Volleyball Eine 13:11-Führung reicht am Ende nicht

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Die Volleyballer des SV Fellbach finden nach einem schwachen Auftakt beim Zweitliga-Tabellenführer TSV Grafing ins Spiel, verpassen nach der bemerkenswerten Leistungssteigerung und dem Satzausgleich aber im Tiebreak den möglichen Auswärtserfolg – 2:3. Der deutsche Beach-Meister Tim Holler zieht sich zurück.

  Foto: Patricia Sigerist
  Foto: Patricia Sigerist

Grafing - Zwei Sätze lang war das Geschehen in der Jahnsporthalle ein weithin einseitiges. Bis tief in den dritten Durchgang hinein durften die 500 Zuschauer in Oberbayern, wie nicht anders erwartet, von einem 3:0-Erfolg des TSV Grafing ausgehen. Doch am Ende kam der Tabellenführer gerade noch so um seine erste Heimniederlage in dieser Zweitliga-Saison herum. Den Volleyballern des SV Fellbach, eben noch klar im Hintertreffen, eröffneten sich am Samstag nach einer bemerkenswerten Steigerung im fünften Abschnitt Siegchancen; sie versäumten es aber, den Vorteil einer 13:11-Führung zu nutzen. ,,Schade, dass es nicht gereicht hat”, sagte der SVF-Trainer Thiago Welter nach dem 2:3 (20:25, 17:25, 25:20, 25:22, 13:15), nach einem Spiel, das ihn mitnahm und mitriss: ,,Die Jungs haben im dritten und im vierten Satz wie auch im Tiebreak eine hervorragende Leistung gezeigt.”

Dieser Abend hatte zwei sehr unterschiedliche Seiten. Zunächst wollte der Aufenthalt in Bayern aus Sicht der Gäste überhaupt nicht hervorragend verlaufen. Dabei präsentierte sich der TSV Grafing nicht so stark wie gewohnt. Dem Ligaprimus, der nach dem 3:0-Erfolg des SV Schwaig am Sonntag beim TSV Unterhaching II bloß noch Zweiter ist, unterliefen am Samstag ein paar Fehler mehr als sonst. Doch der Verbund des SV Fellbach konnte davon nicht profitieren, blieb in den ersten beiden Sätzen hinter seinen Ansprüchen und dem an sich ja gar nicht übermächtigen Gegner zurück. ,,Meine Mannschaft hat zu viel Respekt gehabt und nach dem 0:3 im Hinspiel vielleicht gedacht, sie könnte hier nicht gewinnen”, sagte Thiago Welter.

Irgendwann fängt der SV Fellbach an, Volleyball zu spielen

Sie hat am Schluss zwar nicht gewonnen, vom dritten Satz an aber ganz anders Volleyball gespielt. Nicht mehr so entgegenkommend. ,,Wesentlich aggressiver”, wie der Trainer befand, der die Zehn-Minuten-Pause zwischen der zweiten und der dritten Runde dieses Schlagabtauschs als Gelegenheit zur ausgiebigen An- und Absprache ausgeschöpft hatte. Der Abend veränderte sich spätestens dann ganz entschieden, als der SV Fellbach im dritten Satz einen 12:15-Rückstand in eine 22:15-Führung umwandelte. Tin Tomic, bestens aufgelegt, hatte mit seinem Service die Gemeinschaft des TSV Grafing in Unordnung gestürzt. Mit dem Kapitän Patrick Köder, dem fintenreichen Angreifer Timo Koch, später als wertvollster Akteur des SVF ausgezeichnet, und den weiteren Nebenleuten organisierte er den Widerstand. ,,Wir haben irgendwann angefangen, Volleyball zu spielen, so wie wir das können”, sagte Thiago Welter. Auf einem Niveau, das den Tabellenersten an den Rand einer Niederlage brachte.

Das Aufschlagspiel, voran jenes des 20-jährigen Tin Tomic, war druckvoll. Die Ballannahme nach gegnerischer Spieleröffnung, mit dem Libero Sebastian Mättig an vorderster Stelle, war solide. Wie auf einmal die gesamte Darbietung des SVF. ,,Es hat Spaß gemacht, das mit anzuschauen”, sagte Thiago Welter über die zweite Phase der Begegnung. Unverkennbar jetzt etwa der Unterschied zum Heimspiel Ende Oktober gegen den TSV Grafing. Diese Fortschritte sind es, die der 29-jährige Brasilianer nach dem Umbruch in seinem verjüngten Team anstrebt: ,,Als Gruppe arbeiten wir schon deutlich besser als in den ersten Wochen der Saison.”

Tim Holler ist aus privaten Gründen nicht mehr im Team

Dieser Gruppe gehört das wohl namhafteste Mitglied gerade und bis auf Weiteres nicht mehr an: Tim Holler, an der Seite von Clemens Wickler im September umjubelter Titelgewinner bei den deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften, hat sich aus dem Fellbacher Aufgebot zurückgezogen. „Tim braucht privat eine Pause. Er muss erst einmal schauen, wie es in seinem Leben weitergehen wird“, sagte Thiago Welter im Hinblick auf die Nachwirkungen jener Entscheidung des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), die im Sommer 2017 reichlich Sand aufgewirbelt hatte. Kurz vor seinem nationalen Triumph hatten die Verantwortlichen Tim Holler – wie auch andere – nach nur wenigen Monaten am zentralen Stützpunkt in Hamburg aussortiert. Thiago Welter hat daher Verständnis für die Auszeit des großen Blonden, bedauert sie aber sehr. „Tim war extrem wichtig für uns. Er hat vor allem zu Beginn der Saison viel eingebracht und zu unseren Siegen beigetragen“, sagte der A-Lizenz-Inhaber, der an Tim Hollers Stelle Richard Peemüller aus der Zweitformation des Vereins in den Kader am Samstag berufen hatte. SV Fellbach: Köder, Tomic, Koch, Lagz­dins, Jalowietzki, Manuel Harms, Nadale, Mättig, Filo, Klaue, Leipert, Pfeffer, Schön, Peemüller.




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