Vor dem Urteilsspruch in Stuttgart Der Schlecker-Familie drohen weitere Klagen

Von Anne Guhlich 

An diesem Montag entscheidet sich, ob der Firmengründer in Haft muss. Doch es gibt noch mehr Prozesse.

Stuttgart - Die Unternehmerfamilie Schlecker muss sich nach dem Urteil des Stuttgarter Landgerichts, das an diesem Montag erwartet wird, auf die nächsten Rechtsstreitigkeiten einstellen. „Nach dem Strafprozess könnten weitere zivilrechtliche Ansprüche auf die Familie zukommen“, sagte der Stuttgarter Anwalt Frank Hahn am Sonntag unserer Zeitung. Hahn hatte das Unternehmen in der Vergangenheit in einigen Prozessen vertreten und steht auch bei dem aktuellen Schadenersatzverfahren, das im sächsischen Zwickau anhängig ist, auf der Seite eines früheren Schlecker-Geschäftsführers.

„Wenn die Unternehmerkinder Lars und Meike Schlecker wegen Beihilfe zum Bankrott verurteilt werden, könnten Lieferanten, die erst nach der Zahlungsunfähigkeit zu Gläubigern wurden, Schadenersatzansprüche geltend machen“, erklärt der Jurist. Schlecker hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Sollte das Gericht feststellen, dass Schlecker bereits im Frühjahr 2011 zahlungsunfähig war, könnten Gläubiger, die danach an Schlecker geliefert haben, gegen die Kinder des einstigen Drogeriekönigs persönlich vorgehen.

Zivilrechtliche Ansprüche in Österreich

Zivilrechtliche Ansprüche gegen die Familie werden auch in Österreich geltend gemacht. Dort fordert der Insolvenzverwalter der Schlecker-Nachfolgefirma Dayli 20 Millionen Euro. „Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Fall gewinnen“, sagte Insolvenzverwalter Rudolf Mitterlehner unserer Zeitung. Bei dem Schadenersatzverfahren in Zwickau fordert der Insolvenzverwalter des einstigen Schlecker-Personaldienstleisters Meniar 1,37 Millionen Euro von Firmengründer Anton Schlecker, seiner Ehefrau Christa und den Kindern.

Bei dem Urteil des Landgerichts Stuttgart geht es um die strafrechtliche Aufarbeitung der Insolvenz. Die Staatsanwaltschaft wirft Anton Schlecker Bankrott vor und fordert drei Jahre Haft. Er soll vor der Insolvenz des Konzerns Millionen zur Seite geschafft haben. Für Schleckers mitangeklagten Sohn Lars fordert die Anklagebehörde zwei Jahre und zehn Monate Haft, für Tochter Meike zwei Jahre und acht Monate. Die Verteidiger der Familie halten die Forderungen für überzogen.

Der Feind der Mitbestimmung

„Im Moment scheint es so zu sein, als ob Anton Schlecker mit einer Haftstrafe rechnen müsste“, sagte Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, der die Familie zuletzt oft in Schutz genommen hatte. „Ich finde, dass Schlecker eine Haftstrafe verdient“, erklärte der Linken-Chef Bernd Riexinger am Tag vor dem Urteilsspruch. Riexinger war bis 2012 Verdi-Vorsitzender in Stuttgart und hatte die Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitnehmervertretern und dem Unternehmer aus nächster Nähe miterlebt. Den Führungsstil bei Schlecker beschreibt er als patriarchalisch. „Schlecker war beratungsresistent und ein Feind der Mitbestimmung“, erinnert sich Riexinger: „Das hat ihn schließlich auch in den Ruin getrieben.“

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