Von Zeit zu Zeit: Stuttgart-Video Eine Stadt der Gegensätze

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Mehrere tausend historische Videos hat das Filmunternehmen „British Pathé“ ins Netz gestellt. Auch Beiträge über Stuttgart sind dabei. Diese stellen wir in einer Serie vor. Heute: Aufnahmen aus dem Stuttgart der 1930er.

Neben dem Hauptbahnhof, der wenige Jahre zuvor fertig gestellt wurde, zeigt das Pathé-Video „Stuttgart – die Stadt der Gegensätze“ von 1934 das Rathaus und das Kaufhaus Schocken. Foto: Screenshot British Pathé 11 Bilder
Neben dem Hauptbahnhof, der wenige Jahre zuvor fertig gestellt wurde, zeigt das Pathé-Video „Stuttgart – die Stadt der Gegensätze“ von 1934 das Rathaus und das Kaufhaus Schocken. Foto: Screenshot British Pathé

Stuttgart - Das Filmunternehmen "British Pathé“ hat mehrere tausend historische Videos ins Netz gestellt. Auch Beiträge über Stuttgart sind dabei. Diese stellen wir in einer Serie vor. Heute: Aufnahmen aus dem Stuttgart der 1930er.

Als eine „Stadt der Gegensätze“ zwischen moderner Architektur und historischen Gebäuden hat der britische Sender „Pathé“ seinen Filmbeitrag über Stuttgart bezeichnet. Zu sehen sind unter anderem der relativ neue Hauptbahnhof, das alte Rathaus und das Kaufhaus Schocken.

Auch heute noch sind diese Kontraste in der Landeshauptstadt zu finden – wenn auch von den drei genannten Gebäuden Bahnhof, Rathaus und Schocken heute keines mehr in der Gestalt der 1930er Jahre daherkommt.

Im Jahr 1934 – als das Video entstanden ist – ist der Bau des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs bereits seit sechs Jahren abgeschlossen. Zuvor waren die Menschen in der damaligen Schlossstraße (heute: Bolzstraße) in den Zug aus- und eingestiegen. Der Neubau am heutigen Arnulf-Klett-Platz war nötig geworden, weil der alte Bahnhof in der Schlossstraße den gewachsenen Anforderungen nicht mehr genügte. 60.000 Pendler nutzen schon damals Tag für Tag den Zug zur Fahrt an den Arbeitsplatz in der Innenstadt. Der neue Bahnhof, geplant von Paul Bonatz, entstand etwa 500 Meter weiter Richtung Osten. Inzwischen wird an dem Tiefbahnhof „Stuttgart 21“ gebaut. Um das Pojekt realisieren zu können, wurden Teile des Paul-Bonatz-Baus abgerissen.

Als Zeuge moderner Architektur galt in den 1930ern auch das Kaufhaus Schocken an der Eberhardstraße. Gebaut wurde es in den Jahren 1926 bis 1928 nach Plänen von Erich Mendelsohn. Das Stuttgarter Kaufhaus war Teil einer Warenhauskette, die 1930 mit insgesamt 20 Filialen zur viertgrößten im Deutschen Reich gehörte und von Salman Schocken und seinem Bruder Julius geführt wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Stuttgarter Gebäude beschädigt, aber nicht zerstört. Lange galt es als Deutschlands schönstes Warenhaus. 1960 wurde es trotz Protesten aus dem In- und Ausland von der Stadt Stuttgart zum Abriss freigegeben. Gründe waren die fehlenden Rolltreppen im Inneren und die Planungen der Stadt, die Straßen rund um das Schocken zu verbreitern. Dem stand das Kaufhaus im Weg. An seine Stelle trat 1972 ein Kaufhaus-Neubau nach Entwürfen von Egon Eiermann, der noch heute dort zu sehen ist.

In dem Video sehen die Zuschauer auch das alte Stuttgarter Rathaus, ein Schmuckstück flämischer Spätgotik, das am 1. April 1905 in Anwesenheit des Königs eingeweiht wurde. Fast vierzig Jahre lang wurden in diesem Rathaus die Geschicke der Stadt gelenkt. Dann schlugen die Bomben des Zweiten Weltkriegs ein. Die halbwegs erhaltenen Rathausflügel zur Hirsch-, zur Nadler- und zur Eichstraße wurden auf dem alten Grundriss wiederhergestellt, nur die Seite zum Marktplatz erhielt eine neue, die heutige Gestalt, die schon damals nicht jedem Stuttgarter zusagte.




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