Von Fellbach nach Südafrika Der Swasi-Schwabe denkt nicht an Rückkehr

Horst Sayler mit seiner Adoptivtochter Thuli Foto: privat
Horst Sayler mit seiner Adoptivtochter Thuli Foto: privat

Horst Sayler hat 1963 Fellbach den Rücken gekehrt – und in Swasiland eine neue Heimat gefunden. Dort gehört er gewissermaßen zum Gefolge des Königs.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)
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Fellbach - Als Horst Sayler 1963 sein Elternhaus verließ, hatte seine Mutter eine Vorahnung. „Der Bub kommt nicht wieder“, sagte sie damals und sollte Recht behalten. Der Fellbacher lebt seit mehr als fünf Jahrzehnten im Königreich Swasiland, dem mit 17 362 Quadratkilometern zweitkleinsten Land des afrikanischen Kontinents. Dort hat es der bleichhäutige Schwabe als Hofmasseur und königlicher Gesundheitsberater von König Mswati III., als Präsident des Gewichtheberverbands von Swasiland, Chairman des Technischen Komitees für Gewichtheben in Afrika sowie Inhaber eines großen Spa Health und Beauty Centers zu Ansehen gebracht.

Horst Sayler, der mittlerweile 74 Jahre alt ist, flüchtete einst vor der Bundeswehr nach Afrika – aus ethisch-moralischen Gründen, wie er sagt. Bei der ersten Verhandlung war er noch als Kriegsdienstverweigerer anerkannt worden, doch das Verteidigungsministerium legte Widerspruch ein. „Beim zweiten Gerichtstermin fiel keine Entscheidung, und dann bin ich lieber abgehauen“, sagt der gebürtige Schwabe.

Ein kurzes Eheglück im Apartheid-Staat

Mit zwei Freunden vom SV Fellbach, in dem Horst Sayler in der Kraftsportabteilung aktiv und als württembergischer Jugendmeister im Gewichtheben erfolgreich war, ging er zunächst nach Südafrika. In Johannesburg machte der gelernte Werkzeugmacher eine Ausbildung zum Masseur: „Ich habe eine Hand für lebendige Sachen, Stahl ist eine tote Materie.“ Horst Sayler verliebte sich in eine braunhäutige Südafrikanerin. Weil im Apartheidstaat Mischehen verboten waren, heirateten er und seine große Liebe 1972 in der Methodistenkirche in Fellbach: „Es war ein tolles Familienfest, aber als wir nach Südafrika zurückkamen, waren wir Kriminelle und standen mit einem Bein im Gefängnis.“

Viel schlimmer aber war, dass seine Frau nur kurz nach der Hochzeit starb. Nach ihrem Tod nahm Horst Sayler eine Stelle in Swasiland an, das damit wirbt, ein Land des Sonnenscheins zu sein. Für den Fellbacher, der den König nicht nur massieren darf, sondern auch zu Gesprächen in den Palast gerufen wird, ist es das auf alle Fälle. Aber er hat das Seine zu seinem Glück beigetragen. Vor allem hat er sich der dortigen Traditionsgemeinschaft angepasst. „Wer zu allem Ja und Amen sagt, ist willkommen“, sagt der Swasi-Schwabe.

Jedes Mal, wenn er die Koffer packt, um zu Olympischen Spielen, Commonwealth Games oder Afrika-Asien-Spielen zu reisen, ist sich Horst Sayler bewusst, dass er sein Land vertritt. „Ich verteidige die Monarchie, die in den meisten Ländern der Welt verurteilt wird, aber ich weiß, dass ich nur akzeptiert und respektiert werde, wenn ich ins gleiche Horn blase wie die Swasis.“ In dem Moment, in dem er die Einheimischen kritisiert, wird er wieder „der Foreigner, der Reingschmeckte“. Das, obwohl er nun schon fast ein halbes Jahrhundert in Mbabene zu Hause ist und in seinem Swaziland Spa Health und Beauty Studio Einheimische beschäftigt und die High Society von Swasiland in seinem Wellness- und Fitnessstudio mit eigener Heilquelle entspannte Stunden genießt.

Die Nachfolge ist schon geregelt

Horst Saylers Adoptivtochter Thuli tritt geschäftlich in seine Fußstapfen. Dennoch wird er seinen Lebensabend in Swasiland verbringen, an eine Rückkehr in seine schwäbische Heimat denkt er nicht. Schließlich darf er – wie sonst nur Mitglieder des Königshauses – bei offiziellen Anlässen statt eines Affenfells sogar ein Leopardenfell tragen.

„Man lernt Deutschland nur kennen, wenn man im Ausland lebt“, sagt er. Beim Blick auf sein Herkunftsland wird es ihm derzeit aber angst und bange. „Die Probleme, die es auf der Welt gibt, haben die Amerikaner auf dem Gewissen. Systematisch wird ein Land nach dem anderen kaputt gemacht – und Europa wird mit Flüchtlingen überschwemmt.“ Er sorge sich um Deutschland, weil er aus eigener Erfahrung wisse, dass Afrikaner eine andere Mentalität hätten. Sich integrieren werde nur, „wer die deutsche Gefühlswelt und den Humor annimmt“, sagt der Swasi-Schwabe Sayler.

Dieser Text ist ein Teil einer großen Serie über Auswanderer aus der Region Stuttgart.




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