Vom BKA ins Rathaus Fast 60 Prozent haben „Yes, we can“ gesagt

Von Johanna Eberhardt 

Die Gemeinde Mauer aus dem Rhein–Neckar-Kreis hat am Wochenende mit John Ehret den ersten schwarzen Bürgermeister im Land gewählt.

Der neue Bürgermeister von Mauer: John Ehret Foto: Gemeinde Mauer
Der neue Bürgermeister von Mauer: John Ehret Foto: Gemeinde Mauer

Mauer - Als Fundort des berühmten „Homo Heidelbergensis“ ist die Gemeinde Mauer (Rhein-Neckar-Kreis) seit mehr als 100 Jahren weit über die Region hinaus bekannt. Jetzt sorgt der Ort mit 4000 Einwohnern erstmals auch politisch für Schlagzeilen: Mit 58,1 Prozent haben die Wahlberechtigten am Sonntag John Ehret zum neuen Bürgermeister gewählt. Der 40-Jährige war bisher Hauptkommissar beim Bundeskriminalamt – und er ist schwarz; am 1. Juni wird er sein Amt antreten und als erster dunkelhäutiger Bürgermeister Baden-Württembergs in die Geschichtsbücher eingehen.

„Ein Hauch von Obama weht durchs Mauerer Rathaus“, stellte eine Rundfunkreporterin am Tag nach der Wahl fest. Der letzte verbliebene Konkurrent in der Stichwahl, der Mauerer Kämmerer Hagen Zuber, der im ersten Wahlgang noch mit 32 Stimmen knapp vorn gelegen hatte, musste sich am Ende mit 41,9 Prozent begnügen. Dass er gewonnen habe, „das war fast schon eine Sensation, auch für mich“, sagte Ehret. „Es war mir klar, dass es eng wird, ich habe gemerkt, dass ihm die Sympathien zufliegen“, gestand Zuber.

Das künftige parteilose Ortsoberhaupt, das viele an den US-Präsidenten Obama erinnert, hat die Wähler im Sturm erobert; die Wahlbeteiligung erreichte beachtliche 77,7 Prozent. Dabei hatte er seine Bewerbung als letzter von fünf Kandidaten abgegeben und auch nicht allzu viel Wahlkampf gemacht. „Ich glaube, er hat nur einen Prospekt gehabt, doch die Leute haben schon gejubelt, wenn er sie begrüßt hat – er ist einfach unwahrscheinlich charmant und liebenswert“, sagt Erick Mick, sein Vorvorgänger. Wie viele im Ort hat er Ehret schon als Kind gekannt. Sechs Jahre alt war der kleine Junge, der 1971 in Karlsruhe geboren wurde, als er, aus schwierigen Familienverhältnissen kommend, von der Familie Ehret in Mauer adoptiert wurde. Der Vater, der inzwischen lange tot ist, war für die SPD im Gemeinderat und hat sich selbst 1976 – vergebens – als Bürgermeister beworben. Der kleine John sei damals „eine Sensation gewesen“, erzählt Mick. „Er war das einzige schwarze Kind im Ort, er war gleich überall gern gesehen und hat sich als Jugendlicher vielfältig engagiert.“ 1992 machte Ehret in Heidelberg Abitur und leistete Zivildienst bei der evangelischen Stadtmission. Danach absolvierte er eine Ausbildung zum Diplomverwaltungswirt und Kriminalkommissar beim BKA. Dort arbeitete er in Wiesbaden, Berlin und Meckenheim „in unterschiedlichen Kriminalitätsbereichen“. Mehrfach war er im Ausland – unter anderem im Libanon, in Afghanistan und im ehemaligen Jugoslawien beim Aufbau der Polizei im Einsatz.

Mauer hat er im Hinterkopf behalten. „Das BKA bietet tolle Möglichkeiten, aber nach 20 Jahren ist es nicht verkehrt einmal etwas anderes zu machen“, sagt er. Er sei als Junge in dem Dorf gut aufgenommen worden. „Inzwischen habe ich viel erlebt, über wichtige Projekte mitentschieden, so dass ich glaube, das Rüstzeug zu haben, eine Gemeinde zu gestalten“. Seinen Kontrahenten, den Kämmerer, würde er gern behalten. Das hat er am Wahlabend angekündigt.