Vor dem Reutlinger Arbeitsgericht Mobbing-Klage gegen Tübinger Islamzentrum
Er sei schikaniert und benachteiligt worden, klagt ein Lektor. Vor Gericht überzeugt er damit nicht. Doch es gibt immer wieder Hinweise auf Missstände.
Er sei schikaniert und benachteiligt worden, klagt ein Lektor. Vor Gericht überzeugt er damit nicht. Doch es gibt immer wieder Hinweise auf Missstände.
Vordergründig wird vor dem Arbeitsgericht Reutlingen in dem Rechtsstreit „Z. gegen das Land Baden-Württemberg“ über die Mobbing- und Diskriminierungsklage eines Arabisch-Lektors an der Universität Tübingen verhandelt.
Bei der mündlichen Verhandlung im Konferenzraum der Stadthalle Balingen, wo sich das Arbeitsgericht diesmal einfand, stehen unausgesprochen aber auch die teilweise chaotischen Verhältnisse am Zentrum für Islamische Theologie (Zith) im Raum. Immer wieder macht das Zith mit persönlichen Animositäten unter den Professoren, mangelhafter Verwaltung und Defiziten bei der Lehre von sich Reden. Für die Politik bleibt es dennoch bisher ein mit viel Geld aufgepäppeltes Vorzeigeprojekt.
Z. verklagte die Universität unter anderem auf Unterlassung und Schmerzensgeld in Höhe von 10 000 Euro. Ein Professor soll bei den schikanösen Vorgängen ab Frühjahr 2022 den Verdacht geäußert haben, er sei ein iranischer Agent. Ein andermal habe ihn ein Professor als „Herrn Ahmadinedschad“ verunglimpft, nach Irans Ex-Staatschef, einem notorischen Antisemiten. Außerdem sei seine berufliche Kompetenz in Zweifel gezogen und er sei von der Lehre ausgeschlossen worden. Zuletzt habe die Zith-Leitung auch noch eine Überprüfung seiner theologischen Eignung verlangt, so der Kläger. „Ich will eigentlich nur wieder als Arabisch-Lektor arbeiten. Ich habe das sehr gerne gemacht“, betont Z. vor Gericht.
Seit 2019 hat er am Zith Arabisch gelehrt. Seit September vergangenen Jahres arbeitet er am Fremdsprachenzentrum der Uni. Aber – weit entfernt von den vertraglich vereinbarten Arbeitszeit – unterrichtet er derzeit nur vier Studierende und gibt zwei weiteren Nachhilfe. Auch Richterin Natascha Maute erkennt: Die mit der Uni im Zuge einer Konfliktlösung vereinbarte Umsetzung Z.s gestalte sich schwierig, unter anderem weil lange unklar gewesen sei, ob die dortigen Kurse vom Zith anerkannt würden.
Rüdiger Gaenslen, der Anwalt der Uni, räumt durchaus Fehler in dem Streitfall ein. Eine „schlechte Kommunikation“ habe den Konflikt „hochgeschaukelt“. So habe eine „übereifrige E-Mail“ aus dem Zith die Frage zur theologischen Eignung Z.s aufgeworfen. Keine Schikane, sondern nachvollziehbar, weil beim Zith – vergleichbar mit den christlichen Fakultäten – ein Beirat in theologischen Fragen Mitsprache habe. In dem umstrittenen Beirat sind Ditib, die Bosniaken (IGBD) und der erzkonservative Islamverband VIKZ vertreten. Die Überprüfung der theologischen Eignung sei vom Tisch, so der Anwalt der Uni. Und: Das Rektorat habe beschlossen, dass die Kurse von Z. künftig vom Zith „unbefristet anerkannt werden“, betont Gaenslen ausdrücklich.
Die Uni bestreite eine Diskriminierung. Z. habe „überreagiert“, so der Rechtsanwalt. Nach zweistündiger Verhandlung weist das Gericht die Klage in allen Punkten ab. „Der Vorwurf des Mobbing konnte nicht überzeugend dargelegt werden“, bei einigen Vorwürfen mangelte es an Bestimmtheit, bei anderen seien Fristen abgelaufen, heißt es seitens des Gerichts. Z. reagiert enttäuscht: „Das kann so nicht stehen bleiben.“ Er erwägt, Berufung einzulegen. Beobachter, die mit dem Fall vertraut sind, bezweifeln, dass der Konflikt damit beigelegt ist. „Die Leute im Zith sehen sich doch jetzt eher bestätigt“, meint eine Kennerin. „Die werden nicht nachlassen.“
Der Rechtsstreit wirft ein neuerliches Schlaglicht auf andauernde gravierende Probleme am Zith. Insider berichten unserer Zeitung von schweren Querelen zwischen einzelnen Professoren. Die neue Zith-Leiterin Lejla Demiri spielte die Probleme jüngst herunter: „Es gibt natürlich Konflikte, wie es sie in jedem Institut, in jeder Verwaltung gibt“, so Demiri in unserer Zeitung.
Für die Politik sind diese Details heikel. Schließlich haben Bund und Land viele Millionen Euro in das 2011 gegründete Islamzentrum gesteckt, in dem islamische Religionslehrer, Sozialarbeiter oder Seelsorger ausgebildet werden sollen, um einen mit der liberalen Demokratie vereinbaren Islam in Deutschland heimisch zu machen.
Gerade erst hat das Zith in Tübingen einen Neubau an einem Theologie-Campus zusammen mit den evangelischen und katholischen Fakultäten bezogen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) möchte das Prestigeprojekt in einigen Monaten feierlich einweihen.