Geldspenden statt Weihnachtsgeschenke
Seit Januar bringt sie ihr Wissen in Sri Lanka, im Ort Beruwala an der Süd-Westküste des Landes, ein. Der Göppinger Verein „Friends Kinderhilfe International“ betreibt dort ein Zentrum für Kinder mit geistiger und teils auch körperlicher Behinderung. Den Verein haben die Schleichers in früheren Jahren schon mit Spenden unterstützt – sie baten ihre Patienten, an Weihnachten lieber Geld für den Verein mit seinen vielfältigen sozialen Projekten in Sri Lanka zu spenden, anstatt ihnen Geschenke wie Pralinen oder Wein zu bringen.
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Dass die Ergotherapeutin jetzt für einen mehr als zweimonatigen ehrenamtlichen Einsatz um die halbe Welt geflogen ist, war eine Herzensentscheidung, die so zunächst nicht geplant war: „Ich habe gespürt, das war in meinem Leben noch nicht alles, ich muss noch was anderes machen“, erzählt sie. Im Internet recherchierte sie, welche Möglichkeiten es gibt. Schnell war klar, dass sie ihre beruflichen Kenntnisse mit einbringen wollte – und, dass es mit einem zweiwöchigen Einsatz nicht getan wäre, sondern eher acht bis zwölf Wochen veranschlagt werden sollten. „Das haben wir dann erst mal in der Familie besprechen müssen“, sagt sie und lacht.
Die Familie reiste erst mal mit
Dass ihr Mann und ihre drei Söhne im Alter von neun, zwölf und 13 Jahren mitmachten und dass ihre Abwesenheit dank des Einsatzes ihrer Eltern und Schwiegereltern, aber auch der Mitarbeiter in der Praxis aufgefangen wurde, macht sie sehr dankbar. Bevor ihre Arbeit im „Pearl Child Guidance Center“ in Beruwala begann, bereiste sie zusammen mit ihrer Familie in den Weihnachtsferien das Land. Es sei toll gewesen, Sri Lanka, die Leute und den Buddhismus auf diese Weise schon einmal kennenlernen zu können, erzählt Angela Schleicher.
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Als ihre Familie Anfang Januar nach Hause flog und ihr Einsatz begann, wurde ihr erst bewusst, was für einen großen Schritt sie da gemacht hatte, erzählt die 43-Jährige. Auch wenn sie es durch ihre langjährige Berufserfahrung gewohnt ist, professionelle Distanz zu wahren, sei es am Anfang hart gewesen: „Man sieht die Kinder und denkt sich schon, wie es gewesen wäre, wenn sie in Deutschland geboren worden wären.“ Weder gebe es in Sri Lanka eine vergleichbare medizinische Versorgung noch würden die Familien dort gut unterstützt und die Kinder von Anfang an richtig gefördert.
Therapeuten sind in Sri Lanka rar
„Dort gibt es so gut wie keine Therapeuten, auch gibt es keine Ausbildung für Therapieberufe“, erzählt sie. Familien mit einem behinderten Kind lebten am Rand der Gesellschaft, eine staatliche Hilfe gebe es nicht und ohne das Zentrum des Vereins wären die Kinder tagein, tagaus zu Hause, ohne gefördert zu werden. Im „Pearl Child Guidance Center“ bekommen sie Einzeltherapie, es gibt eine Tagesbetreuung und Beschäftigungstherapie, Workshops zur Erlangung handwerklicher Fertigkeiten und eine schulische Ausbildung sowie psychologische Unterstützung für die Familien. Rund 25 Kinder kommen pro Tag ins Zentrum, insgesamt werden derzeit 87 Kinder betreut, sagt sie. Seit der Einrichtung des Zentrums 2017 seien insgesamt 141 Kinder betreut worden.
Und wie gelingt die Arbeit mit Kindern und Familien, mit denen man sich zum Großteil nicht verständigen kann? Englisch kann nur ein Teil der Bevölkerung. Vieles gehe übers Zeigen und Vormachen, so Schleicher. „Und ich habe gelernt, wie man Menschen liest: Ich achte auf die Mimik, die Gestik und den Gesichtsausdruck – darüber kann man viel erfahren. Und ich habe gelernt, einfach mal abzuwarten, zu schauen, was noch kommt, wenn man sich Zeit lässt.“
Linkshänderscheren und Lehrvideos
An diesem Mittwoch fliegt die Eislingerin wieder nach Hause. Natürlich freue sie sich sehr auf ihre Familie und ihre Freunde, sagt sie. Die Menschen, die sie im Zentrum kennengelernt hat, lassen sie aber nicht los. Einzelnen Familien hat sie ihre Handynummer gegeben, um sie aus der Ferne weiterhin ein bisschen zu betreuen und Tipps zu geben. Auch mit den Lehrerinnen will sie unbedingt Kontakt halten, ihnen noch Material wie Linkshänderscheren und aufsteckbare Griffverdickungen, beispielsweise für Stifte, schicken sowie dazu passende Lehrvideos erstellen. „Und falls ich noch einmal herkomme – das halte ich nicht für ausgeschlossen –, bringe ich Fachliteratur mit“, ergänzt sie. Daran fehle es, und oft gehe es um grundlegende Dinge in der therapeutischen Arbeit.
Schleicher sagt: „Ich nehme sehr viel aus dieser Zeit mit nach Hause. Und es ist so schön, diese wirklich tiefe innere Dankbarkeit zu erfahren.“
Der Verein Friends Kinderhilfe international
Geschichte
Gegründet wurde der Verein 1994 in Oldenburg als „Sunil’s Friends Kinderhilfe Sri Lanka“. Die gebürtige Eislingerin Sylvia Bobay baute die Organisation ab 2003 aus. Seit Mai 2004 ist der Verein als „Friends Kinderhilfe International“ in Sri Lanka registriert, seit September 2006 auch in Deutschland. 2009 wurde der Vereinssitz nach Göppingen verlegt. Vor Ort arbeitet der Verein mit der Partnerorganisation „Friends Lanka Child Foundation“ zusammen.
Engagement
Freiwillige Helfer können sich bewerben. Kosten für Reise und Unterkunft müssen sie selbst tragen. Auf der Webseite des Vereins unter www.friends-kinderhilfe.de gibt es dazu weitere Informationen.