Von der Evangelischen Akademie in die Gemeinde Zurück an der kirchlichen Basis

Kathinka Kaden Foto:  
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Von Altkanzler Helmut Schröder bis Egon Bahr hat die ehemalige Studienleiterin Kathinka Kaden an der Evangelischen Akademie viele Prominente aus Politik und Gesellschaft zum Gespräch gebeten. Jetzt geht sie zurück an die Basis.

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Bad Boll/Donzdorf - Die Zeichen stehen auf Aufbruch. Das Büro von Kathinka Kaden in der Evangelischen Akademie in Bad Boll ist fast schon leer geräumt, und eigentlich hat sie ihre neue Stelle als Gemeindepfarrerin in Donzdorf schon angetreten. Doch noch ist in Bad Boll kein Nachfolger für sie gefunden. „Drei Tagungen, die ich bereits im Frühjahr vorbereitet habe, halte ich noch ab, dann ist Schluss“, sagt sie.

Prominente Gesprächspartner von Eppler bis Bahr

Der Kontrast könnte größer nicht sein. In den vergangenen acht Jahren hat Kaden als Studienleiterin Politgrößen wie Altbundeskanzler Gerhard Schröder, das SPD-Urgestein Erhard Eppler, Hans-Jochen Vogel oder Egon Bahr als Referenten in der Akademie empfangen. Die Tagung „Russland und Deutschland“, die die demokratischen Bestrebungen in Russland stärken sollte, weckte sogar das Interesse des Fernsehens. Jetzt ist sie zurück an der Basis. Als Gemeindepfarrerin kümmert sie sich um die Sorgen und Nöte der Menschen – wie sie es vor ihrer Zeit als Studienleiterin bereits auf der Ostalb getan hat.

Ein bezauberndes Kind im Religionsunterricht

Sie selbst empfindet den Unterschied zwischen der Tagungsarbeit und ihrer Tätigkeit in der Kirchengemeinde als nicht so gravierend, und wer sie über ihre neue Aufgabe reden hört, weiß, dass sie schon angekommen ist. Sie erzählt von einem Mädchen, das im Religionsunterricht seine Zauberkünste zeigen wollte. Als sie fragte, wieso es das gerade im Religionsunterricht tun wolle, erklärte ihr das Kind, Gott habe schließlich auch gezaubert. „Das war bezaubernd“, sagt die Pfarrerin lächelnd.

Interesse für gesellschaftliche Brennpunkte

Vielleicht hat Kathinka Kaden die Bodenhaftung nie verloren, weil ihr Blick auf die Gesellschaft in der Akademie immer auch ein Blick von unten war. Die gesellschaftlichen Brennpunkte standen im Fokus ihres Interesses. In Zusammenarbeit mit den deutschen Juristenverbänden und Schöffenvereinigungen richtete sie ihr Augenmerk gleichermaßen auf Opfer und Täter. Beiden soll Gerechtigkeit widerfahren. Auf ihren Tagungen wollte sie es den Teilnehmern beispielsweise ermöglichen, „hinter Ungerechtigkeiten zu schauen und wieder gnädiger zu werden“, vor allem in der Beurteilung von Menschen, die straffällig geworden sind. „Es gibt auch Fehlurteile“, sagt die Theologin.

Von Menschenhandel über Schrottimmobilien bis Tierschutz

Doch damit ist der Themenkatalog, den sie in den vergangenen acht Jahren beackert hat, längst nicht erschöpft: Kaden beschäftigte sich auch mit Arbeitsausbeutung in Europa, dem Adoptionsrecht, mit Menschenhandel und Tierschutz, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Tagung über sogenannte Schrottimmobilien. Das sind Immobilien, die gutgläubige Menschen für viel Geld erwerben und die so marode sind, dass sie überhaupt nicht vermietet werden können. „Durch den Kauf solcher Immobilien haben sich unglaublich viele Leute ruiniert, oft mit katastrophalen Folgen. Viele begehen Suizid, andere werden krank oder lassen sich scheiden“, berichtet die Pfarrerin.

Versonnen blickt Kathinka Kaden auf die Wand neben ihrem Schreibtisch. Dort hat sie die Flyer von vielen Tagungen aufgehängt, die sie als Studienleiterin abgehalten hat. Jährlich bereitete sie zehn bis zwölf Tagungen mit 20, 30 Referenten vor. „Die Zeit in der Akademie, das waren acht Jahre Bildung“, zieht die 51-Jährige Bilanz. Sie habe es genossen, Zeit zu haben, um „den Dingen nach zu denken“. Glücklicherweise habe ihr Mann ihr den Rücken freigehalten und sei zu Hause geblieben.

Jetzt wieder Mittelpunkt einer Gemeinde

Doch jetzt freue sie sich, wieder Mittelpunkt einer Gemeinde zu sein. Donzdorf ist ihr noch aus Jugendtagen vertraut. Damals hat sie im gräflichen Gestüt das Reiten gelernt, erzählt die Pferdenärrin, die in Göppingen und Umgebung groß geworden ist. Glücklich ist die Mutter einer 18-jährigen Tochter und eines 15-jährigen Sohnes auch, dass ihr Wirkungsfeld nun wieder näher an der Familie ist. Allerdings sei die Tochter mittlerweile flügge geworden. „Sie ist nicht mehr mit uns nach Donzdorf gezogen.“




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