Lisa Purtscher und Lotta Schmelzer haben in Ludwigsburg ihre eigene Produktionsfirma gegründet – und feiern mit ihrem Debütfilm „Babystar“ Erfolge auf internationalem Parkett.
Als Lisa Purtscher und Lotta Schmelzer vor zwei Jahren ihre Produktionsfirma „LiseLotte“ gegründet haben, war das ein Sprung ins kalte Wasser. Beide haben Produktion an der Filmakademie in Ludwigsburg studiert und teilten schon lange den Wunsch, einmal eigene Projekte auf die Beine zu stellen.
„Wir haben das anfangs gar nicht ausgesprochen“, erzählt Schmelzer. „Aber irgendwann war klar: Wenn, dann machen wir das zusammen.“ Mit ihrem Debütfilm „Babystar“ wagten die 29-Jährigen den Schritt – als frisch gebackene Gründerinnen und Produzentinnen. In einem männerdominierten Business, ist das eine Herausforderung und ein wichtiges Zeichen.
Junge Gründerinnen übernehmen Produktion des Abschlussfilms
„Babystar“ ist nicht nur die Abschlussarbeit von Purtscher und Schmelzer, sondern von mehreren Studierender – vom Regisseur, über Tontechniker und Kameraleute. Produziert werden diese Abschlussfilme normalerweise von etablierten Produktionsfirmen, erklärt Purtscher. Im Fall von „Babystar“ hat diese entscheidende Aufgabe jedoch die neu gegründete „LiseLotte“ übernommen. „Wir sind sehr dankbar, welches Vertrauen alle Beteiligten in uns gesteckt haben.“
Lisa Purtscher stammt aus Wien, Lotta Schmelzer aus München. Dass sie mit ihrer Produktionsfirma in Ludwigsburg bleiben wollen, sei beiden klar gewesen. „Wir schöpfen aus dem Netzwerk der Filmakademie“, so Purtscher. „Wir wollen gemeinsam mit den jungen Talenten wachsen.“ Auch die Zusammenarbeit mit der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, wollen die beiden nicht missen. „Wir möchten den Standort Ludwigsburg weiter repräsentieren“, ergänzt Schmelzer.
„Babystar“ begeistert beim Toronto International Film Festival
Ihr Film Babystar feierte seine Weltpremiere beim renommierten Toronto International Film Festival. „Wir haben einfach eingereicht und gehofft, dass jemand den Film entdeckt“, erinnert sich Purtscher. „Dass wir dann tatsächlich eingeladen wurden, war eine große Überraschung.“ Drei ausverkaufte Screenings später stand fest: Das Publikum wollte mehr. „Es war schön zu sehen, dass es noch immer viele Menschen gibt, die ins Kino gehen und sich wirklich für den Entstehungsprozess interessieren.“
Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die in eine Social-Media-Familie hineingewachsen ist – und stellt Fragen nach Selbstbild, Werten und Identität. Das Duo wolle gesellschaftskritische Themen ansprechen. „Uns ist wichtig, dass die Leute nach dem Film ins Gespräch kommen“, sagt Schmelzer. „Und dass weibliche Perspektiven sichtbar werden.“ Im nächsten Jahr, drehen die beiden wieder einen Debütfilm mit der Filmakademie. „Das Thema ist sehr ansprechend und könnte sowohl Menschen Mitte 20, als auch eine ältere Zielgruppe ansprechen“, berichtet Purtscher.
Herausforderungen bei Finanzierung und fairer Bezahlung in der Filmbranche
Trotz der Erfolge bleibt der Alltag herausfordernd. „Die Finanzierung ist im Debütbereich extrem schwierig“, sagt Putscher. „Die Fördergelder werden kleiner, während das Leben teurer wird. Gerade in der Kultur wird oft zuerst gekürzt.“ Auch faire Bezahlung bleibt ein Thema, besonders in kleinen Produktionen. „Wir versuchen, das so gut wie möglich umzusetzen, wissen aber, dass da noch Luft nach oben ist.“
Ein weiteres Anliegen ist die Gleichstellung. „Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft, und das spiegelt sich auch in der Filmbranche wider“, sagt Purtscher. „Oft haben wir als weibliche Produzentinnen das Gefühl, mehr hinterfragt zu werden als unsere männlichen Kollegen – aber das ist ein gesellschaftliches Problem, kein Branchenproblem.“ Ihr Wunsch: „Mehr Frauen in Machtpositionen, mehr Gleichberechtigung auf Augenhöhe.“
Trotz mancher Hürden blicken die beiden optimistisch in die Zukunft. Sie wollen wachsen, vielleicht eines Tages einen zweiten Standort in Wien eröffnen, internationale Koproduktionen umsetzen und neue Netzwerke aufbauen. Und was ist ihr größter Traum? Lisa Purtscher lächelt: „Ein Film, der es in die Kinos schafft – und viele Menschen bewegt. Dafür machen wir das alles.“
Der Film „Babystar“ wird am 4. Dezember um 18 Uhr auf der Filmschau Baden-Württemberg im EM2 in den Innenstadt-Kinos in Stuttgart gezeigt. Spätestens im Sommer 2026 soll der Film im ZDF laufen.