Volleyball Zweite Liga Pro Eine Überdosis Blaubären in 22 Tagen

Am Samstag fällt für Michael Kaiser (rechts) und die Blaubären der Startschuss für den Heimspielmarathon. Foto: Andreas Gorr

Für den Volleyball-Zweitligisten Binder Blaubären TSV Flacht stehen fünf Heimspiele an – nicht ganz einfach für Michael Kaiser, die zielgerecht zu vermarkten.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Ein heißer Herbst steht den Volleyballerinnen der Binder Blaubären des TSV Flacht bevor. An diesem Samstag (19 Uhr) fällt der Startschuss, wenn die ESA Grimma Volleys in der Heckengäusporthalle aufschlagen – und dann folgen im elften Monat des Jahres die Liga-Partien gegen Snowtrex Köln (16.) und VCO Dresden (17.) sowie gegen den SSC Freisen (23.). Als Zuckerle obendrauf gibt’s am 9. November noch das Achtelfinalspiel im DVV-Pokal in eigener Halle gegen den amtierenden Meister und Pokalsieger Allianz MTV Stuttgart mit seinem Star-Ensemble um Chrystal Rivers.

 

Fünf Heimspiele in 22 Tagen, das erinnert an Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“ und ähnlich stark eingespannt wie Phileas Fogg fühlt sich dabei Michael Kaiser, der Manager der Blaubären, der die Heimspielflut mit einem Augenzwinkern als „Fiasko“ bezeichnet, was aus dem Italienischen stammt und so viel wie Reinfall bedeutet.

Herausforderung für die Vermarktung

Nicht, dass die Blaubären eine Aversion besäßen, vor ihren Fans in Weissach aufzuspielen – die Zweitliga-Volleyballerinnen schätzen die emotionsgeladene Stimmung in der Halle wie eine Katze, die tagtäglich mit Delikatessen der Edelmarke „Sheba“ gefüttert wird. Was Michael Kaiser ein wenig umtreibt, ist die geballte Häufung der Heim-Auftritte, die ihm wie eine späte, zu üppige Mahlzeit im Magen liegt. „Das macht es für uns bezüglich der Vermarkung nicht gerade leicht“, sagt der 40-Jährige, „es wird eine anspruchsvolle Aufgabe, die Halle jedes Mal ordentlich zu füllen. Aber selbstverständlich freuen wir uns auf alle Spiele.“

Den Spielplan zu entzerren, das war nicht möglich – viele Interessen der Volleyball-Liga und der Vereine müssen unter einen Hut gepresst werden. Länderspiele, Hallenbelegungspläne, notwendige Regenerierungspausen nötigen mal diesem, mal jenem Club gewisse Härten ab. „Wir haben uns das anders gewünscht“, sagt Kaiser und zuckt die Schultern, „es ließ sich nicht anders regeln.“

Topspiel gegen MTV Stuttgart

Das Pokal-Match gegen Allianz MTV Stuttgart stellt dabei ein Problem dar wie für Stabhochsprung-Weltmeister Armand Duplantis (6,26 Meter) einen Sprung über 6 Meter zu meistern. Das geht mit links. Das Spiel gegen den Bundesligisten ist im Grunde ausverkauft, die Truppe aus Stuttgart hat zugesichert, mit dem besten Team anzutreten und überdies eine Autogrammstunde einzulegen. „Da hätten wir die Halle dreimal füllen können“, sagt Kaiser, der in der Heckengäuhalle pro Partie 430 Plätze anbieten kann.

Die Karten für die Begegnungen gegen Grimma, Köln, Dresden und Freisen gehen dagegen nicht so rasant weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln – was das gesamte Vermarktungsteam des TSV Flacht ziemlich herausfordert. Denn der Ticketabsatz ist wichtig fürs Budget, eine ausverkaufte Blaubärenhöhle spült beim Preis von zwölf Euro pro Ticket etwas mehr als 5000 Euro brutto in die Kasse und schafft dem Zweitligisten zusätzliche finanzielle Möglichkeiten im Etat, der mittlerweile sechsstellig daherkommt. Davon machen alleine die Reisekosten gut 40 000 Euro aus. Mehr Fans in der Halle bedeutet zugleich mehr Umsatz bei Speisen und Getränken. Vergangene Runde lockten die Blaubären im Schnitt 375 Fans in die Halle, diese Saison würde sich Michael Kaiser freuen, die 400 zu knacken.

Vermarktung als Schlüssel

„Die Vermarktung ist der Schlüssel, um finanziell zu wachsen und die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den nächsten Schritt zu schaffen“, betont Kaiser wohlwissend, dass die Aufgabe für ein Team von ehrenamtlichen Helfern ausgesprochen anspruchsvoll ist. Es geht darum, die Volleyballerinnen noch mehr in den Fokus der Wahrnehmung zu rücken, „noch immer weiß nicht jeder aus Weissach, Flacht und der Umgebung, was bei uns abgeht“, sagt der Manager, „da liegt noch einiges brach, das wir beackern müssen“.

Noch präsenter sein, wobei der Social-Media-Auftritt bereits zur Zufriedenheit läuft. Es geht darum, neue Partner zu gewinnen, die Akquisition zu verstärken, und dazu sollte das Vermarktungsteam am besten noch drei, viel zusätzliche Helfer bekommen. Denn so profan es sich anhört, der oft zitierte Slogan „ohne Moos nix los“ trifft in der Zweiten Liga Pro im Frauen-Volleyball genauso zu wie in der Champions League im Fußball.

Fünf Heimspiele in 22 Tagen, und jedes mal vor ausverkauften Rängen? Hört sich an wie die Quadratur des Kreises. Als sich der kleine TSV Flacht seinerzeit um eine Wildcard für die Zweite Liga Pro beworben hatte, roch das auch ein wenig nach Utopie à la Jules Verne – vor kniffeligen Aufgaben jedenfalls schrecken die Blaubären nicht zurück.

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