Volleyball Deshalb verzichtet Allianz MTV Stuttgart auf die Königsklasse
Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart hat sich nicht um eine Wildcard für die Champions League beworben – sondern will lieber im zweitklassigen CEV-Cup durchstarten.
Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart hat sich nicht um eine Wildcard für die Champions League beworben – sondern will lieber im zweitklassigen CEV-Cup durchstarten.
Sie haben bei Allianz MTV Stuttgart nicht nur eine Ära geprägt, sondern den Volleyball-Bundesligisten auch zu einer internationalen Größe gemacht. Unter der Ägide von Sportdirektorin Kim Renkema, Diagonalangreiferin Krystal Rivers und Libera Roosa Koskelo qualifizierte sich das MTV-Team seit 2019 viermal für das Viertelfinale der Champions League. Nun ist dieses Trio nicht mehr da, und auch Außenangreiferin Maria Segura Pallerés, die 2020, 2023 und 2024 bei den Erfolgen in der Königsklasse dabei war, hat ihre Vereinskarriere beendet. Im Stuttgarter Volleyball beginnt folglich eine neue Zeitrechnung – zunächst ohne Königsklasse. Die letzte Chance, doch dabei zu sein, haben die Verantwortlichen verstreichen lassen. Ganz bewusst.
Wenn an diesem Dienstag um 12 Uhr in Luxemburg die Auslosung für die verschiedenen europäischen Wettbewerbe der Männer und Frauen beginnt, gehört Allianz MTV Stuttgart zum Teilnehmerfeld des CEV-Cups – das ist die Konkurrenz unterhalb der Champions League, vergleichbar mit der Europa League im Fußball. Die Qualifikation für die Königsklasse haben die Stuttgarterinnen im April verspielt, als sie im Halbfinale der Play-offs mit 1:2 Spielen gegen den Dresdner SC ausschieden. Nur die beiden besten deutschen Teams schafften den Sprung in den europäischen Top-Wettbewerb, und beim Hintertürchen, das sich auftat, nahm Allianz MTV Stuttgart nicht mal die Klinke in die Hand.
Erstmals bot der europäische Verband (CEV) in diesem Sommer interessierten Vereinen zwei Wildcards für die Champions League der Frauen an. Aurel Irion, der Geschäftsführer von Allianz MTV Stuttgart, vermutet, dass sein Club aufgrund der Erfolge in der Vergangenheit, des großen Zuschauerinteresses und der Organisationsstruktur ganz gute Chancen gehabt hätte, einen der freien Plätze zu ergattern – trotzdem gab es keine Bewerbung aus Stuttgart. „Wir haben überlegt, es zu tun, uns dann aber anders entschieden, was sehr vernünftig war“, sagt Aurel Irion, „wir haben ja nicht nur die sportliche Qualifikation verpasst, sondern stehen auch vor einer völlig neuen Situation. Krystal Rivers, die uns in den vergangenen Jahren die Sicherheit gab, in schwierigen Situationen immer eine gute Lösung finden zu können, fehlt uns. Für den großen Umbruch, der vor uns liegt, benötigen wir viel Geduld.“ Was auch der Trainer so sieht.
Konstantin Bitter ist für seinen Ehrgeiz bekannt, aber auch dafür, Situationen realistisch einzuschätzen. „Wir haben sportlich die Champions League nicht erreicht, und ich bin überzeugt davon, dass es richtig ist, hinterher dann nicht alles zu versuchen, um das Ticket doch irgendwie zu bekommen“, sagt der MTV-Coach, „zumal bei uns ohne Krystal Rivers, Roosa Koskelo und Maria Segura eine neue Ära beginnt. Wir nehmen uns jetzt die Zeit, um uns mit der neuen Mannschaft die Teilnahme an der Champions League wieder zu verdienen – vielleicht ja schon im nächsten Jahr.“ Es ist nur eines der vielen Ziele für die kommende Saison.
Selbstverständlich will Allianz MTV Stuttgart weiter um nationale Titel kämpfen. Und zudem international überzeugen. „Unsere Philosophie bleibt, auch in Europa für Aufmerksamkeit zu sorgen und den Namen, den wir uns gemacht haben, würdig zu vertreten“, sagt Konstantin Bitter, „der CEV-Cup ist dafür genau der richtige Wettbewerb. Er passt genau zur Leistungsstärke und den Ambitionen unserer Mannschaft.“
Entsprechend wichtig nimmt der Bundesligist diesen Cup, in dem es – anders als in der Champions League – keine Gruppenphase gibt, sondern von der ersten Runde an Duelle in Hin- und Rückspiel. Allianz MTV Stuttgart steigt im Sechzehntelfinale ein und hofft auf etwas Losglück, denn richtig starke Gegner gibt es auch in diesem Wettbewerb, unter anderem Galatasaray Istanbul mit den drei Ex-Stuttgarterinnen Britt Bongaerts, Eline Timmerman und Kaja Grobelna. „Das wäre ein schönes Wiedersehen, am liebsten im Finale“, sagt Konstantin Bitter, „wir wollen im CEV-Cup weit kommen, etwas erreichen.“ So wie beim letzten Mal.
2022 stand Allianz MTV Stuttgart im Endspiel des zweithöchsten europäischen Wettbewerbs, unterlag seinerzeit gegen Eczacibasi Istanbul. „Wir freuen uns auf ähnliche europäische Festtage wie damals“, sagt Geschäftsführer Aurel Irion, „wir bauen ein neues, jüngeres Team auf, sind optimistisch, müssen aber erst mal sehen, wie es sportlich funktioniert. Der CEV-Cup ist genau die richtige Herausforderung.“ Um herauszufinden, was in der neuen Ära möglich ist.