Vom Garagentüftler zum Porsche-Partner Kroatiens nimmermüder Daniel Düsentrieb

Der kroatische Unternehmer Mate Rimac (33) hat eine große Leidenschaft für schnelle Autos. Foto: imago images/Pixsell/Luka Stanzl/PIXSELL via www.imago-images.de

Vom Autotüftler zum Porsche-Partner: Der Elektromotor-Pionier Mate Rimac verblüfft die Fachwelt – und seine Landsleute.

Korrespondenten: Thomas Roser (tro)

Belgrad/Zagreb - Manchmal scheint Kroatiens mittlerweile 33-jähriges Wunderkind den eigenen Erfolg noch immer nicht ganz fassen zu können. Als er 2009 in der heimischen Garage seine Firma Rimac Automobili gegründet habe, sei er „ein totaler Outsider“ ohne irgendwelche Kontakte in der Industrie gewesen, blickt Elektromotor-Pionier Mate Rimac selbst etwas ungläubig auf die Anfänge seiner Karriere zurück: „An der Universität sagten mir die Professoren noch vor zehn Jahren, dass es unmöglich sei, in Kroatien ein Automobil zu produzieren. Und sie hatten recht – es war unmöglich.“

 

Mate Rimac ist ein echter Auto-Narr

Doch mit seinem kreativen Tüfteldrang, Improvisationsvermögen und unbändiger Willenskraft hat der 1988 im bosnischen Livno geborene und in Frankfurt aufgewachsene Jungunternehmer ausgerechnet im Auto-Niemandsland Kroatien alle Gesetzmäßigkeiten der kapitalintensiven Branche außer Kraft gesetzt. „Alles ist unmöglich, solange es nicht jemand tut“, sagt der von dem serbisch-kroatischen Physiker-Legende Nikola Tesla inspirierte Erfinder: „Ich wollte zeigen, dass Elektroautos schneller sein können als konventionelle.“

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Schon mit 18 Jahren baute Auto-Narr Rimac in seinen betagten BMW E30 einen Elektromotor ein. Mittlerweile fertigt Kroatiens Daniel Düsentrieb im Zagreber Vorort Sveta Nedelja nicht nur die schnellsten Elektro-Supersportwagen der Welt. Seine derzeit 1100 Mitarbeiter zählende und schnell wachsende Rimac Group, an der Porsche mit 22 Prozent beteiligt ist, hat sich zum innovativen Entwicklungslabor im Dienst internationaler Automobilkonzerne für leistungsstarke Elektromotoren, Antriebssysteme und Batterien gemausert.

Auf dem Rimac-Campus sollen bald 2500 Menschen arbeiten

Spätestens seit der Übernahme von Bugatti im Juli gilt Rimac in der Automobilbranche als etablierte Kraft. Nach dem für 2023 geplanten Firmen-Umzug in den futuristischen, derzeit für 200 Millionen Euro vor den Toren Zagrebs aus dem Boden gestampften Rimac Campus soll sich die Belegschaft auf 2500 Beschäftigte vergrößern.

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Bisher hat Rimac nur knapp zwei Dutzend Prototypen seiner Elektro-Supersportwagen Concept One und den für eine limitierte Serienproduktion vorgesehenen Nevera produziert. Dennoch wird der nominelle, durch die Beteiligungen internationaler Konzerne stark gewachsene Wert der Rimac Group schon jetzt auf rund zwei Milliarden Dollar taxiert. „Jeden Cent“ davon habe er selbst geschaffen, versichert Mate Rimac.

Ein bodenständiger Macher

„Mate, ändere Dich nie“, forderte Porsche-Finanzchef Lutz Meschke den als „außergewöhnlichen Unternehmer“ gepriesenen Partner bei der Besiegelung des Rimac-Einstiegs bei Bugatti auf. Tatsächlich scheint sein Erfolg dem bodenständigen Schöpfer der schnellen Flüsterflitzer bisher kaum zu Kopf gestiegen. In einer Branche, in der Konzernchefs oft wie Halbgötter mit fürstlichem Hofstaat auftreten, fallen die entspannten und unkonventionellen Umgangsformen von Rimac ebenso angenehm auf wie seine transparente Informationspolitik.

Er sei „nicht materialistisch“, so das für ein Konzernchef eher unübliche Bekenntnis. Nicht nur mit vegetarischen Speisekarten in der Betriebskantine und hundefreundlichen Großraumbüros, in denen den Mitarbeitern die Mitnahme des eigenen Vierbeiners ausdrücklich erlaubt ist, verblüfft Rimac seine Geschäftspartner – und Landsleute. So kündigte der legere Bartträger krawattenlos, aber in Tennisschuhen und ohne Socken gemeinsam mit den Porsche-Chefs im Sommer seinen Einstieg bei Bugatti an.

Kommunikationsfreudiger Vegetarier

Ein verschrobener Technik-Nerd ist der kommunikationsfreudige Vegetarier aber keineswegs: Ironisch lässt sich der seit Juli verheiratete Rimac über die sozialen Medien selbst über die vegetarischen Würste in der VW-Kantine aus. Dennoch hat sich der ökologisch angehauchte Autonarr seine fast kindisch anmutende Freude an schnellen Flitzern bewahrt. Bevor er ein Exemplar des fast zwei Millionen Euro teuren Nevera im Crash-Test zerschellen lassen musste, jagte der Konzernchef den Nobelschlitten auf einer Abschiedsfahrt noch einmal persönlich über Stock, Stein und durch den Matsch.

Die positiven Effekte des Erfolgs von Rimac halten heimische Fachleute für enorm. So hat das Engagement in Kroatien Porsche zu einem Joint-Venture mit der Zagreber IT-Firma Infinum und nun zur mehrheitlichen Übernahme des von Rimac gegründeten E-Bike-Produzenten Greyp veranlasst. Dank Rimac werde Kroatien auch als das Land eines „positiven Investitionsklimas und der Innovation“ wahrgenommen, freut sich der Marketing-Experte Petar Tanta.

Nur noch zu 35 Prozent am eigenen Konzern beteiligt

Mithilfe des Einstiegs ausländischer Konzerne hat Rimac den Ausbau seines Konzerns finanziert, an dem er nur noch zu 35 Prozent beteiligt ist. Doch ob die Entwicklung neuer Elektro-Bugatti oder das mit Kia verfolgte Projekt eines neuen Systems von fahrerlosen, selbstfahrenden Robo-Taxis für Zagreb: Dem kreativen Schaffensdrang von Rimac scheinen keine Grenzen gesetzt.

Mit dem Aufstieg seines Konzerns sieht sich der gefeierte Modellunternehmer indes auch mit kritischen Tönen und Fragen konfrontiert, die er aber meist sofort und sehr ausführlich beantwortet – wie zur EU-Förderung und Verzögerung von von Projekten . Und Rimac kündigte an: „Wenn wir damit den Staat irgendwie geschädigt haben sollten, werden wir jede Kuna zurückzahlen.“

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