Von Paris nach Leonberg Hier kommen Modellbahn-Freaks aus ganz Europa

Diese vielen Modelle faszinieren Jung und Alt. Foto: Simon Granville

Einmal im Jahr wird die Firma Walter im Leonberger Gewerbegebiet zum magischen Anziehungspunkt für Eisenbahn-Fans. Hier gibt es Modelle, die es sonst kaum noch gibt.

Ein Warnsignal ertönt und dann fährt ein Zug ein. Ein Traube von Menschen klatscht begeistert, wissende Blicke werden ausgetauscht. Wer sich fragt, wo sich solch eine Szene wirklich abspielt, findet die Lösung im Gewerbegebiet Leonberg-West. Denn beim Fachgeschäft „Walter Eisenbahnen“ finden sich an diesem letzten Juni-Wochenende weit über 500 Modellbahn-Liebhaber zusammen – um zu fachsimpeln, sich auszutauschen und in die große, kleine Welt der Eisenbahnen abzutauchen.

 

Neben alten Loks und Schienen gibt es an verschiedenen Ständen alte Gleispläne, nachgebaute Bahnhöfe und Miniatur-Figuren zu kaufen. Dabei handelt es sich jedoch ganz und gar nicht um Kinderspielzeug: Die realitätsgetreuen Modelle sind kostspielig und waren zumindest früher nicht ganz ungefährlich. „Als Modelleisenbahnen noch elektrisch statt mit Uhrwerken betrieben wurden, kam es das eine oder andere Mal zu einem Wohnungsbrand“, erzählt Joachim Ruf. Er verkauft seine Sammlerstücke auf der „Leolok“, wie die Messe heißt, darunter auch Modelle aus dem frühen 20. Jahrhundert. So etwas findet man nicht mehr häufig – der Verkauf in Leonberg ist einer der wenigen, die es noch gibt. Das wissen auch die anderen Besucher der Messe. Viele nehmen weite Wege auf sich, um die Messe des Familienunternehmens zu besuchen. Denn Orte, an denen man heute noch qualitativ-hochwertige und originalgetreue Sammlerstücke ergattern kann, werden zu einer Rarität.

Ein echtes Schätzchen: der Trans-Europ-Express, Vorgänger des Eurocity. Foto: Simon Granville

Neben Eisenbahn-Freunden aus Barcelona und Paris gibt es noch Barry und Leo Van der Waal. Das Vater-Sohn-Duo wohnt eigentlich in Österreich und betreibt dort einen Online-Handel für antike Loks, Schiffe und andere Stücke. In Leonberg sind sie nicht nur um zu handeln, sondern auch zum netzwerken. Denn über die Jahre entwickelte sich die „Leolok“ zu einem international bekannten Treffpunkt für Interessenten und Händler. „Ich komme jedes Jahr hierhin, um andere Bahnbegeisterte zutreffen, das ist wie eine kleine Community hier“, sagt ein Besucher.

Auch Modellbahnen brauchen Sonnenschutz. Foto: Simon Granville

Viele schauen schon zum dritten Mal bei „Walter Kauft Eisenbahnen“ vorbei. So heißt der Familienbetrieb offiziell. „Man kennt sich untereinander, das ist wie so eine kleine Szene. Wenn Besucher zum ersten mal dabei sind, kommen sie oft im nächsten Jahr wieder“, sagt Till Walter. Er besitzt das Unternehmen in der zweiten Generation. Vor knapp 40 Jahren gründete sein Vater Hans-Willi Walter die Firma, die Liebe zu den Sammelstücken legte er seinem Sohn in wie Wiege. Mittlerweile ist die Firma eine der größten ihrer Art – kein Wunder also, dass Besucher aus ganz Europa herkommen.

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