Von Dornwarzen bis Flachwarzen Warzen-Alarm: Leidenszeit für Kinderfüße – Was Eltern tun können

Wenn’s an den Fußballen wehtut, könnte eine Dornwarze die Ursache sein. Foto:  

Klingt wie ein harmloses Hautproblem, ist aber schmerzhaft: Der sechsjährige Johannes leidet an Dornwarzen. Ein Dermatologe klärt auf: von Vorbeugung bis Lasertherapie.

Familie/Bildung/Soziales: Mathias Bury (ury)

Der sechsjährige Johannes erlebt in diesen Wochen eine Leidenszeit. Der aktive Junge, der sehr gerne und viel Barfuß läuft, kämpft gegenwärtig gleich gegen mehrere Warzen an den Füßen. Drei Dornwarzen hat er an der einen, drei an der anderen Fußsohle. Die nach innen wachsende Hornhautwucherungen verursachen immer wieder empfindliche Schmerzen. Und sie verlangen ihm und seiner Mutter durch die nötige Behandlung viel Durchhaltevermögen ab.

 

Warzen kommen sehr häufig vor. Verursacht werden sie durch Viren, sogenannte Humane Papillomviren (HPV), die dort, wo die Haut vielleicht etwas trocken, porös oder ein bisschen verletzt ist, in winzige Risse eindringen können. Dann bilden sich an der Stelle in der obersten Hautschicht vermehrt Hornzellen, die von winzigen Blutgefäßen durchzogen sind, die an kleinen schwarzen Punkten erkennbar sind. Wenn auch noch das Immunsystem des Betroffenen beeinträchtigt ist, haben HP-Vieren besonders leichtes Spiel. „Bei Menschen, die HIV oder Leukämie haben, die nierentransplantiert und immunsupprimiert sind, treten Warzen noch sehr viel häufiger auf“, sagt Ralf Merkert, er ist Facharzt für Dermatologie in Stuttgart.

Warzen sind ansteckend, aber harmlos

Die schlechte Nachricht also: Warzen sind ansteckend. Die gute: Warzen sind in den allermeisten Fällen harmlos, man kann sich gut vor ihnen schützen.

Ansteckend sind Warzen auch nicht in jedem Fall, jedenfalls nicht durch einen einfachen Handschlag. Übertragen werden sie in aller Regel „durch den Kontakt mit abgelösten Hautschuppen“, die HP-Viren enthalten und die so in die rissige Haut eindringen. Das passiert dort, wo man oft Barfuß läuft, häufig im Schwimmbad oder in der Sauna. Ralf Merkert schätzt, dass „von 100 Leuten im Bad fünf Warzen am Fuß haben“. Deshalb rät der Hautarzt als einfaches Mittel der Vorbeugung, dass man solche Orte „nur mit Badeschuhen betritt, dass man nicht mit Hautschuppen in Kontakt kommt“. Und grundsätzlich ist Fußpflege mit einer Creme sinnvoll, dass „der Hautschutzmantel intakt ist“ und keine Risse entstehen.

Flachwarzen befallen vorwiegend junge Menschen

Der niedergelassene Arzt ist Chef des Hauttherapiezentrums Stuttgart und leitet das Lasertherapiezentrum im Krankenhaus Bad Cannstatt. Nach seiner Erfahrung „heilt etwa die Hälfte der Warzen von selbst wieder ab.“ Bei der harmlosesten Variante, der sogenannten Flachwarze (verrucae planae), ist dieser Anteil noch weitaus höher. Diese sehr flachen, glatten, hautfarbenen oder bräunlichen Knötchen, treten häufig in Gruppen auf. Ihre Besonderheit: Während Warzen sonst in allen Altersgruppen vorkommen, befallen juvenile Flachwarzen bevorzugt junge Menschen.

Ralf Merkert ist Dermatologe und Chef des Hauttherapiezentrums Stuttgart. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Anders als andere Warzen, die sich vor allem an Händen und Füßen bilden, besiedelt Verrucae planae juveniles immer wieder auch das Gesicht, wo sie sich durch Kratzen oder das Rasieren auch ausbreiten können. Hier sind es aber eher ästhetische Gründe, weshalb betroffene gegebenenfalls schnell Handeln und nicht warten wollen, bis sich die Warzen von selbst zurückgebildet haben. Denn man könne durchaus „ein halbes Jahr abwarten“, ist die Erfahrung des Facharztes. Erst nach dieser Zeit sei es „unwahrscheinlich, dass die Warze von selber weggeht“.

Die Dellwarze ist gar keine Warze

Beschwerden seien bei gewöhnlichen Warzen erst dann zu erwarten, wenn sie in der Nähe von Finger- oder Fußnägeln vorkommen. In diesem Fall sollte man zeitig handeln, erklärt der Hautarzt, weil die Warze, sollte sie sich unter einen Nagel vorarbeiten, zu ernsthaften Problemen führen kann. Im schlimmsten Fall müsse man „den Nagel ziehen“, sagt Ralf Merkert. Dagegen helfen frei in der Apotheke erhältliche Präparate, die Salicylsäure oder Milchsäure enthalten, die, wenn man sie aufträgt, die Haut aufweicht, sodass man das Gewebe abtragen kann.

