Allianz MTV Stuttgart Warum der Volleyball-Bundesligist personell aufstockt

Das Führungsduo von Allianz MTV Stuttgart: Sportdirektorin Kim Renkema und Geschäftsführer Aurel Irion. Foto: Baumann

In der Volleyball-Bundesliga werden die Teams aus Dresden, Schwerin und Stuttgart wohl auch in der nächsten Saison um die Titel konkurrieren. Zugleich sieht sich Allianz MTV Stuttgart gefordert, den strukturellen Rückstand aufzuholen.

Stuttgart - Den Moment des Triumphes nutzte Alexander Waibl geschickt, um die eine oder andere Werbebotschaft zu platzieren. In eigener Sache, mit Blick auf die Trainergilde, aber auch für das Produkt Volleyball-Bundesliga.

 

Nach der mit 3:2 gewonnenen Finalserie um die Meisterschaft gegen Allianz MTV Stuttgart sprach der Coach des Dresdner SC erst mal über seine Gefühle. „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen, gerade in einer Phase, in der die Leute der Meinung waren, dass ich viel zu lange hier bin, dass ich schlecht und der falsche Trainer bin“, erklärte der gebürtige Stuttgarter, der den bis dahin letzten DM-Titel mit dem DSC im Jahr 2016 geholt hatte, „jetzt konnten wir zeigen, dass Kontinuität im Sport – auch im Trainergeschäft – etwas ist, das sich bezahlt macht.“ Und das in einer Liga, deren Qualität kontinuierlich gestiegen sei. „Die Volleyball-Bundesliga ist eine wahnsinnig gute Marke geworden und mittlerweile die Nummer drei in Europa“, meinte Waibl, der davon ausgeht, dass es auch nächste Saison spannende Duelle um die Schale und den Pokal geben wird: „Wir werden wieder ein starkes Team haben, Allianz MTV Stuttgart auch, da bin ich ganz sicher. Und der SSC Schwerin wird nach dieser Saison noch mehr Geld in die Hand nehmen. Die Bundesliga bleibt ein cooler Wettbewerb.“ Davon gehen auch die Verantwortlichen des Vizemeisters aus.

Zuspielerin Hanna Kohn stößt zum Bundesliga-Team

In Stuttgart sind die Umbauarbeiten am Kader laut Sportdirektorin Kim Renkema abgeschlossen. In Pia Kästner, Dora Grozer, Lena Große Scharmann, Michaela Mlejnkova, Athina Papafotiou und Jenna Rosenthal werden zwar sechs Spielerinnen gehen – die wichtigsten Führungsfiguren aber bleiben: Trainer Tore Aleksandersen, Kapitänin Krystal Rivers, ihre Stellvertreterin Maria Segura Pallerés und Libera Roosa Koskelo. Mittelblockerin Juliet Lohuis will der Verein unbedingt halten, ihre Kollegin Mira Todorova hat nach Informationen unserer Zeitung ihren Vertrag verlängert. Das wären fünf Spielerinnen, die bisher stets zu dem Team gehörten, auf das Coach Aleksandersen voll gesetzt hat und zu dem nächste Saison als dritte Zuspielerin Hanna Kohn (17) zählen wird, die aus dem eigenen Zweitliga-Team nach oben rückt. „An den grundsätzlichen Kräfteverhältnissen in der Bundesliga dürfte sich auch nächste Saison nichts ändern“, sagt MTV-Sportdirektorin Kim Renkema. Und Geschäftsführer Aurel Irion erklärt: „Das sportliche Niveau ist enorm hoch, trotzdem wollen wir wieder oben mitspielen und in Finals einziehen.“ Zugleich soll aber nicht nur in den Kader investiert werden.

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Irion und Renkema haben zuletzt immer wieder betont, dass Allianz MTV Stuttgart in vielen Bereichen nicht auf Augenhöhe sei mit Meister Dresdner SC und Pokalsieger SSC Schwerin. „Das sind die beiden Top-Vereine in der Bundesliga“, sagt Renkema, „wir haben uns rangekämpft, was das Geld und die Struktur angeht, liegen sie allerdings noch klar vor uns. Doch wir werden weiter daran arbeiten, uns zu verbessern.“ Zum Beispiel, was das Personal auf der Geschäftsstelle betrifft.

Die Finanzplanung ist schwierig

Dort arbeiten derzeit neben dem Geschäftsführer und der Sportdirektorin noch Sonja Sieloff-Bodlée als Assistentin der Geschäftsleitung (50-Prozent-Stelle) sowie die beiden Werkstudenten Moritz Zeithammel und Robert Raff, einige Aufgaben schultern Ehrenamtliche. In der Corona-Pandemie, als der organisatorische Aufwand erheblich stieg, stieß dieses Konstrukt laut Irion („Ich bin total leer“) und Renkema („Stress und Druck waren extrem, dass wir da durchgekommen sind, ist ein kleines Wunder“) an seine Grenzen. Das soll nicht noch einmal passieren. „Wir werden schon für nächste Saison in der Geschäftsstelle personell aufstocken“, erklärt Renkema, „das ist nötig, um für die Zukunft die Stabilität zu sichern, die wir brauchen.“ Wobei es ein Problem gibt.

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Aktuell weiß niemand, wann wieder vor Zuschauern gespielt werden kann und wie sich die Einnahmeseite genau entwickeln wird. Das macht die Planungen natürlich nicht einfacher. „Ich kenne einige Vereine in der Volleyball-Bundesliga, die staatliche Kredite aufnehmen mussten“, sagt Aurel Irion, „wir gehen davon aus, die Saison 2020/21 dank städtischer Unterstützung mit einer schwarzen Null abschließen zu können. Zugleich haben wir die neue Mannschaft in der Hoffnung gebaut, dass unsere Schätzungen eintreffen werden.“

Im siebten Jahr in Serie ins Meisterschaftsfinale?

Der Geschäftsführer rechnet für die nächste Saison unverändert mit einem Etat von rund 1,6 Millionen Euro. Darin fehlen die 300 000 Euro an Einnahmen, die eine Runde vor vollen Rängen bringen würde, allerdings bedeuten Heimspiele ohne Fans auch reduzierte Kosten (zum Beispiel für Ticketing, Sicherheitsdienst, Catering im Vip-Raum). „Bei den Themen Finanzen und Organisationsstruktur bleibt der SSC Schwerin in der Bundesliga das Maß der Dinge“, meint Aurel Irion, „um hier auf Augenhöhe zu kommen, fehlt uns einiges. Ich schätze, dass der Etat des SSC Schwerin bei mehr als zwei Millionen Euro liegt.“

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Keine Frage: Wer wie Allianz MTV Stuttgart sechsmal in Serie im Finale um die Meisterschaft stand (2019 wurde die Schale gewonnen), dessen Anspruch ist natürlich, dies auch im siebten Jahr wieder zu schaffen. Zugleich erklärt Kim Renkema angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen und der starken Konkurrenz aber auch, dass Titel nicht der einzige Maßstab seien. „Wer meint, nur Gold sei ein Erfolg“, sagt sie, „der wird in diesem Job nicht alt.“

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