Volleyball So bitter verliert Allianz MTV Stuttgart das Pokalfinale
Nach zwei klar verlorenen Sätzen kämpfen sich die Stuttgarter Volleyballerinnen gegen den VfB Suhl zurück, führen im Tie-Break 13:11 – und schenken das Momentum noch her.
Nach zwei klar verlorenen Sätzen kämpfen sich die Stuttgarter Volleyballerinnen gegen den VfB Suhl zurück, führen im Tie-Break 13:11 – und schenken das Momentum noch her.
Volleyball ist nicht zuletzt deshalb so attraktiv, weil das Momentum jederzeit kippen kann. Manchmal auch mehrfach innerhalb eines Spiels – wie im Pokalfinale zwischen Allianz MTV Stuttgart und dem VfB Suhl. Der Bundesliga-Spitzenreiter aus Stuttgart erwischte einen katastrophalen Start, lag schnell mit 0:2 Sätzen zurück, gewann aber die beiden nächsten Durchgänge und führte im Tie-Break mit 13:11. Nur zwei Punkte fehlten noch zum Pokalgewinn, doch kurz darauf jubelte der VfB Suhl, der die letzten vier Zähler gemacht hatte, über den 3:2 (25:17, 25:18, 15:25, 23:25, 15:11)-Sieg. Nach dem auf beiden Seiten Tränen flossen.
MTV-Zuspielerin Pia Kästner und Mittelblockerin Lucia Varela Gomez, die ihre Führungsqualitäten bewiesen hatten, weinten vor Enttäuschung. Und auf der anderen Seite konnte und wollte VfB-Kapitänin Roosa Laakkonen, die mit einem Block den Matchball verwandelt hatte, die Tränen der Freude nicht zurückhalten. „Uns hat am Ende der Killerinstinkt gefehlt“, meinte Konstantin Bitter, der Trainer von Allianz MTV Stuttgart, während sein Kollege über die Qualitäten seines Teams schwärmte. „Wahrscheinlich ist unser stärkster Muskel unser Herz“, sagte Laszlo Hollosy, „wir haben nie aufgegeben, auch als der Sieg fast unmöglich war. Wir haben für Suhl und für Thüringen gezeigt, dass alles machbar ist, wenn man hart arbeitet und an sich glaubt.“ Und mit Selbstvertrauen in ein Spiel geht.
Sechs Tage vor dem Pokalfinale hatte der VfB in der heimischen Wolfsgrube dem Tabellenführer der Bundesliga die erste Niederlage der Saison zugefügt (3:2), und in diesem Stil ging es weiter. Das Team aus Suhl überrannte Allianz MTV Stuttgart in den ersten beiden Sätzen, zeigte seine Offensivstärke, aber auch den größeren Einsatz und Willen. In beiden Durchgängen ging der VfB schnell mit 5:0 in Führung und baute seinen Vorsprung anschließend kontinuierlich aus. Die Ergebnisse fielen nur deshalb nicht noch höher aus, weil die Stuttgarterinnen am Ende jeweils drei Satzbälle abwehrten. „Wir sind“, sagte Pia Kästner, „einfach scheiße ins Spiel gestartet.“ Aber umso beeindruckender zurückgekommen.
Die eingewechselten Mikala Mogensen und Anna Koulberg setzten gute Akzente – und Lucia Varela Gomez zeigte ihre Qualitäten beim Aufschlag. Nach dem 10:7 schlug sie fünf (!) Asse in Folge, beim 15:7 war das Momentum erstmals gekippt und die Frage: Dreht sich nun auch das Spiel?
Den dritten Satz gewannen die Stuttgarterinnen sicher mit 25:15, nahmen den Rückenwind allerdings nicht mit. Im vierten Durchgang waren sie 6:12 hinten, alles sah nach einer 1:3-Niederlage aus. Doch das MTV-Team schaffte ein erneutes Comeback. Nach dem 14:16 gelang ein 7:1-Lauf, letztlich machte Außenangreiferin Mikala Mogensen mit zwei erfolgreichen Schmetterbällen zum 24:22 und 25:23 den Satzausgleich perfekt. Und auch im Tie-Break ging es hin und her.
Der VfB lag zunächst mit 7:4 vorne, dann aber machten die Stuttgarterinnen aus einem 9:10-Rückstand eine 13:11-Führung. Doch dann machte der MTV keinen einzigen Zähler mehr. Am Ende feierten die Suhlerinnen mit ihren Fans, die vor dem Spiel ein richtungsweisendes Plakat entrollt hatten („Heute ist ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben!“), in der Mannheimer SAP-Arena ihren Coup. „Stuttgart ist ein enorm starkes Team, von dem jeder erwartet hatte, dass es 3:0 gewinnt“, sagte Coach Laszlo Hollosy, „ich habe meiner Mannschaft gesagt, dass wir verlieren werden, wenn wir nur einmal zögern. Jetzt ist das Gefühl einfach wunderbar.“
Das sahen die Stuttgarterinnen zwar etwas anders, Konstantin Bitter war allerdings weit davon entfernt, seinem Team größere Vorwürfe zu machen. „Natürlich ist die Enttäuschung riesig, weil wir am Ende alle Vorteile auf unserer Seite hatten“, sagte der MTV-Coach, „doch wenn ich sehe, wie wir zurückgekommen sind, dann bin ich stolz auf die Leistung der Mannschaft – und sehr zuversichtlich für den Kampf um die Meisterschaft.“ Dann wird es ziemlich sicher ein Wiedersehen mit dem VfB Suhl geben. Und auch die Möglichkeit zur Revanche.