Volleyball TSV Flacht Blaubären in der Bundesliga – Fragen und Antworten

Talent bei den Blaubären aus Flacht: Libera Valerie Sutterer wird Ende März 19 Jahre alt. Foto: Andreas Gorr

Die Binder Blaubären des TSV Flacht schlagen in der neuen Saison in der Volleyball-Bundesliga auf. Es wird sich im Club und auf dem Spielfeld einiges ändern, aber beileibe nicht alles.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Bezirksliga, Zweite Liga Pro, Bundesliga – zwei Aufstiege innerhalb von etwas mehr als zwei Jahren. Schneller als die Volleyball-Abteilung des TSV Flacht ist wohl kaum ein Sportclub aus der namenlosen Provinz in die jeweilige deutsche Elite gerückt. Die Binder Blaubären nutzten die Gunst der Stunde und stellten im Rahmen des sogenannten Paketaufstiegs einen Lizenzantrag für die Bundesliga, der im Mai mit höchster Wahrscheinlichkeit das Plazet der VBL finden dürfte. Am Samstag (19 Uhr) tritt das Team in der Zweiten Liga Pro beim TV Dingolfing an, doch die Vorbereitung für den Start in der Beletage hat längst begonnen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

 

Werden die Blaubären künftig unter Vollprofi-Bedingungen arbeiten?

Ein klares nein. „Wir arbeiten weiter wie bisher unter semi-professionellen Bedingungen“, stellt Manager Michael Kaiser klar. Das bedeutet, es wird wie in der Zweiten Liga Pro auch künftig viermal pro Woche in der Halle trainiert, zweimal gehen die Spielerinnen individuell zum Athletik-Training. Auch die künftigen Bundesliga-Akteurinnen werden neben dem Volleyball ihren Berufen, ihrer Ausbildung oder einem Studium nachgehen.

Welche Veränderungen im Kader wird es für die neue Runde geben?

Personell erhält die Mannschaft kein völlig neues Gesicht. Da sich – abgesehen von der Liga – in der Struktur und am sportlichen Aufwand nur wenig ändert, wird zunächst mit den aktuellen Kräften gesprochen, ob sie für die Bundesliga zur Verfügung stehen. Bei der einen oder anderen Akteurin stehen Veränderungen im privaten Umfeld an, sodass sie zunächst entscheiden müssen, ob es für sie überhaupt mit der Volleyball-Karriere weitergeht. „Diese Gespräche hätten wir ohnehin geführt“, betont Sportdirektor Jan Lindenmair, „das wäre sowieso Liga-unabhängig passiert.“ Je nachdem, welche Ergebnisse die Sitzungen bringen, wird der Club nach neuen Spielerinnen Ausschau halten – aber selbstverständlich beobachtet Lindenmair parallel bereits den Volleyballmarkt.

Bleibt das Trainerteam im Amt?

Auch in dieser Frage setzen die Binder Blaubären zunächst auf Kontinuität, da sich beim Pro-Zweitligisten im Trainerteam bestimmte Prozesse und Zuständigkeiten herausgebildet haben. Die gesamte Truppe um Chefcoach Nico Reinecke ist erster Ansprechpartner für eine Vertragsverlängerung – auch deshalb, weil sich die Mannschaft von einem Abstiegskandidaten zu einer der Top-5-Mannschaften entwickelt hat.

Chefcoach Nico Reinecke (li.) und Co-Trainer Jonathan Zuber Foto: Andreas Gorr

Werden die Blaubären in der Bundesliga womöglich zu Dauer-Verlierern, wenn sie sportlich nicht stark aufrüsten?

Dass die Großen Vier, Allianz MTV Stuttgart, SSC Schwerin, SC Potsdam und Dresdner SC, eine Nummer zu groß sein werden, steht nicht nur für für Cheftrainer Reinecke außer Frage. „Wir wollen versuchen, die Clubs aus der zweiten Reihe so oft wie möglich zu ärgern“, sagt er und meint den VfB Suhl, VC Wiesbaden, USC Münster und die Ladys in Black Aachen. Mit dem letztjährigen Zweitliga-Meister SW Erfurt sowie den Paketmitaufsteigern Volleys Borken und ETV Hamburg sieht Reinecke die Blaubären auf Augenhöhe. „Das werden die Spiele, wo wir uns beweisen wollen“, erklärt der 41-Jährige. Wohlgemerkt: In den ersten beiden Saisonen gibt es keinen Absteiger, sodass die Mannschaften sich ohne sportlichen Druck in der Bundesliga etablieren können.

Muss der Etat aufgestockt werden?

Die Budgets der Großen Vier liegen im siebenstelligen Bereich, Allianz MTV Stuttgart operiere mit einem Etat von mehr als zwei Millionen Euro, wird kolportiert. Der TSV Flacht kommt als Zweitligist mit rund 200 000 Euro über die Runden. Dass der Etat wachsen muss und wird, ist für Manager Michael Kaiser keine neue Erkenntnis – es heißt, in der Bundesliga sei ein Budget von mindestens einer halben Million Euro auf Dauer nötig. Aber der Club muss das stattliche Delta von mehreren 100 000 Euro nicht gleich für die erste Saison aufbringen. „In diesem Fall hätten wir diesen Schritt nicht vollzogen“, betont Jan Lindenmair. Der Masterplan sieht vor, nach und nach zu wachsen. Der größte Brocken im Etat sind die Reisekosten. Die werden aufgrund des Aufstiegs nicht in ungeahnte Sphären klettern – auch in der Zweiten Liga Pro sind die Blaubären bereits deutschlandweit unterwegs. Da die Bundesliga aus zwölf Teams besteht (in der Zweiten Liga Pro sind es 14), fallen sogar zwei Auswärtsfahrten weg.

Sportdirektor Jan Lindenmair mit Spielerin Leonie Büdenbender Foto: Baumann/Alexander Keppler

Bleibt die Heckengäusporthalle weiterhin die Bärenhöhle?

Ein ganz klares ja. „Wir bleiben natürlich in Weissach“, betont Kaiser, „vielleicht tragen wir eine oder zwei publikumsträchtige Partien woanders aus.“ Infrage käme dabei etwa Pforzheim. Eigentlich wäre die Halle nicht Bundesliga-tauglich, weil sie mit 14 Metern Höhe zu niedrig ist und die maximale Zuschauerkapazität mit 430 Plätzen zu gering. Doch hier greifen die Zugeständnisse, die die VBL den Paketaufsteigern gemacht hat. Ein Umzug ist daher nicht nötig und wird auch auf lange Sicht nicht anvisiert.

Welche Zugeständnisse macht die Volleyball-Bundesliga (VBL) den drei Paketaufsteigern darüber hinaus?

Auch eine sonst geforderte LED-Wand müssen die Blaubären nicht in die Halle einbauen, beim Spielplan wird die VBL darauf achten, dass die Blaubären unter der Woche kein Auswärtsspiel bestreiten müssen. Darüber hinaus erhält jeder Paketaufsteiger einen kleinen, einmaligen finanziellen Zuschuss im niedrigen fünfstelligen Bereich, um organisatorische Veränderungen abzufedern.

Weitere Themen