Von Zeit zu Zeit: Historische Winter in Stuttgart Von der Heslacher Wand zum Piz Mus

Lang, lang ist es her. Schlittschuhlaufen auf dem Feuersee um 1890. Foto: LMZ-BW/Schalle 8 Bilder
Lang, lang ist es her. Schlittschuhlaufen auf dem Feuersee um 1890. Foto: LMZ-BW/Schalle

Stuttgarts Topografie beschert der Stadt ungeahnte Möglichkeiten für Ski und Rodel gut. Allerdings braucht es dazu Schnee und Kälte. Aber das hat es ja schon mal gegeben, wie sich auch unsere Leser erinnern. Der Redakteur Jürgen Löhle hat mit zurückgeblickt.

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Winter. Das klingt nach kalter Luft, nach Knirschen von Schnee unter den Schuhen, nach Eis auf den Autoscheiben und Weiß auf den Bäumen. Davon sind wir im Moment allerdings weit entfernt.

Milde Winter wie diesen gab es allerdings auch früher schon, die schneereichen blieben nur besser in der Erinnerung haften, sagt zumindest die Wissenschaft. Wie auch immer – in und um Stuttgart wusste man jedenfalls schon vor den Zeiten eines Snowboard-Jump-Events auf dem Wasen oder Eishockey in der Schleyerhalle, was man im Winter so alles tun kann – wenn es denn kalt genug ist.

Auf jeden Fall hat die Region schon fast alles gesehen, was der olympische Wintersport so zu bieten hat. Einige der ganz wenigen Dinge, die es tatsächlich nie gegeben hat, ist eine künstliche Bobbahn mit Kühlanlage. Dafür existiert aber der Bob-Club Stuttgart-Solitude, der zwar keine Bahn aber Zweierbob-Vizeweltmeister Johannes Lochner als Mitglied hat.

Eishockey auf dem Feuersee

Aber sonst gab es vieles rund um den Winter. Zum Beispiel Eishockey auf dem Feuersee. Leser Michael Kiefer erinnert sich daran, wie man dort Anfang der 70er Jahre gespielt hat. Für eine kurze Zeit waren sogar eine Eismaschine und Flutlicht mitten in der Stadt im Einsatz. Und man konnte heiße Maronen kaufen.

Überhaupt gehörte das Schlittschuhlaufen im Städtle zum Winter wie die Zacke zum Marienplatz. Früher wurden dazu bei genügend Frost auch Tennisplätze so lange gewässert, bis es eine richtige „Schleifeze“ gab. Natürlich waren auch alle Parkseen Eislaufrevier, wenn es denn lange genug kalt war. Leser Claus Maier erinnert sich, dass man in den 50er Jahren in Gablenberg bei Frost so lange Wasser auf die Straße gespritzt hat, bis es eine Eisbahn zum Schleifen (örtliche Bezeichnung für Rutschen auf Eis mit normalen Schuhen) hingefroren hat. Unabhängig davon, dass es im Moment dazu zu warm ist – das sollten die Kids heute mal versuchen.

Todeswegle und Schlangenbiggele hinab

Aber Schlittschuh ist ja längst nicht alles: Stuttgart ist bekanntlich Deutschlands einzige Großstadt, die einen so großen Höhenunterschied von knapp 350 Meter aufweist. Kurzum, der Kessel wird von Anstiegen gesäumt, die man bei ordentlicher Schneelage zum Schlittenfahren nützen könnte. Die nutzbaren „Biggel“ (Hügel) trugen einst Namen wie Todeswegle, Schlangenbiggele oder Heslacher Wand, und es gab sie allüberall in der Stadt. Die bekannteste und längste Abfahrt führte von der Doggenburg bis hinab ins Feuerbacher Tal. Früher soll es hier sogar offizielle Rennen gegeben haben, später dann bis heute die schwäbische Bob-Variante. Das heißt der Frontmann liegt „bauche“ auf dem Schlitten und hängt seine Füße in den nächsten Rodel ein. Beim letzten in der Kette sitzt zusätzlich noch einer oben drauf zum Bremsen, wie sich der Leser Rolf Dittus erinnert. Dittus weiß auch noch von einer Bahn vom Dachswaldweg hinunter in Richtung Südheim.




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