Zehn Jahre ist es her, da eröffnete das Café Bohème im Fluxus. Nun will man die alten Zeiten und vor allem diesen besonderen Ort zum runden Jubiläum wieder aufleben lassen. Laura Martin und ihr Bruder Jacques freuen sich auf ein fulminantes Fest.

Stadtkind: Tanja Simoncev (tan)

Ja, es passiert wirklich! Das Café Bohème kehrt – erstmal – für einen Tag zurück. Und das aus gutem Grund. Denn schließlich will das zehnjährige Jubiläum gefeiert werden. Laura Martin, die das Café im Fluxus mit ihrem Bruder Jacques ins Leben gerufen hat, wird ganz sentimental beim Gedanken daran.

 

Viel war improvisiert, alles kam von Herzen

Es sei ein wilder Ritt mit einem wilden Mix an Menschen gewesen, einem Team, das mit Herzblut bei der Sache war, dort zu arbeiten als Lifestyle verstanden hat – was gleichermaßen zum ungezwungenen Lebenswandel im Pariser Künstlermilieu des 19./20. Jahrhunderts, aber eben auch zum ehemaligen Café in der unvergessenen, temporären Concept Mall passt.

Laura wurde im Frühjahr diesen Jahres direkt nostalgisch beim Gedanken an das Jubiläum, hätte alle aus dem Team von damals kontaktiert, wer noch Fotos etc. habe. „Und das hat einen direkt zurückversetzt und emotional gemacht. Weil das Café Bohème einfach so besonders war, für mich und meinen Bruder persönlich, aber auch für die Stadt.“

Einfach mal machen und das Bohème war geboren

Doch wie wurde dieser Kultort überhaupt geboren, wie waren die Anfänge des Bohème im Fluxus? Und da wären wir auch schon beim Stichwort. Der Kontakt von Hannes Steim, der das Fluxus betrieben hatte, fiel Laura in die Hände, plötzlich stand sie mit ihrem Bruder in einem riesigen, leeren Raum und die beiden mussten ihre Fantasie spielen lassen. „Aber gut, Jacques und ich waren sowieso immer so drauf: Und wenn wir uns eine Garage anmieten und uns da eine Kaffeemaschine reinstellen – Hauptsache wir machen mal was.“

Dann sei man in diesem „Einfach mal machen“-Rausch gewesen und über Kontakte an eine Bartheke, die Kaffeemaschine und über Ecken an einen Geschirrspüler gekommen und den Rest habe man sich auf (Ebay)-Kleinanzeigen zusammengesammelt. „Es gab keinen Namen, kein Konzept – minimaler Aufwand, Netzwerk angezapft und los ging’s.“

Einen Ort der Begegnung schaffen

Denn der Kern des Ganzen bzw. warum sich Laura überhaupt so für die Gastronomie erwärmen konnte, sei eben vor allem auch diese Motivation, einen besonderen Ort zu schaffen – „ich sehe es auch als gesellschaftlichen Auftrag, weil es diese Orte braucht, wo Menschen zusammenkommen.“ Das sei damals auch der Ansporn gewesen, sich das erste Mal selbstständig zu machen, in einem Rahmen, in dem alles möglich war.

Und was bis Ende 2015 folgte, nach Verlängerung und dem (eigentlichen) Ende der Mall vor Augen, waren unzählige Events, legendäre Abende, aber eben auch „Sodom und Gomorra“. „Unser Team war großartig, aber eben auch sehr wild.“

Man hätte irgendwann die Zügel anziehen müssen, aber das wollten die Geschwister nicht. Also war klar: Es wird enden. „Wir haben so viel da reingepackt und dann dachten wir uns: Was soll da jetzt noch kommen? Lass uns lieber diese Erfahrung mitnehmen und konservieren.“

Bohème, Tiffin, Breitscheid Stüble

Und von dieser Gastro-Erfahrung hat sich bei der 37-jährigen Stuttgarterin mittlerweile einiges angesammelt – im Bohème natürlich, dazwischen im eigenen Lunch-Laden Tiffin und zuletzt vor allem auch in Frühstückscafés wie dem Lumen und der Volpe – bis es sie 2024 wieder zurück in die Hotellerie zog. „Ich habe ja ursprünglich Hotelfach gelernt.“

Und diese Gedanken, die man sich über die eigene berufliche Zukunft macht und sich fragt: „Was will ich eigentlich?“, „Was macht mir am meisten Spaß?“, „Wo sehe ich mich?“ etc. – die kennt auch Laura allzu gut. „Und meine Antwort lautet gerade wieder mehr denn je: in der Selbstständigkeit. Ich will den Ort selbst erschaffen, an dem ich arbeiten möchte, mit den Menschen, mit denen ich arbeiten möchte.“

Klar, dass mit diesem Bewusstsein und Drive das Bohème-Jubiläum nicht untergehen kann, darf und soll. „Mir war gleich klar: Das müssen wir feiern, weil die Zeit damals so besonders war!“ Jacques sei direkt auch Feuer und Flamme gewesen und weil er mittlerweile Betriebsleiter im Breitscheid Stüble ist, war auch der Ort für die Jubiläumsfeier schnell gefunden.

„Im ersten Moment dachte ich: Okay, das Breitscheid Stüble ist eine VfB-Raucher-Kneipe, aber es ist machbar.“ Schnell stand auch im Raum, das Ganze wiederkehrend zu veranstalten. Laura will aber erst einmal den Freitag abwarten. Und da wird dann fulminant gefeiert, mindestens so wild wie damals im Fluxus.

Jubiläumsparty Café Bohème, Breitscheidstüble, Breitscheidstr. 49, Stuttgart-West, ab 14 Uhr