Volleyballspielerin Melina Stängle mit einer ihrer selbst designten Handtasche. Foto: privat
Melina Stängle verbindet Sportgeist mit Kunst. Sie führt den Volleyball-Drittligisten TSV Georgii Allianz als Kapitänin aufs Feld und entwirft auch eigene Handtaschen und Schmuck.
Melina Stängle besticht auf und neben dem Volleyballfeld mit ihrer Kreativität. Die Außenangreiferin und Kapitänin des Drittligisten TSV Georgii Allianz ist hauptberufliche Designerin für einen Autozulieferer und hat sich zudem nebenbei ein eigenes Standbein mit selbst designten Taschen und Schmuck aufgebaut. „Als Außenangreiferin muss man bei sehr vielen verschiedenen Spielsituationen innerhalb weniger Sekunden reagieren, Muster erkennen oder eine clevere Lösung finden. Man muss nicht kreativ sein, aber in meinem Fall wirkt sich das schon positiv auf meine Art zu spielen aus“, erklärt Stängle.
Melina Stängle kommt aus einer Volleyballer-Familie
Aufgewachsen ist die heute 31-Jährige in Sindelfingen in einer Volleyballer-Familie. Ihre Eltern Claudia und Rolf lernten sich beim Volleyball in der Sporthalle kennen. „Meine Schwester und ich sind schon im Kinderwagen in der Halle dabei gewesen“, erzählt Stängle. Über den TSV Georgii Allianz landete sie in der gemeinsamen Volleyball Akademie ihres Heimatvereins mit dem MTV Stuttgart. Zudem wechselte sie von ihrer Sindelfinger Schule auf das Schickhardt Gymnasium, eine Elite-Schule des Sports, nach Stuttgart. Während ihres Abiturs trainierte Stängle mit der Zweitliga-Mannschaft des MTV Allianz Stuttgart, spielte jedoch mit ihrem Jugend-Team in der Oberliga. Nach ihrem Abschluss folgte sie ihrer Schwester Sara in die USA.
Melina Stängle im Angriff. Foto: Archiv Günter Bergmann
Zunächst lief sie für das Pasco-Hernando State College auf, ehe sie an die Chicago State University wechselte. Bei den Chicago State Cougars, die in der höchsten amerikanischen Universitätsliga spielen, lernte sie jedoch die Schattenseiten des Leistungssports kennen. „Der Leistungsdruck in Chicago war sehr heftig“, sagt Stängle, die nebenbei Business Marketing studierte. In der kompakten College-Saison häuften sich die Spiele auf zwei bis vier Partien pro Woche. Spiele und Trainings krank oder verletzt auszulassen, sei kaum möglich gewesen, berichtet Stängle, die bereits mit 17 Jahren an der Schulter operiert werden musste. Anders als ihre Schwester, die bis heute in den USA lebt, brach Melina Stängle deshalb ihre Zelte in den USA nach drei Jahren ab. Und hing die Volleyballschuhe vorerst an den Nagel. „Das war kein Spaß mehr. Meine eigentliche Leidenschaft ist dann so richtig zum Beruf geworden und alles hing von der eigenen Leistung ab“, berichtet sie. Dennoch sei die Zeit in Übersee „toll und lehrreich“ gewesen.
Fortan widmete sie sich ihrer Leidenschaft außerhalb des Sports und studierte an der Media Akademie Industriedesign. Ganz weg von ihrem Sport war sie jedoch nie. Neben ihrer Arbeit im Interior Design bei Mercedes-Benz unterstützte sie ihren Vater als Jugendtrainerin in der Stuttgarter Volleyball Akademie. „Das hat irgendwie wieder Bock gemacht“, sagt sie. Richtig zurück kam der Spaß dann während ihres Masters in Textildesign in Linz. Über den Unisport stieg Stängle wieder ein und wurde 2022 zusammen mit Daniel Eder österreichische Meisterin im Mixed-Beachvolleyball. Daraufhin bekam sie zwei Angebote von österreichischen Mannschaften und wechselte zu den Steelvolleys ASKÖ Linz/Steg, spielte dort in der zweiten Liga und trainierte mit der Erstliga-Mannschaft. „Ich habe mir dann aber meinen Meniskus gerissen und wurde operiert. Und dann war das Studium in Österreich auch schon wieder vorbei“, berichtet sie.
Nach 24 Jahren schließt sich der Kreis für Melina Stängle
Dass Stängle wieder richtig in den Sport einstieg, lag auch daran, dass 2021 ihr Vater plötzlich verstarb. „Das war noch mal ein Antrieb, weil der Sport mich immer begleitet hat und mein Vater immer dabei war“, erzählt sie. Entsprechend schloss sich 2024 ein Kreis, als sie wieder zum TSV Georgii Allianz zurückkehrte – dem Heimatverein ihres Vaters. „Es war wie nach Hause zu kommen, in der Halle hatte sich seit 24 Jahren nichts verändert und es waren noch viele bekannte Gesichter im Verein“, erinnert sie sich. Direkt wurde Stängle zur Spielführerin gewählt. Sportlich sei sie keine Starspielerin, sieht es aber als Bestätigung für ihre offene Art. „Ich sorge menschlich für den Zusammenhalt und dafür, dass sich jeder an mich wenden kann. Ich bin das Bindeglied zwischen Trainer, Verein und Team“, erklärt sie. Sportlich ist der TSV Georgii Allianz nach einem schwachen Saisonstart wieder auf Kurs. Am kommenden Samstag empfängt der Tabellenvierte um 19 Uhr den Verfolger SSC Bad Vilbel. „Unser Anspruch ist immer ein Platz unter den ersten Drei. Dann können wir uns jedes Jahr die Frage stellen, ob wir aufsteigen wollen oder nicht“, sagt sie und lacht. In den vergangenen Jahren hatten sich Team und Verein immer dagegen entschieden. Zieht Stängle mit, wenn es doch heißt: Ja, wir wollen in Liga zwei. „Ich würde schon mitmachen“, sagt die Kapitänin.
Womöglich hätte sie dann aber weniger Zeit für ihr weiteres Hobby. In jeder freien Minute arbeitet Stängle an eigenen Taschen und Schmuck. In ihrer Drei-Zimmer-Wohnung im Stuttgarter Westen hat sie einen Raum zu ihrem persönlichen Studio umgebaut. Auch auf Dienstreisen nimmt sie immer etwas mit, um daran zu arbeiten. „Das ist schon cool, wenn man auch auf der Straße angesprochen wird auf die eigenen Sachen.“ Mittlerweile verkauft sie die in Handarbeit hergestellten Accessoires auch online. „Es wäre schon cool, irgendwann mehr Zeit zu haben, um mehr Aufwand in die eigenen Projekte zu stecken.“ Doch noch stehen der TSV Georgii Allianz und ihr ohnehin schon kreativer Hauptberuf im Vordergrund.