Volleyball VfB Friedrichshafen – ohne eigene Halle, aber wieder mit Zuschauern
Seit Monaten muss der VfB Friedrichshafen in der Volleyball-Bundesliga der Männer seine Heimspiele in Neu-Ulm austragen. Das strapaziert die Mannschaft zusätzlich.
Seit Monaten muss der VfB Friedrichshafen in der Volleyball-Bundesliga der Männer seine Heimspiele in Neu-Ulm austragen. Das strapaziert die Mannschaft zusätzlich.
Stuttgart - Friedrichshafen ist nicht ganz so klein. Mit 61 000 Einwohnern spricht man da von einer großen Mittelstadt, außerdem ist Friedsrichshafen nach Konstanz die zweitgrößte Stadt am Bodensee und auch Kreisstadt. Es gibt dort sogar einen Flughafen. Außerdem steht die Stadt mit seinem gut besuchten Museum in der Zeppelin-Tradition. Umso mehr wundert es, dass es keinen Platz mehr gibt für eine der besten Volleyballmannschaften Deutschlands.
Seit Monaten stehen die Volleyballer des VfB Friedrichshafen ohne Halle da. Die ZF-Arena, die alte Heimat des mehrfachen deutschen Meisters, ist baufällig. Sie zu renovieren oder abzureißen und neu aufzubauen würde Kosten in Höhe von 25 Millionen Euro verursachen. Geld, das es nicht gibt. Wie es weitergehen soll, ist ungewiss. Und die Hallenalternative in gewisser Weise für den Bundesligisten eine Zumutung. Denn seit Saisonbeginn tragen die Volleyballer des VfB ihre Heimspiele in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm aus.
Das sind 110 Kilometer einfach, die Mannschaft reist immer einen Tag früher an und bezieht ein Hotel. „Klar ist es besser, im eigenen Bett zu schlafen, bevor man ein Heimspiel hat“, sagt Teammanager Matthias Liebhardt. Außerdem belasten die Übernachtungskosten den Etat enorm.
Zur Neu-Ulm-Alternative kam es aus bestimmten Gründen. „Die Messe kann uns nicht garantieren, dass wir über die Saison eine Halle bekommen, in der wir spielen können“, sagt Liebhardt. Also war die nächste Halle, die als Option zur Verfügungs stand, die im entfernten Ulm. Jedes Heimspiel ist somit auch ein Auswärtsspiel. „Die Strapazen sind mit Sicherheit höher, aber uns bleibt nichts anderes übrig“, sagt der Teammanager. Die Zukunft steht in den Sternen. Gespräche mit der Stadt Friedrichshafen und dem Verein sind im Gange.
Zumindest dürfen die Friedrichshafener am Sonntag ihr Heimspiel in Ulm gegen die United Volleys Frankfurt (17.30 Uhr) gemäß der jüngsten bayerischen Corona-Verordnungen vor 1500 Zuschauern austragen. Das wird ein bisschen Geld in die Kasse bringen, wobei fraglich ist, wie viele Volleyball-Fans die weite Reise vom Bodensee nach Neu-Ulm in die Ratiopharm-Arena auf sich nehmen werden. Immerhin: die fast zweimonatige Phase ohne Heimpublikum endet nun. „Während in anderen Arenen Zuschauer zugelassen waren, hatte Bayern da sehr restriktive Vorgaben, die wir natürlich auch verstanden haben“, sagt VfB-Geschäftsführer Thilo Späth-Westerholt im Rückblick und gibt zu: „Wir haben aber auch etwas wehmütig in die Hallen unserer Gegner geschaut.“
Am Sonntag gelten 2G-plus, das Abstandsgebot, Alkoholverbot und die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske. So auch beim nächsten Heimspiel am 2. Februar, wo in Neu-Ulm gegen den alten Meisterschaftsrivalen aus Berlin im Halbfinale des Pokals gespielt wird. Fanbusse vom Bodensee an die Donau können im Ticketshop der Häfler dazu gebucht werden. Sportlich haben die Männer vom Bodensee den Anschluss an die Berliner allerdings verpasst. In der Bundesliga sind die Männer vom See Tabellenvierte – mit 20 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Berlin Recycling Volleys.
„Man kann schon sehen, dass Berlin uns ein bisschen enteilt ist. Wir hatten große Probleme zu Beginn der Saison und viele Verletzte. Dann kommt die Hallensituation hinzu, wir konnten vier Wochen lang eigentlich gar nicht richtig trainieren“, nennt Manager Liebhardt die Gründe für diese Entwicklung. Die Trainingsstätte in der Messe war lange Zeit nicht benutzbar – also musste das Team von Schulhalle zu Schulhalle tingeln, um einigermaßen am Ball zu bleiben.