Volleyball TSV Flacht Blaubären: Steht die Bundesliga auf der Kippe?
Es rumort in der beschaulichen Gemeinde Weissach. Es geht um eine Ausnahmegenehmigung, die es dem TSV Flacht ermöglicht, in der Volleyball-Bundesliga zu starten.
Es rumort in der beschaulichen Gemeinde Weissach. Es geht um eine Ausnahmegenehmigung, die es dem TSV Flacht ermöglicht, in der Volleyball-Bundesliga zu starten.
Mischt ein Dorf in der großen Welt des Sports mit, geht meist großer Stolz der Bevölkerung damit einher. Die TSG Hoffenheim kickt seit 2008 in der Fußball-Bundesliga und prahlt gerne mit diesem Merkmal wie etwa auf den käuflichen T-Shirts „Dorfverein TSG“ – der Sinsheimer Stadtteil beherbergt rund 3350 Einwohner.
In Weissach und Flacht sind gut 7600 Menschen gemeldet, und in der kommenden Saison schlagen die Blaubären in der Volleyball-Bundesliga der Frauen auf – doch im Heckengäu herrscht in manchen Teilen der Bevölkerung größte Reserviertheit gegenüber dem TSV Flacht und dessen sportlichem Abenteuer.
Stein des Anstoßes: die Heckengäusporthalle Nummer zwei, die Bärenhöhle der regionalen Volleyball-Hochburg, deren Spielerinnen seit zwei Saisonen in der Zweiten Liga Pro gegen die Konkurrenten schmettert. Aufgrund einer Ausnahmegenehmigung dürfen bislang 433 Tickets an Zuschauer verkauft werden – exakt die steht womöglich nun auf der Kippe.
Die Halle besitzt den Status Sportstätte, was ihre Kapazität auf 200 Zuschauer limitiert. Das Landratsamt hat eine Sondergenehmigung erteilt, die ist erstens befristet und zweitens an Bedingungen gekoppelt – dabei geht es primär um den Brandschutz. Ein Dreivierteljahr hat die Verwaltung am Konzept inklusive Belüftung sowie Flucht- und Rettungswege gearbeitet. „Das war unglaublich aufwendig“, sagt Bürgermeister Jens Millow. Geht die Kommune die Punkte nicht an, gefährde sie laut Millow die Sondergenehmigung: „Wir müssen die Maßnahmen umsetzen, um zumindest die aktuellen Zahlen zu halten.“ Kostenschätzung: insgesamt etwa 800 000 Euro.
Für die Blaubären wäre die Aberkennung der Sondergenehmigung der wohl sichere K.-o.-Treffer. Vor lediglich maximal 200 Fans zu spielen, würde die Bundesliga-Träume der Blaubären wohl platzen lassen wie eine Seifenblase. Mit den 433 Plätzen, die im Rahmen der Lizenzierung an die Deutsche Volleyball-Liga (DVV) gemeldet worden sind, könnten die Verantwortlichen dagegen sehr gut leben. „Wir sehen die Halle als unsere Heimat an“, betont Manager Michael Kaiser, „sie ist fester Bestandteil unserer Strategie, in der Bundesliga Fuß zu fassen. Daher stehen wir mit der Kommune darüber stets in Verbindung.“
Jedoch haben sich gut 600 Bürgerinnen und Bürger gesammelt, die eine Petition gestartet haben, um das von der Kommune erdachte Konzept zu verhindern. Mario Langjahr, einer der Wortführer und einst im Vorstand des TSV Weissach, befürchtet, dass sowohl der Schul- als auch der Vereinssport unnötig lange unter den Umbaumaßnahmen litten. „Die Situation in der Halle ist jetzt schon schlimm“, betont er.
Bei den Blaubären kommt dieses Bürgerschaftsengagement freilich so gut an als hätte ihnen jemand sämtliche Volleybälle gestohlen. Manager Kaiser enthält sich aber jeglichen Kommentars, um keinen Brandbeschleuniger ins lodernde Feuer zu schütten – und hofft inständig, dass die angedachten Maßnahmen kommen werden. Der 41-Jährigen geht es dabei nicht, die Heckengäusporthalle in einen Heckengäu-Dome mit 1000 Plätzen aufzublasen. „Wir können mit der Kapazität von 433 Fans auch in der Bundesliga leben“, erklärt er, „es besteht von unserer Seite kein wirtschaftlicher Zwang, die Zuschauerzahl zu erhöhen.“
Mit der Umsetzung aller Baumaßnahmen könnte der Hallenstatus in eine Versammlungsstätte gewandelt werden, sodass 433 Fans kein Limit mehr darstellen würden. Das wäre neu festzusetzen, 500 oder 600 Tickets für den Verkauf pro Heimspiel, das könnte dem Manager durchaus gefallen – vergangene Saison lag der Schnitt bei 365 Fans, dreimal war die Halle ausverkauft. „Jeder Platz mehr erlaubt uns, unser Projekt voranzutreiben“, betont Kaiser. Der Zweitliga-Etat der Blaubären von 200 000 Euro muss für die erste Liga auf mindestens das Doppelte gehievt werden – eine Obergrenze von 200 Zuschauern wäre dabei kaum Bundesliga-tauglich.