Von der Schweiz bis nach Stuttgart Könnte die Gäubahn doch in Renningen halten?

Auf der Gäubahn-Strecke zwischen Singen und Stuttgart fährt der Intercity als Doppelstockzug. Ob er während der Baustellenzeit auch in Renningen hält? Foto: Archiv

Der FDP-Landtagsabgeordnete Hans Dieter Scheerer plädiert für den Übergang weiterhin für diese spezielle Variante. Die Bahn argumentiert dagegen.

Mit dem Ausbau der Gäubahn soll die Fahrzeit zwischen der Grenze zur Schweiz und Stuttgart deutlich verkürzt werden. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist der neue Pfaffensteigtunnel als schnelle Verbindung zwischen dem Flughafen und Böblingen/Sindelfingen. Während der Bauzeit – von 2025 bis voraussichtlich 2032 – ist eine direkte Anfahrt des Stuttgarter Hauptbahnhofs nicht mehr möglich. Wie dieser Übergang am besten zu gestalten ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

 

Unterschiedliche Varianten werden noch diskutiert. Unter anderem Hans Dieter Scheerer, FDP-Landtagsabgeordneter aus Weil der Stadt, setzt sich für eine Streckenführung über Renningen bis zum Hauptbahnhof ein. In einem unabhängigen Gutachten sieht er nun neue Hoffnung für diese Variante. Aus Sicht der Deutschen Bahn ist diese jedoch nicht sinnvoll. Dort befürwortet man weiterhin einen Endhalt in Vaihingen. Die Fahrt zum Hauptbahnhof wäre dann nur mit Umstieg möglich. Eine dritte mögliche Variante ist eine Streckenführung über Tübingen.

„Renningen bleib die einzige sinnvolle Streckenführung“

„Aus meiner Sicht ist und bleibt Renningen die einzige sinnvolle Streckenführung für die Gäubahn“, sagt Hans Dieter Scheerer. „Der ‚Endhalt‘, den sich die Deutsche Bahn in Stuttgart-Vaihingen wünscht, ist komplett impraktikabel für alle Reisenden und kann daher nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden.“ Der Deutschen Bahn hält er vor, dass deren Alternative lediglich die mit dem geringsten Aufwand wäre, „aber darum darf es uns ja nicht gehen“. In Renningen seien bereits ausreichend Gleise vorhanden, „dafür können auch kleine Verzögerungen im Fahrplan hingenommen werden“.

Aus Seiten der DB stellt sich das anders dar. Der Regionalbahnhof Stuttgart-Vaihingen sei als zeitweiser Verknüpfungspunkt für die Fern- und Regionalverkehrslinien der Gäubahn gut geeignet. „Das belegt eine Studie des Verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart (VWI) im Auftrag der Stuttgarter Straßenbahnen AG“, erklärt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. „Für viele Reisende ist es von Vorteil, dass sie bereits in Stuttgart-Vaihingen Anschluss an die S-Bahn und die Stadtbahn haben.“ Ziele in Stuttgart oder in der Region seien so deutlich schneller zu erreichen.

DB warnt vor Ausfällen bei der S-Bahn

Die DB äußert Verständnis für die Kritik von Gäubahn-Anrainern, dass der Stuttgarter Hauptbahnhof während der Bauzeit für den Pfaffensteigtunnel nicht mehr ohne Umstieg zu erreichen ist. Deshalb habe man „gerne die Idee des Interessenverbands Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn aufgegriffen und verschiedene Varianten für umsteigefreie Verbindungen zum künftigen Stuttgarter Hauptbahnhof untersucht“. Dazu gehört auch die Variante über die bestehenden Gleise der S 60 über Renningen.

Nach intensiver Abwägung und Diskussion sei aber deutlich geworden, dass alle Varianten längere Reisezeiten bedeuten als die nach Vaihingen und „mit teils gravierenden betrieblichen Nachteilen verbunden sind“, so die Sprecherin der Bahn. Ein weiteres Argument gegen die Renninger Variante: „Die Strecke ist von S-Bahn und Güterverkehr bereits stark ausgelastet. Und zwischen Stuttgart-Zuffenhausen und Stuttgart-Feuerbach muss höhengleich von der S-Bahn auf die Fernbahnstrecke gewechselt werden, was zahlreiche Auswirkungen auf andere Verkehre hätte.“ Konkret bedeutet das unter anderem Ausfälle bei sämtlichen S-Bahn-Linien auf der Strecke.

Vom Tisch ist die Variante deshalb aber nicht. Mittlerweile hat sich eine aus Sicht des FDP-Landtagsabgeordneten erfreuliche Entwicklung ergeben, für die er sich lange eingesetzt habe: „Nicht nur ist Renningen jetzt auch Teil der weiteren Gutachten, die der Interessenverband für die Gäubahn in Auftrag gegeben hat, sondern auch die Bundestagsabgeordneten aus den Anrainerregionen der Gäubahn um Ann-Veruschka Jurisch sehen Renningen als eine valide Option.“ Gleichzeitig habe auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Michael Theurer (FDP), die Machbarkeit der Strecke über Renningen bestätigt. „Ich bin jetzt gespannt, was die Gutachten ergeben und hoffe, dass dadurch auch von externen Experten die Vorteilhaftigkeit der Streckenführung über Renningen bestätigt wird.“

Weitere Themen