Volltreffer: Neuzugang Nyherowo Omene punktet für die Barock Volleys MTV Ludwigsburg. Foto: Baumann/Julia Rahn
Gekommen, um zu bleiben: Bundesliga-Aufsteiger MTV Ludwigsburg zeigt beim 2:3 gegen Titelanwärter SVG Lüneburg sein großes Potenzial – auch weil die Neuzugänge voll einschlagen.
Jeder Aufsteiger hat das Problem, nicht zu wissen, was ihn genau erwartet, welche Herausforderungen auf ihn zukommen, wo er steht. Manchmal dauert es Wochen, um erste Antworten auf diese Fragen zu bekommen. Manchmal geht es aber auch schneller. Wie bei den Barock Volleys MTV Ludwigsburg.
Schon der 3:1-Erfolg im Pokal gegen den Bundesliga-Rivalen ASV Dachau, der den Sprung ins Achtelfinale bedeutete, brachte Zuversicht. Und die Heimpremiere gegen den SVG Lüneburg dann vollends die Gewissheit, bereits jetzt angekommen zu sein. „Die Jungs glauben an sich“, sagte Sportchef Michael Dornheim, „und sie haben gezeigt, dass sie in der richtigen Liga spielen.“ Mit einer Leistung, die auch den gegnerischen Trainer überrascht hat.
Lüneburgs Trainer Stefan Hübner lobt den Gegner
Die Ambitionen von Stefan Hübner und dem SVG Lüneburg sind hoch. Der Vizemeister und Champions-League-Teilnehmer träumt davon, dem Volleyball-Serienmeister Berlin einen engen Titelkampf zu liefern, ein böses Erwachen beim Aufsteiger war da nicht eingeplant. „Wir haben es nicht geschafft, in den ersten beiden Sätzen die nötige Energie aufs Feld zu bekommen“, meinte Hübner, „Kompliment an unseren Gegner. Ludwigsburg hat sehr gut und mutig gespielt, mit der richtigen Einstellung. Das Team wurde für sein Risiko belohnt.“ Zumindest zwei Sätze lang.
Zuspieler bei der Abwehrarbeit: Tomi Saarinen. Foto: Baumann/Julia Rahn
Der krasse Außenseiter führte vor 1347 Zuschauern in der MHP-Arena völlig unerwartet 2:0 (25:23, 25:17), hatte einen Punkt sicher. Das war schon eine riesengroße Überraschung, die Sensation aber blieb aus. Obwohl die Gastgeber weiter super mithielten (im dritten Satz bis zum 21:21, im vierten bis zum 17:18, im fünften bis zum 12:13), gingen letztlich alle drei Durchgänge an den Favoriten – mit 25:21, 25:21 und 15:12. „Am Ende hat sich unser breiter Kader durchgesetzt“, sagte Stefan Hübner, der einräumte, sich mit den Ludwigsburger Stärken im Vorfeld nicht allzu sehr beschäftigt zu haben: „Wir sind noch sehr fokussiert auf unser eigenes Spiel.“
Der Bus des SVG Lüneburg hat eine Panne
Das wussten die Ludwigsburger hinterher sehr gut einzuschätzen, wie auch die ungewöhnliche Vorbereitung der Lüneburger, die am Freitag und Samstag noch Testspiele in Polen absolviert hatten. Weil zudem dort ihr Bus liegengeblieben war, mussten sie sich nach der Landung am Flughafen Stuttgart das Gefährt des Frauen-Bundesligisten Binder Blaubären TSV Flacht ausleihen. Dass anschließend auch auf dem Feld der Motor stotterte, half dem Aufsteiger. „Wir haben richtig Gas gegeben, aber bei Lüneburg standen anfangs auch nicht alle Stammspieler auf dem Feld“, sagte Jan Huber, der 2,07 Meter große Mittelblocker der Barock Volleys, „trotzdem haben wir gezeigt, was möglich ist.“ Und das gibt Anlass zur Hoffnung.
Denn neben einem Punkt brachte die 2:3-Niederlage gegen den Vizemeister auch eine wichtige Erkenntnis. „Ludwigsburg kann in der Bundesliga eine gute Rolle spielen“, meinte Gäste-Coach Hübner, „die Mannschaft hat eine gute Spielidee – und sie ist sehr gut zusammengestellt.“
Die Verstärkungen der Barock Volleys überzeugen nicht nur auf dem Feld
In der Tat standen vier Neuzugänge auf dem Feld, die voll eingeschlagen haben. Diagonalangreifer Nyherowo Omene (USA) wurde zum wertvollsten Akteur des Spiels gewählt, Libero Jeffrey Klok (Niederlande) zeigte seine überragenden Fähigkeiten in Annahme, Abwehr und als Führungspersönlichkeit, Zuspieler Tomi Saarinen (Finnland) zog gekonnt die Fäden, und Jan Huber, der vom TV Rottenburg gekommen war, punktete immer wieder im Block und bei Angriffen über die Mitte. „Im Vergleich zu uns hat Lüneburg den vier- oder fünffachen Etat, das merkt man natürlich an der Tiefe des Kaders“, sagte Michael Dornheim, „aber im Rahmen unseres Budgets haben wir uns sicher sehr gut verstärkt. Die Neuzugänge performen nicht nur sportlich, sie passen auch menschlich perfekt zu uns. Dass wir als Aufsteiger den Vizemeister in den fünften Satz zwingen, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.“
Am Ende tat die Niederlage zwar trotzdem weh, der Schmerz wurde aber gelindert durch die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein: Das Ziel, das sich die Ludwigsburger für ihre erste Saison in der Bundesliga gesetzt haben („Gekommen, um zu bleiben“), ist alles andere als unrealistisch.