Da spritzt der Sekt: B-Ligist TV Altdorf feiert den Bezirkspokalsieg 1986 Foto: Archiv/Schunke
Das Endspiel um den Fußball-Bezirkspokal gewann vor 40 Jahren ein B-Ligist – eine absolute Seltenheit. Dieses Kunststück schaffte damals der TV Altdorf. Wir blicken zurück.
Jürgen Renner
07.05.2026 - 13:53 Uhr
Eigentlich standen die Zeichen vor dem Bezirkspokalfinale 1986 nicht gut für den Kreisliga-B-Ligisten TV Altdorf. Im Endspiel wartete der SV Rotfelden, der zwei Klassen höher kickte. Den TVA-Anhängern war zudem sauer aufgestoßen, dass mit Erich Frey ein Schiedsrichter aus dem Schwarzwald das Spiel leitete. Konnte der langjährige Obmann der Gruppe Calw wirklich unparteiisch sein?
Noch dazu spielte das Wetter nicht mit, weshalb die Partie auf dem Altburger Hartplatz stattfand – keine schöne Finalkulisse. Für die mit dem Extra-Bus angereisten Altdorfer Fans verteilte TVA-Chef Helmut Bendel im Jahr des 50-jährigen Bestehens der Fußballabteilung sogar Regenschirme, die mit dem Vereinsnamen bedruckt waren.
Die siegreiche Mannschaft Foto: Archiv/Schunke
Thomas „Storch“ Wenz köpft das Tor des Tages
Doch letztlich ließ sich der Kreisliga-B-Vizemeister TV Altdorf nicht irritieren, sondern legte eine Spitzenleistung hin. Thomas „Storch“ Wenz gelang nach 53 Minuten das Tor des Tages. Er köpfte eine Flanke von Karl-Heinz Burk ein und machte seine Truppe zum Bezirkspokalsieger – was völlig verdient war. Der Underdog hatte zahlreiche weitere Chancen, zudem ließ der Schiedsrichter zwei Foulspiele im Strafraum ungeahndet.
Die Elf von Trainer Egon Rauser um Keeper Harry Körner, Günther Nowottny, Andreas Feiler, Kapitän Siegfried Wünsch, Burk, Wenz, Gerd Kleinert, Carsten Hildebrandt, Andreas Hämmerle, Thomas Kömpf und Dieter Wylezich war an diesem Tag klar besser als die Mannschaft vom SV Rotfelden.
Platz von Pfützen übersät
Wylezich lief mit 42 Jahren noch für den TVA auf, weil Karl-Heinz Burk länger gesperrt gewesen war. „Es war sehr schlechtes Wetter“, erinnerte sich der ehemalige Sindelfinger Amateurliga-Kicker an den durch den Dauerregen mit Pfützen übersäten Platz. Kapitän Siegfried Wünsch bekam den Pokal vom damaligen Bezirksvorsitzenden Hans Benz überreicht, der eine Verlegung abgelehnt hatte. Dem TVA war es egal, obwohl die Truppe tags darauf noch das letzte Punktspiel zu absolvieren hatte.
Zuvor hatte der TVA im Halbfinale mit dem SV Magstadt bereits einen weiteren Bezirksligisten aus dem Wettbewerb geworfen. Dies nicht etwa knapp und glücklich, sondern mit 4:0 sehr deutlich, obwohl die Altdorfer dabei auswärts antraten. Die Rotfeldener hatten ihrerseits mit einem 4:1 gegen den späteren Bezirksligameister SpVgg Aidlingen für einen Paukenschlag gesorgt.
Der TV Altdorf war damit für den WFV-Pokal qualifiziert. Als krasser Außenseiter trafen die Altdorfer Ende Juli auf den Landesligisten Union Böckingen und mussten sich nur knapp mit 2:3 geschlagen geben. Bis zur 68. Minute führte der TVA sogar durch ein Tor von Hämmerle (51.) und versiebte davor und danach einige Chancen. Aber nur Hildebrandt (90.) traf noch zum Endstand.
Zuvor stieg der TV Altdorf zweimal ab
„Ich bin weiterhin beim TV Altdorf Vereinsmitglied“, erzählt Wylezich, der eigentlich nur kurz in Altdorf aushelfen wollte, aber dann auch in der Folgesaison noch auflief. „Die Kameradschaft war sehr gut, wir waren oft danach noch Karten spielen“, erinnert sich Wylezich an das seit 2016 geschlossene und ein Jahr später abgerissene Gasthaus Sonne.
Mit dem Bezirkspokalsieg schrieb der TV Altdorf endlich wieder positive Schlagzeilen, nachdem er zwischen 1984 und 1986 von der Bezirksliga direkt in die Kreisliga B durchgereicht worden war. Das Double wurde jedoch knapp verpasst, trotz der 129 geschossenen Toren (unter anderem wegen eines 23:0-Sieges gegen Fortuna Böblingen). Sage und schreibe 52 davon steuerte Carsten Hildebrandt bei, der später auch für den GSV Maichingen und die SV Böblingen stürmte.
In der Kreisliga B ist Deufringen vorne
In der Kreisliga-B-Tabelle musste der TV Altdorf dem zwei Punkte besseren FSV Deufringen den Vortritt lassen. Dabei hatte es der Absteiger in der eigenen Hand gehabt, nachdem die Deufringer 0:1 in Nebringen verloren hatten und damit punktgleich waren. Doch das direkte Duell ging mit 1:2 verloren – Thomas Mistele hatte den FSV in Führung gebracht, Wünsch erst ausgeglichen und dann mit einem Eigentor für die Niederlage gesorgt.
Aber offensichtlich beflügelt vom Pokaltriumph wurde in der Saison 1986/87 mit Spielertrainer Walter Geltenbort aus Öschelbronn mit zwei Punkten Vorsprung vor dem VfL Oberjettingen der Aufstieg in die Kreisliga A geschafft. Dort konnte sich der TVA drei Jahre halten.
Übrigens: Den Bezirkspokal gewannen die Altdorfer noch zwei weitere Male. Nämlich 1989 durch ein Tor von Volker Dieterle gegen den SC Neubulach und 2009 durch ein 2:1 nach Treffern von Felix Piskai und Florian Frey gegen die Sportfreunde Spielberg.
Das Pokalfinale im Fußballbezirk Stuttgart/Böblingen findet am Donnerstag, 14. Mai, um 18.30 Uhr in Bernhausen statt. Der SV Sillenbuch spielt gegen den TSV Weilimdorf II.