Der Finanzchef der Gemeinde Kaisersbach hat sich in seiner Freizeit eine Extremtour vorgenommen. Am 25. Juni will Dieter Zimmermann nach Venedig fahren – und dann gleich wieder zurück.
Kaisersbach - Alle, die keinen Ausdauersport betreiben, dürften das Vorhaben für vollkommen verrückt halten. Und selbst Dieter Zimmermanns Radkumpels können kaum fassen, was sich der 61-jährige Büromensch und leidenschaftliche Biker diesmal vorgenommen hat. Der Mann, der seit 1975 Kämmerer der Gemeinde Kaisersbach ist, will am Donnerstag, 25. Juni, punkt 6 Uhr in Kaisersbach mit seinem Rennrad zu einer Tour bis hinunter ans Mittelmeer starten. Wenn er in Venedig ankommt, dann werde er sich in einem Restaurant eine besonders große Portion Spaghetti auftischen lassen, ein bisschen ausruhen – um sich dann sofort wieder auf den Sattel zu schwingen und zurück nach Hause radeln, sagt Zimmermann und guckt ganz zufrieden.
1130 Kilometer und fast 11 000 Höhenmeter
Manchmal könne er aber selbst gar nicht glauben, was er sich da eingebrockt hat: 1330 Kilometer, und fast 11 000 Höhenmeter. Wenn alles halbwegs glatt laufe, dann werde er geschätzt mindestens 70 Stunden unterwegs sein. Starten will der Marathonmann am Donnerstag, 25. Juni, morgens um 6 Uhr. Dieter Zimmermann wird ganz allein fahren, ohne Begleittross und nur mit einem winzig kleinen, möglichst leichten Rucksack auf dem Buckel. Nonstop heißt in dieem Fall: ohne längere Pausen. Er werde freilich ab und zu anhalten müssen, um etwas zu essen und zu trinken, um mal auf Toilette zu gehen oder sich die Beine zu vertreten. „Es kann auch sein, dass ich mich mal kurz in eine Wiese lege.“ Und falls er dann wegnicken sollte, auch kein Problem.
Viele Details dieses Wahnsinnsprojekts, das Dieter Zimmermann grinsend „mein modernes Abenteuer“ nennt, sind nicht kalkulierbar. Er wird zwar ein paar Riegel mit Sportlernahrung dabei haben, muss sich aber oft unterwegs verpflegen. Wo genau? Das werde sich schon ergeben. Er wolle auch keine größeres Werkzeug mitnehmen. Sollte ein wichtiges Bauteil des 6000 Euro teuren Rennbikes kaputt gehen, etwa die Schaltung, dann muss er unterwegs eine Werkstatt finden. Und falls so ein Defekt mitten in der Nacht eintreten sollte? Dann müsse er eben improvisieren, sagt er und zuckt die Schultern. Es gebe auch keine Garantie, dass er durchkomme, nach wie vielen Stunden auch immer. Abwarten.
Dieter Zimmermann war früher kein übermäßig sportlicher Mensch. Er hat als Bub und als Jugendlicher in Welzheim Fußball und Handball gespielt. Nach dem Realschulabschluss in Schorndorf hat er die Laufbahn in der öffentlichen Verwaltung begonnen. Seit fast genau 40 Jahren ist der Vater von drei längst erwachsenen Kindern in seiner Heimatgemeinde verantwortlich für die Finanzen. Er dürfte einer der dienstältesten Kämmerer im Land sein.
Als die Kinder noch klein waren, hat Zimmermann kaum Sport getrieben. Er war gut ausgelastet, wollte aber auch nie Bürgermeister werden. Nach der Arbeit Freizeit haben, das sei ihm immer sehr wichtig gewesen. Später, als die Kinder größer waren, hat er angefangen zu joggen und nach fünf Marathonläufen umgesattelt auf Radfahren. „Das ist gesünder für die Kniegelenke.“ Heute legt der Kämmerer jährlich 10 000 bis 12 000 Kilometer im Sattel zurück. Im Juli will er das 19. Mal beim Ötztaler Radmarathon über 238 Kilometer und 5500 Höhenmeter starten. Während der Pfingstferien war Zimmermann zwei Wochen lang im Trainingslager auf Mallorca. Er ist also ganz gut vorbereitet.
Spenden für die Hospitzstiftung
Wie nur kommt man auf die Idee, allein gut 1300 Kilometer am Stück zu fahren? Noch dazu über die Berge. Die Nonstop-Tour an den Gardasee 2014 zusammen mit vier Freunden war wohl der Auslöser. Einer dieser Kumpel habe im Winter gefragt, ob er mit radle bis nach Venedig. Zimmermanns spontane Antwort sinngemäß: wenn, dann aber bitte auch gleich wieder zurück. Der Freund hat dankend abgewunken. „Aber die Idee", sagt Zimmermann, „die war halt im Kopf“. Selbst seine Frau, die alles andere als begeistert ist von dem tollkühnen Trip, kann den Mann mit dem eisernen Willen nicht aufhalten. Zimmermann sagt: „Sie hat ein großes Herz.“ Und wenn sie beide zusammen Urlaub machen, „dann ohne Sport“.
Wie bei der Tour 2014 will der Biker auch diesmal für einen guten Zweck radeln. Wieder sammelt er Spenden für den Kinder- und Jugendhospizdienst Pusteblume der Hospizstiftung Rems-Murr.