Von Erdland zu Junker Finanzkonzern W&W leitet den Führungswechsel ein

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Alexander Erdland geht 2017. Die Nachfolgesuche sei mit dem Aufsichtsrat abgesprochen gewesen, sagt der W&W-Chef. Nachfolger ist Jürgen Albert Junker von der VHV-Gruppe in Hannover.

Seit fast zehn Jahren steht Erdland an der Spitze von W&W. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Seit fast zehn Jahren steht Erdland an der Spitze von W&W. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) hat gerade mal ein Jahr nach der Verlängerung des Vertrags von Vorstandschef Alexander Erdland einen Nachfolger erkoren. Der 46-jährige Jürgen Albert Junker, der gegenwärtig dem Vorstand der VHV-Versicherungsgruppe in Hannover angehört, soll im April 2016 in den Vorstand von W&W einziehen und im Jahr darauf den Vorstandsvorsitz von Erdland übernehmen, teilen die Stuttgarter mit. Die Zeit dazwischen wird Einarbeitungs- und Übergangsjahr genannt, in dem sich Junker mit den Besonderheiten von W&W vertraut machen soll. Kern des Konzerns ist die Immobilienfinanzierung (Bausparen) sowie das breite Versicherungsgeschäft.

Der Schritt ist angesichts des Alters von Erdland eigentlich nicht ungewöhnlich. Der gebürtige Westfale ist 64 Jahre alt. Vor genau einem Jahr aber hatte der Aufsichtsrat mit dem früheren LBBW-Chef Hans Dietmar Sauer an der Spitze den Vertrag Erdlands noch bis zum Jahr 2020 verlängert. Bis dahin laufen auch die Verträge der beiden anderen Vorstandsmitglieder Michael Gutjahr (58 Jahre, Finanzen) und Jens Wieland (49, IT). „Wir freuen uns sehr, dass wir mit der bewährten Vorstandsbesetzung die W&W-Gruppe weiter voranbringen können“, hatte Sauer damals gesagt. Erdland sagte jetzt der Stuttgarter Zeitung, dass es schon damals eine feste Absprache mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden gegeben habe, alsbald die Nachfolgeregelung in Angriff zu nehmen.

Junker konzentriert sich auf Vertrieb und Internet

„Dass es so schnell gehen würde, war aber nicht abzusehen“, sagte Erdland. Einen W&W-Chef zu finden, ist nicht ganz einfach, weil der Kandidat sowohl von der Banken-, als auch von der Versicherungsseite in der Finanzaufsicht Bafin akzeptiert werden muss; Junker erfüllt diese Voraussetzungen. Vor seiner Zeit bei der VHV-Gruppe war der gelernte Bankkaufmann bei der Dresdner Bank im In- und Ausland tätig. Junker, geboren in Aschaffenburg, ist Diplom-Kaufmann und leitet bei VHV seit 2007 das Vorstandsressort Vertrieb und ist für die Konzernbeteiligungen verantwortlich. W&W hebt außerdem hervor, dass sich Junker stark mit dem Thema Digitalisierung im Vertrieb beschäftigt hat. Auf Vertrieb und Internet soll er sich auch im ersten Jahr bei W&W kümmern.

Alexander Erdland, der im Oktober 64 Jahre alt geworden ist, kam im Jahr 2006 von der Bausparkasse Schwäbisch Hall zu W&W. Zuvor hatte er dem Vorstand des genossenschaftlichen Spitzeninstituts angehört, das heute DZ Bank heißt. W&W ist 1999 entstanden, als sich die Bausparkasse Wüstenrot und die Württembergische Versicherungsgruppe zusammenschlossen. Sah es anfangs noch so aus, als kämen zwei gleichberechtigte Partner zusammen, so zeigte sich schnell, dass auf Eigentümerseite letztlich die Wüstenrot-Stiftung das Sagen hat. Entsprechend schwer kamen die beiden Teile der Finanzgruppe in den ersten Jahren zueinander. Erdland, der den Vorteil hatte, weder mit Wüstenrot noch mit der Württembergischen identifiziert zu werden, widmete sich sogleich dem Zusammenwachsen von Bausparkasse und Versicherung unter dem Dach der Holding sowie der Steigerung der Ertragskraft mit Hilfe von mehreren Programmen zur Steigerung der Effizienz und der Senkung der Kosten. Das Ergebnis: In seiner knapp zehnjährigen Amtszeit wurde mehr als eine Milliarde Euro Eigenkapital aufgebaut. Da W&W mehrheitlich im Stiftungsbesitz ist, muss das Unternehmen zusätzliches Kapital selbst erwirtschaften; die Stiftung kann keine Kapitalerhöhung stemmen. Das durchschnittliche Jahresergebnis von W&W hat sich unter Erdlands Regie verzwölffacht. Erst im November wurde die Prognose für den Nettogewinn in diesem Jahr um 40 Millionen Euro nach oben korrigiert. W&W erwartet jetzt einen Gewinn von 240 bis 280 Millionen Euro.

Ob Erdland in den Aufsichtsrat geht, ist offen

Nüchtern kommentiert Erdland das Erreichte: „Ich freue mich“, sagte er jetzt der Stuttgarter Zeitung, „dass wir eine Menge nach vorn gebracht haben.“ Wie es mit Erdland 2017 weitergehen wird, ist offen. Ein möglicher Wechsel in den Aufsichtsrat ist in der Mitteilung vom Donnerstag nicht angesprochen, er selbst mag zu dem Thema nichts sagen. Erdland ist seit dem Jahr 2012 auch Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft mit Sitz in Berlin.