Der Lizenzantrag für die Volleyball-Bundesliga ist für TSV Flacht kein unkalkuliertes Risiko – der Club hat bewiesen, dass er komplexe Aufgaben nüchtern und überzeugend meistern kann, findet Sportredakteur Jürgen Kemmner.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Größenwahnsinnig. Unkalkulierbareres Risiko. So haben manche aus der Volleyball-Szene geunkt, als sich der Bezirksligist TSV Flacht vor zweieinhalb Jahren um eine Wildcard für die Zweite Liga Pro beworben hatte. In der Tat erschien die Größe und Komplexität der Aufgabe einen kleinen Dorfverein mit seinen rein ehrenamtlichen Strukturen an die Grenzen des Belastbaren zu bringen – und womöglich darüber hinaus. Doch die Blaubären bewiesen, dass sich mit Wille, Enthusiasmus und einer gesicherten finanziellen Mitgift der Sponsoren Visionen in Realität verwandeln lassen. Der Club mischt erfolgreich in der Zweiten Liga Pro mit, niemand spricht mehr von Größenwahn.

 

Jetzt soll es noch eine Stufe höher gehen. Bundesliga – und das nach nur zwei Jahren Profi-Volleyball in Flacht. Kann das gut gehen? Folgt dem Start des Ikarus aus dem Heckengäu zur Volleyball-Sonne ein Absturz wie in der Sage? Wohl eher nicht, betrachtet man die Voraussetzungen. Da ist zum einen die Garantie der VBL, sich zwei Jahre ohne Abstiegssorgen entwickeln zu können und finanzielle wie organisatorische Zugeständnisse zu erhalten – so können sich die Blaubären langsam im Reservat mit dem Großwild Allianz MTV Stuttgart, SSC Schwerin und Dresdner SC einleben. Und dann ist da noch die DNA des TSV Flacht, der sich in kürzester Zeit vom Provinzclub zum Zweitligisten gemausert hat. Die Bundesliga ist für die Blaubären kein unkalkuliertes Risiko, sondern ein Abenteuer, das es zu bestehen gilt.