An dieser Stelle muss man eine Warze nennen, die gar keine ist: die Dellwarze (mollusca contagiosa), die von anderen Viren verursacht wird und nur so heißt. Die Dellwarze bildet sich sehr häufig bei Kindern und selten bei Erwachsenen. Die harmlose Infektion, bei der sich kleine Knötchen bilden, die oft eine kleine Delle in der Mitte haben, kommt am ganzen Körper vor, mitunter auch im Gesicht. Hier ist Abwarten besonders wichtig. Nicht nur, dass diese Knötchen von selbst wieder verschwinden. Man darf sie auch gar nicht wie Warzen behandeln, etwa mit Salicylsäure. Sonst werden die Stellen „narbig“, warnt Hautarzt Merkert. Deshalb sei „Selbstheilung“ geboten. Sollte ein Kind aber stark unter seinen Dellwarzen leiden, solle man einen Arzt hinzuziehen.

Lasertherapie ist sehr wirkungsvoll

Eine andere Möglichkeit ist, echte Warzen zu vereisen mit flüssigem Stickstoff. Auch dafür gibt es Produkte in der Apotheke, die seien aber „nicht so effektiv wie beim Arzt“, weiß Dermatologe Merkert. Sehr wirkungsvoll ist eine Laserbehandlung, in Frage kommen CO2-Laser oder Erbium-Laser, die das Gewebe abtragen, oder ein sogenannter Farbstofflaser, der die Blutgefäße in der Warze verödet. Vor allem letztere Therapie ist aber sehr teuer und auch diese benötigt mehrere Sitzungen. Die gesetzliche Kasse bezahlt keine der Lasertherapien, sondern nur die Vereisung, auch diese muss mehrmals vorgenommen werden.

Schmerzhaft: Johannes hat drei Dornwarzen an einem Fuß. Foto: privat

Setzt man selbst Salicylsäure-Präparate ein, ist Sorgfalt wichtig. Besonders bei Dornwarzen, der schwierigsten Warzenform, die üblicherweise an Zehenballen und an der Ferse vorkommt. Dabei handelt es sich um eine gewöhnliche Art, nur wächst diese nach innen, weil sie an den Druckstellen an der Fußsohle nicht anders kann. „Dornwarzen können einen Zentimeter tief gehen“, sagt Ralf Merkert. Dann verursachen sie oft empfindliche Schmerzen. Hier sei es „sinnvoll, das vom Arzt behandeln zu lassen“, erklärt der Dermatologe. Schon weil die Gefahr bestehe, dass es wegen der starken Beschwerden zu Fehlbelastungen beim Gehen kommen kann. Merkert: „Das geht dann auf die Knie oder auf die Hüfte.“

Mutter und Sohn sind Wochen beschäftigt

Wer sich dennoch dafür entscheidet, tiefe Dornwarzen selbst zu behandeln, dem rät der Hautarzt: den Bereich stets gut desinfizieren, Handschuhe tragen, keinesfalls so tief vordringen, dass es blutet, sonst ist die Ansteckungsgefahr groß. Und man braucht Geduld.

Die Mutter des sechsjährige Johannes kann ein Lied davon singen: „In der Apotheke wurde uns empfohlen, die Warzen ein- bis zweimal täglich mit Salicylsäure zu bestreichen.“ Das sei langwierig, aber effektiv. Was Mutter und Sohn aber nicht wussten: Bei der Behandlung bleiben Schmerzen nicht aus. Mit der Zeit beginne die behandelte Haut zu brennen. „Wir versuchen daher, das Ganze immer in die Abendstunden zu verlegen, wenn Johannes ohnehin nicht mehr viel auf den Beinen ist.“

Klares Kriterium, wann Dornwarzen beseitigt sind

Morgens vor der Schule oder beim Fußballtraining versucht die Familie mit gepolsterten Blasenpflastern den Schmerz beim Auftreten zu mindern. Gerade in den engen Fußballschuhen würde Johannes sonst mehr humpeln als laufen. „Doch so klappt es ganz gut“, erklärt die Mutter zuversichtlich. „Vier Wochen sind jetzt rum, zwei der sechs Warzen haben wir eliminiert.“

Bliebe die Frage, wann Dornwarzen als beseitigt gelten können und man nicht verfrüht mit der Therapie aufhört. Dermatologe Ralf Merkert liefert ein klares Kriterium: Weg seien die Dornwarzen, „wenn man nichts mehr sieht“ und die Papillarleisten, die man an den Innenseiten von Händen und Füßen hat, „wieder intakt sind“.

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