Volleyball So mischt Allianz MTV Stuttgart die Königsklasse auf
Die Stuttgarter Volleyballerinnen könnten mit zwei Heimsiegen den direkten Einzug ins Viertelfinale der Champions League perfekt machen – das hatte niemand erwartet.
Die Stuttgarter Volleyballerinnen könnten mit zwei Heimsiegen den direkten Einzug ins Viertelfinale der Champions League perfekt machen – das hatte niemand erwartet.
Es gab in dieser Saison schon bittere Momente für die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart – nach dem 1:3 im Supercup gegen den SC Potsdam (ohne längere Vorbereitung) und dem 2:3 im Pokal-Halbfinale gegen den SSC Schwerin (ohne Krystal Rivers) waren die ersten zwei Saisonziele verfehlt. Umso schöner, dass noch genügend Herausforderungen bleiben. In der Bundesliga liegen die Stuttgarterinnen nach der Hälfte der Saison vorne, der Plan geht auf. Für die Champions League gilt das nicht. Denn auf europäischer Bühne läuft es noch besser, als in den kühnsten Träumen erhofft.
Nach drei Siegen in drei Spielen steht der deutsche Meister auch hier auf Rang eins, mittlerweile ist ein realistisches Szenario, was vor Beginn der Hauptrunde unmöglich schien: dass Allianz MTV Stuttgart als einer von fünf Gruppensiegern direkt ins Viertelfinale einzieht. „Daran war nicht zu denken“, sagt Sportdirektorin Kim Renkema, „allerdings warne ich davor, nun zu euphorisch zu werden. Ich habe großes Vertrauen in die Mannschaft, aber es wird noch ein hartes Stück Arbeit.“ Der Auftrag jedoch ist klar.
Den Stuttgarterinnen würden zwei Heimsiege gegen LKS Lodz (1. Februar, 19 Uhr) und Tenerife La Lagune (8. Februar, 19 Uhr) reichen, um sicher Erster zu werden. Das Spiel gegen die Spanierinnen ist dabei eher eine Formsache, die erste Partie auf Teneriffa gewann das Team um Krystal Rivers, die als beste Spielerin ausgezeichnet wurde, am Donnerstagabend locker mit 3:0 (25:19, 25:15, 25:18). „Schön war es nicht“, meint Kim Renkema, „aber wir haben unsere Aufgabe erfüllt.“ Im zweiten Duell mit LKS Lodz dürfte das schwieriger werden. Zum Auftakt der Königsklasse hat der MTV in Polen zwar 3:0 gewonnen und laut seiner Sportdirektorin eine „krasse Leistung“ gezeigt. Dennoch sagt sie: „Das ist ein richtig starker Gegner, diese Partie wird sicherlich kein Selbstläufer.“ Was ein anderes Ergebnis unterstreicht.
Am Mittwoch schlug LKS Lodz den klaren Favoriten Fenerbahce Istanbul mit 3:1, verbesserte sich mit sechs Punkten auf Platz zwei hinter Allianz MTV Stuttgart (8) – für den Spitzenreiter steht nun, auch das war nicht vorherzusehen, ein Bonusspiel an. Am Mittwoch (15.30 Uhr) geht es zu Fenerbahce Istanbul (4), das gehörig unter Druck steht. „Es wäre super, wenn wir auch von dort einen Punkt mitnehmen könnten“, sagt Renkema, „einfach wird das aber nicht.“ Schließlich hat das türkische Topteam noch einmal nachgelegt.
Weil Kapitänin Eda Erdem Dünder mit einer Lungenentzündung länger ausfällt, verpflichtete der Club, der einen Etat im zweistelligen Millionenbereich hat, kurzerhand in der Bulgarin Christina Vuchkova eine Top-Mittelblockerin nach. Zudem kehrt Superstar Melissa Vargas zurück. Die Diagonalangreiferin schmetterte zuletzt in China, wo sie zur besten Spielerin gekürt wurde. Dort ist die Saison nun beendet, weshalb die Kubanerin wieder in Istanbul angeheuert hat. „Die Möglichkeiten dieses Vereins sind unbegrenzt“, sagt Kim Renkema, „Fenerbahce hatte zuletzt personelle Probleme. Das ist nun vorbei. Die Herausforderung ist riesig.“
Allerdings hat die Mannschaft von Trainer Tore Aleksandersen diese Saison vor allem in der Champions League bewiesen, dass sie mit ihren Aufgaben wächst. Dazu gehört nun auch der eng getaktete Spielplan.
Von Teneriffa aus machten sich die Stuttgarterinnen direkt auf nach Suhl, wo es an diesem Samstag (17.30 Uhr) in der Bundesliga zur Sache geht. Ähnlich ist die Konstellation nächste Woche. Nur zwei Tage nach dem Duell in Istanbul gastiert am 20. Januar (19 Uhr) der VC Wiesbaden in der Scharrena – die Partie musste wegen des VfB-Heimspiels gegen den FSV Mainz vorverlegt werden. „Das Programm ist brutal. Wir müssen schauen, ob es möglich sein wird, in Suhl die eine oder andere Spielerin etwas zu schonen“ sagt Kim Renkema, „klar ist aber auch, dass wir uns in der Bundesliga keine Ausrutscher erlauben können.“
Was dahintersteckt? Ist logisch: Zwei verspielte Saisonziele sind genug.