Zwei Sätze lang waren die Blaubären ein Spielball der Mächte aus der Hansestadt – bis zum 7:8 hielten sie in Satz eins mit, dann zog der ETV auf und davon. Das Team um Kapitänin Frauke Neuhaus ließ zu häufig den Druck im Angriff vermissen und konnte die Schmetterbälle von Leonie Körtzinger und Louisa Krams nur selten blocken oder parieren. 18 Prozent Angriffsquote der Blaubären standen 50 Prozent der Hamburgerinnen gegenüber. „Wir wurden ganz schnell auf den Boden der Tatsachen geholt“, klagte Trainer Manuel Hartmann. Auch im zweiten Durchgang hielt die Malaise an, nach 48 Spielminuten stand es 0:2. „Vieles sah nach einem 0:3 aus“, gestand Hartman später ein.
Akt zwei: In der Pause drückte der Chefcoach den Reset-Knopf. „Wir haben gesagt: Es beginnt wieder bei 0:0. Es war ein neues Mindset“, erzählte Angreiferin Franka van der Veer. Hartmann hatte die 23-Jährige sowie Sara Marjanovic für die Stammkräfte Neuhaus und Hanne Binkau aufs Feld beordert – und als Britta Schammer am Aufschlag die Partie von 11:16 auf 17:16 gedreht hatte, begann die Himmelfahrt der Blaubären. Satz drei sicherte sich der TSV noch knapp mit 25:23, Durchgang vier war nach 26 Minuten mit 25:20 im Sack. „Das war unsere beste Phase“, betonte Hartmann, „das Team war locker und von guter Stimmung.“ Doch die Konstanz war brüchig wie dünnes Eis auf einem zugefrorenem See.
Akt drei: Im Tiebreak schienen die Blaubären ihren Weg zunächst beizubehalten, sie führten 7:3 und 12:9 – doch die Fehlerquote des Teams stieg wie die Spannung in der Halle. „Wir haben uns acht Eigenfehler geleistet“, rechnete Hartmann vor, „das war der schlechteste Moment.“ Wie auch der Aufschlagpatzer von Roxana Vogel beim Matchball – kein Happy End für die Blaubären, wie schon in so mancher Partie zuvor fehlten Mut, Entschlossenheit und Selbstvertrauen in einer entscheidenden Spielphase. „Man muss eben auch unter Druck performen“, sagte Franka van der Veer, die zur wertvollsten Spielerin des TSV gekürt wurde, selbstkritisch über die Teamleistung.
Der ETV schnappte die zwei Punkte und schickte die Blaubären zurück in die Hölle. Kleiner Trost: Ein Punkt blieb im Heckengäu. „Wir haben einen Punkt verschenkt“, fand Manuel Hartmann, „andererseits können wir nach dem schwachen Start froh sein, dass wir überhaupt einen Zähler geholt haben.“ Der Blick auf die Tabelle stimmt vielleicht auch so manchen Fan versöhnlich: Die Blaubären sind an den Volleys Borken vorbeigezogen und als bester Aufsteiger auf Platz neun.