Vollsperrung der A 81 bei Böblingen Dem Elefantenbrückle geht es an den Kragen

Obwohl es „Elefantenbrückle“ heißt, fährt der Bus von dort nicht nach Rüsselsheim, sondern nach Sindelfingen. Foto: /Thomas Bischof

Am ersten Adventswochenende wird die A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen voll gesperrt. Das Elefantenbrückle wird teilweise abgerissen, die sagenumwobene Verbindung zwischen beiden Städten.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Zum dritten Mal wird die Verbindung zwischen Böblingen und Sindelfingen am Goldberg umgebaut. Was 1877 als schmales Elefantenbrückle über die Bahnlinie begann, wurde von 1988 an zur stattlichen Elefantenbrücke über die Autobahn und die Gleise. Am ersten Adventswochenende wird der Brückenteil, der über die Autobahn führt, nun abgerissen und damit die Verbindung zwischen Sindelfingen und Böblingen am Goldberg gekappt. An diesem Wochenende vom 30. November bis zum 1. Dezember muss die Autobahn voll dafür gesperrt und der Verkehr auf Umwegen durch Sindelfingen geleitet werden.

 

Zunächst über die Fußgängerbrücke

Doch hat die Deges, die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs und -bau Gesellschaft, einen ziemlich ausgefuchsten Plan erstellt, wie die Sindelfinger dennoch zur S-Bahn-Haltestelle Goldberg gelangen können. Wie Pia Verheyen, Pressesprecherin der Deges, berichtet, wird unmittelbar nach dem Abriss eine behelfsmäßige Fußgänger- und Radbrücke über die Autobahn gelegt. Etwa eine Woche braucht es, bis die Anschlüsse erstellt sind und die Fußgänger den Steg benutzen können.

Länger wird es dauern, bis die Bushaltestelle auf der Elefantenbrücke wieder uneingeschränkt nutzbar ist, denn dazu braucht es eine weitere behelfsmäßige Brücke. Sie ist voraussichtlich im Juli 2025 fertig. Die Brücke soll solange in Betrieb sein, bis der Deckel über die Autobahn zwischen Sindelfingen und Böblingen errichtet ist, der dann die Bushaltestelle tragen soll. In dieser Zeit müssen die Busse und die Fahrgäste ein paar Umwege zur S-Bahn-Haltestelle in Kauf nehmen.

Das alte Brückle wog 20 Tonnen

Nach Angaben des Stadtarchivs Sindelfingen, das sich wiederum auf die Sindelfinger Zeitung beruft, wurde das Elefantenbrückle 1877 gebaut, damals eine reine Stahlkonstruktion, die auf zwei mächtigen Betonfundamenten lag. Als das Brückle am 29. April 1988 abgerissen wurde, musste ein 160 Tonnen schwerer Kran die etwa 20 Tonnen schwere Stahlkonstruktion herausheben, etwa einen Monat später waren dann auch die Betonfundamente weg.

Aus dem alten Brückle war von 1988 an eine richtige Brücke geworden. Foto: Archiv

Schon damals, im Jahr 1988, hatte die Sindelfinger wie die Böblinger Zeitung genussvoll jene Legende beschrieben, die dem Elefantenbrückle seinen Namen verliehen hatte. Weil damals der Sportplatz an den Bahngleisen gelegen habe und das Brückle die einzige Verbindung zwischen Sindelfingen und Böblingen gewesen sei, seien damals Fußballfans wie Fußballer über das Brückle zu den Sportplätzen gegangen. Da ja nun meist eine Mannschaft verlieren musste, seien die jeweiligen Verlierer mit einer Mimik über die Brücke gezogen, die man im Schwäbischen als „dr Riasl nahanga“ beschreibt, auf Hochdeutsch „den Rüssel herunterhängen“, im Schwäbischen ein Ausdruck tiefster Depression. Um das zu begreifen, muss man wissen, dass der „Riasl“, also „der Rüssel“ im Schwäbischen, ein Wort für die menschliche Nase ist. Und die ganze Metapher also nichts anderes besagt, als dass man gesenkten Hauptes die Bahngleise überquerte. Spätere Veröffentlichungen sprachen noch zusätzlich von gelegentlichen Schlägereien, die dann für noch tiefer hängende Rüssel gesorgt hätten.

Eine weniger appetitliche Geschichte ist auch in Umlauf. Und zwar hätten die Schlachtenbummler beider Städte nach reichlichem Biergenuss ihre Notdurft auf der Brücke zu verrichten gepflegt, was ebenfalls rüsselähnliche Körperteile zum Vorschein gebracht haben soll.

Damals überspannte das Elefantenbrückle lediglich die Bahnlinie. Foto: Archiv

Wie auch immer – vom Rüssel bis zum Elefanten war es nicht weit, weil außerhalb des schwäbischen Sprachraums natürlich nur der Elefant das einzige lebende Rüsseltier ist.

Schläge und hängende Rüssel

Damit ist die Metaphorik über die Verbindung zwischen Sindelfingen und Böblingen auch schon beendet und den jeweiligen Städten ist es erspart geblieben, dass sie vom jeweiligen Nachbarn als „Rüsselsheim“ tituliert wurden.

Eine Mammutaufgabe ist es dagegen schon, die Verbreiterung der A 81 durchzuziehen, die zur Folge hat, dass alle Brücken zwischen Sindelfingen und Böblingen abgerissen werden müssen. Die Verbreiterung der Autobahn auf insgesamt sechs Spuren verschlingt 490 Millionen Euro und soll nach aktuellem Stand im Jahr 2027 fertig gestellt werden, der Baubeginn war 2021.

Eine Brücke zur S-Bahn und zum Böblinger Thermalbad

Anschlüsse
Nachdem Böblingen in das Stuttgarter S-Bahn-Netz eingegliedert worden war, beklagte 1986 der damalige Sindelfinger Bürgermeister Dieter Burger, dass es für die Sindelfinger extrem schwer sei, die Haltestelle Goldberg zu erreichen. Er forderte einen überdachten Steg, mit dem die Bürger die Autobahn überqueren könnten.

Brückenschlag
 Die Böblinger wiederum sahen in der neuen Elefantenbrücke eine bessere Anbindung Sindelfingens für das damals noch in Planung befindliche Thermalbad. Es wurde ein gemeinsames Gremium gebildet und die Kosten ermittelt. 2,1 Millionen Mark sollten sich die Böblinger und die Sindelfinger teilen, 4,2 Millionen Mark sollte das Land bezahlen; nach heutiger Währung also rund 3,2 Millionen Euro.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu A81 Böblingen Bauarbeiten