Von der Freiheit eines Christenmenschen Luther lesen lohnt sich

Von Heidemarie A. Hechtel 

Nur das Wort Gottes gibt die Freiheit. Beim Auftakt zur Aktion Baden-Württemberg liest Luther mit seiner Schrift von der Freiheit des Christenmenschen kamen die Veranstalter zur Erkenntnis: Luther lesen lohnt sich auch heute noch.

Luthers  Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“   ist bis heute aktuell. Das wurde im Hospitalhof deutlich. Foto: dpa-Zentralbild
Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ ist bis heute aktuell. Das wurde im Hospitalhof deutlich. Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - Martin Luther zu lesen lohnt sich, heißt die Parole, die von den Evangelischen Landeskirchen Württemberg und Baden zum Luther-Jahr 2017 ausgegeben wurde. Und die Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, die der Reformator 1520 verfasst hatte, drei Jahre, nachdem er die 95 Thesen an die Türe der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen hatte, lohne die eingehende und gründliche Lektüre ganz besonders. Dafür weiß Pfarrerin Christiane Kohler-Weiß, Beauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg für das Reformationsjubiläum, drei gute Gründe zu nennen: „Freiheit ist eine Grundsehnsucht des Menschen, das Thema geht daher jeden Menschen an“, sagt sie bei der Auftaktveranstaltung der Aktion „Baden-Württemberg liest Luther“ im Hospitalhof. Die Beschäftigung mit Luthers Freiheitsschrift könne deshalb für jeden Menschen zum persönlichen Gewinn werden.

Hohe Relevanz für gesellschaftlichen Diskurs

Zum zweiten sei das Thema von hoher Relevanz für den gegenwärtigen gesellschaftliche Diskurs: „Freiheit ist einer der höchsten Werte unserer Gesellschaft, als Identitätsmerkmal der westlichen Moderne ebenso wie auch grundlegend für das Selbstverständnis des Christentums“, so die promovierte Theologin. Und drittens eigne sich die Schrift besonders für das ökumenische Gespräch, weil sie ein Verständigungsversuch Luthers mit dem Papst war. „Sie reißt nicht so garstig und konfrontativ Gräben auf und baut Brücken zum Papst“, ist Christiane Kohler-Weiss überzeugt.

Die Idee für die Aktion, sagt die Pfarrerin, sei ihr in der Stadtbahn gekommen, wo regelmäßig Gedichte abgedruckt sind, die Fahrgäste zum Lesen animieren und für Lyrik erwärmen wollen. Sie habe in der Landeskirche sehr schnell Verbündete dafür gefunden, denn das Thema Freiheit liege allen Menschen am Herzen und sei besser zu vermitteln als die Lutherschen Thesen.

Luthers Freiheitsbegriff ist mit dem heutigen nicht identisch

Aber man müsse unterscheiden zwischen äußerer und innerer Freiheit: „Wir haben heute ein Übermaß an äußerer Freiheit“, so die Pfarrerin. Luthers Verständnis von christlicher Freiheit sei jedoch mit unserem Freiheitsbegriff nicht identisch. Er verstehe die Freiheit als innere Freiheit des Glaubens, frei von Sünde und Angst und frei zur Übernahme von Verantwortung: „Daher führt kein Weg von der äußeren zur inneren Freiheit, die allein das Wort Gottes gibt.“

Kohler-Weiss verschweigt nicht, dass scheinbare Widersprüche und der apodiktisch vorgebrachte absolute Anspruch die Lektüre erschweren können. Ein Schauspieler, der den Text vortragen sollte, habe ihn spontan fundamentalistisch genannt. Die Theologin hofft umso mehr, dass sich aus der Lektüre ein gesellschaftlicher Diskurs ergibt, denn „es gibt viele Entdeckungen zu machen“. Um das Verständnis zu erleichtern, hat sie die Schrift in Auszügen in „barrierefreier Sprache“ (Kohler-Weiss) herausgegeben. Dafür haben Anne Gidion und Jochen Arnold die kunstvolle Sprache Martin Luthers heruntergebrochen: Auf kurze Sätze mit Subjekt, Prädikat, Objekt, Punkt. In der Hoffnung, dass es viele Leser lohnen.

Die Broschüre ist im Hospitalhof (Büchsenstraße 33, 70174 Stuttgart) erhältlich. Genau wie das Programm der vielfältigen Veranstaltungen zum Lutherjahr.

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