Beim Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart blicken die Verantwortlichen zufrieden auf die erste Saisonhälfte, die jedoch einen Wermutstropfen bereithielt.

Der Blick auf die Bundesliga-Tabelle löst bei den Verantwortlichen von Allianz MTV Stuttgart nach dem 3:1-Heimsieg im letzten Vorrundenspiel gegen den Dresdner SC – vor 2023 Zuschauern im ersten Spiel des Jahres 2023 – große Zufriedenheit aus. Mit einem Punkt Vorsprung vor dem SC Potsdam, der beim heimstarken USC Münster durch den knappen 3:2-Erfolg nur zwei Zähler holte, hat sich der Doublegewinner des Vorjahres den Herbstmeistertitel gesichert, der allerdings im eng getakteten nationalen und internationalen Saisonprogramm nur eine Momentaufnahme ist.

 

Mehr introvertierte Spielerinnen als in der Runde zuvor

Dementsprechend zurückhaltend fällt die Halbzeitbilanz bei Kim Renkema aus: „Es war ein deutlich größeres Auf und Ab als in der vergangenen Saison, wo wir die ersten 19 Spiele nicht verloren hatten. Aber so einen Verlauf kann man auch nicht jedes Jahr erwarten“, sagt die Sportliche Leiterin der Bundesliga-Volleyballerinnen aus Stuttgart. Das Team sei auf einem guten Weg, vor allem seit dem ersten Champions-League-Spiel Anfang Dezember, bei dem in Lodz ein 3:0-Auswärtserfolg gelang, habe die Mannschaft häufig ihr volles Potenzial abgerufen.

Getrübt hat die grundsätzlich erfreuliche Bilanz vor allem die 2:3-Heimniederlage im Pokal-Halbfinale gegen den SSC Palmberg Schwerin nur vier Tage nach dem Lodz-Spiel – vor allem, weil Allianz MTV bei einer 2:1-Satzführung im vierten Durchgang beim 12:5 eigentlich wie der sichere Sieger aussah. Einmal mehr machte sich aber bemerkbar, dass sich die Mannschaft schwertut, wenn sie in einem Spitzenspiel ohne die damals erkrankte Krystal Rivers auskommen muss. „Wir haben vor dieser Saison viele Spielerinnen dazu geholt, die zwar Bundesliga-Erfahrung mitbringen, aber bei Vilsbiburg oder Wiesbaden nicht regelmäßig Spiele unter Druck gewohnt waren“, nennt Renkema einen Grund für die teilweise schwankenden Leistungen. Zudem seien mehr introvertierte Spielerinnen dabei als in der Runde zuvor.

SC Potsdam härtester Rivale im Kampf um den Meistertitel

Einen weiteren Grund sieht die Sportchefin in der Tatsache, dass sich noch keine endgültige Startformation herauskristallisiert hat. „Bei einigen Spielerinnen ist die Leistungskurve noch zu schwankend“, meint Renkema – und liegt damit auf einer Linie mit Trainer Tore Aleksandersen, der von seinem Team in der Vorrunde Spiele zwischen „sehr gut“ bis „nicht so gut“ gesehen hat. „Unser Topniveau ist sehr hoch, und wir versuchen jeden Tag, an dieses Level heranzukommen“, ergänzt er. Und auch Zuspielerin Britt Bongaerts räumt ein: „Auf dem höchsten Level fehlt uns noch die Konstanz.“

Tröstlich immerhin: Mit diesem Problem stehen die Stuttgarterinnen nicht allein da. Der SC Potsdam, der die ersten neun Bundesligaspiele gewonnen hatte, holte aus den letzten beiden Partien nur zwei von sechs möglichen Zählern. Den letztjährigen Vizemeister hält Renkema in dieser Saison für den härtesten Rivalen im Kampf um den Meistertitel: „Sie haben auf einigen Positionen die besten Spielerinnen der Liga und haben durch den Sieg im Supercup gegen uns das Vertrauen gewonnen, auch Titel holen zu können“, glaubt die Niederländerin.

Renkema hofft, dass in der entscheidenden Phase der breite Kader zu einem wertvollen Kriterium wird – zumindest in den nächsten zwei Wochen mit vier Spielen in acht Tagen ist das wichtig. Nach dem Champions-League-Spiel am Donnerstag in Teneriffa fährt die Mannschaft nach der Landung am Freitag in Frankfurt gleich weiter nach Suhl. Am Mittwoch darauf steht das Duell um den Gruppensieg in der Champions League in Istanbul an – nur 50 Stunden später ist Wiesbaden am 20. Januar zu Gast.