Schon vor Beginn ist die Reichenbacher Brühlhalle gut gefüllt: Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl, Apostolos Zisakis, Kirsten Schück und Bernhard Richter (von links), stellten sich und ihre Ideen im Anschluss der Bevölkerung vor. Foto: Roberto Bulgrin
Am 20. Oktober ist Bürgermeisterwahl in Reichenbach. Nun haben sich die zwei Kandidaten und die Kandidatin der Gemeinde vorgestellt. Rund 400 Besucher sind in die Brühlhalle gekommen – und unterschiedliche Schwerpunkte deutlich geworden.
Die Bundestagswahl 2021, bei der es einen Dreikampf um das Kanzleramt gegeben hatte, rückte das schöne, aber etwas in Vergessenheit geratene Wörtchen „Triell“ wieder in den Fokus. Und so wie vor drei Jahren genoss das Triell um das Bürgermeisteramt in Reichenbach, gewählt wird am 20. Oktober, ebenfalls große Aufmerksamkeit. Im Saal der Brühlhalle war am Dienstag vor der Kandidatenvorstellung der Gemeinde für 250 Gäste aufgestuhlt worden. Schon sehr früh zeigte sich jedoch, dass das nicht reichen würde. Es wurde also nachgelegt, damit letztlich alle rund 400 Besucherinnen und Besucher einen Sitzplatz einnehmen konnten.
Zwei Kandidaten, eine Kandidatin
Nur kurz und knapp stellte Moderator Axel Kern, Gemeinderat der Freien Wähler (FW) und erster stellvertretender Bürgermeister, die beiden Kandidaten und die Kandidatin sowie die Modalitäten des Abends vor, ehe sich Bernhard Richter (60, FW, amtierender Rathauschef), Kirsten Schück (56, parteilos, Bürokauffrau und Buchhalterin) sowie Apostolos Zisakis (45, parteilos, Immobilienmakler) in jeweils 15 Minuten dem Publikum selbst präsentieren konnten.
Bernhard Richter Foto: Roberto /Bulgrin
Bernhard Richter Seit 1993 ist Bernhard Richter Bürgermeister von Reichenbach. Er strebt seine fünft Amtsperiode an, nicht zuletzt, „weil wir gerade vieles am Laufen haben, was ineinandergreift und fertig werden muss“. Richter machte deutlich, dass er Verwaltung von der Pike auf gelernt habe und wisse, wie Rathaus funktioniere. Mit dem, was unter seiner Ägide so alles geschehen ist, hielt sich der Schultes indes nicht lange auf.
Vielmehr blickte er auf eine ganze Reihe von Themenfeldern für die nächsten Jahre: weiterer Ausbau der Kinderbetreuung, Erfüllung des Ganztagesanspruchs an den Schulen, Neukonzeption für die Jugendarbeit und damit auch für das jüngst geschlossene Jugendhaus, Bürgerwiese am Lützelbach, Sanierung der Hauptstraße und Neuordnung der Ortsmitte, Sicherung der hausärztlichen Versorgung und des ÖPNV-Angebots, weiterer Ausbau der erneuerbaren Energiegewinnung und des Hochwasserschutzes, Schaffung von Wohnraum – und all das bei einem weiterhin soliden städtischen Haushalt. Ausdrücklich bedankte sich Richter bei all jenen, die sich in unterschiedlichster Form ehrenamtlich engagieren und Reichenbach damit lebenswert machten: „Es ist euer Verdienst, dass Reichenbach ein toller Ort ist.“
Kirsten Schück Foto: Roberto/ Bulgrin
Kirsten Schück Dass sie immer bereit sei, Neues anzupacken, machte Kirsten Schück gleich zu Beginn ihrer Ausführungen deutlich. „Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern habe ich gelernt, mir nicht sagen zu lassen, was ich nicht kann“, erklärte sie. Reichenbach habe sich verändert, und vieles sei ja gar nicht so schlecht, fügte Schück hinzu. „Allerdings vermisse ich manche Dinge schmerzlich, beispielsweise im gesellschaftlichen Leben. Gemeinde geht für mich Hand in Hand mit Gemeinschaft“, stellte die Kandidatin klar und will sich deshalb unter anderem für ein Dorffest starkmachen.
Weitere Punkte auf ihrer Agenda: bessere Straßen, Fahrrad- und Gehwege, schnelle Wiedereröffnung des Jugendhauses mit kompetenten Ansprechpartnern, Erhalt und bessere Pflege der Grünflächen, ein eingegrenzter Bereich, in dem Hundebesitzer ihre Tiere spielen lassen können, das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum, gerade für Alleinerziehende und sozial Schwächere. Erhalt des Freibads, das zu einem Hallenfreibad umgestaltet werden könnte. Schück betonte, einmal pro Woche eine Bürgersprechstunde anzubieten. „Auch deshalb, weil nicht nur der Gemeinderat, sondern alle Bürgerinnen und Bürger entscheiden sollen.“
Apostolos Zisakis Foto: Roberto/ Bulgrin
Apostolos Zisakis Als „Reichenbacher durch und durch“ stellte sich Apostolos Zisakis der Zuhörerschaft vor und schob sogleich die Frage hinterher, ob er – nach seinem Kontaktstudium in Kehl mit dem Schwerpunkt Verwaltung – „tatsächlich Bürgermeister kann“. Umgehend beantwortete Zisakis diese Frage mit einem „Ja“ und verwies darauf, dass ein Bürgermeister ja nicht alleine, sondern im Team arbeite. Er zeichnete im Anschluss zunächst ein nicht allzu schönes Bild seiner Heimatgemeinde, „in der das Fundament vernachlässigt wird, da man sich um die Fassade kümmert“.
Mit einem Zehn-Punkte-Programm möchte der zweifache Familienvater „neue Hoffnungen und Visionen wecken, auch wenn ich dafür noch keinen Masterplan habe“. Unter anderem wirbt Zisakis mit folgenden Themen um Stimmen: Barrierefreiheit ausbauen, mehr Angebote für Ältere, weniger Verdichtung, Ertüchtigung des Filsufers, zeitgemäßes Konzept für ein Jugendhaus, verlässliche Kinderbetreuung, bessere Vereinsförderung. „Es ist Zeit, weiter zu denken als von Fördertopf zu Fördertopf, und deshalb ist jetzt die beste Zeit für frischen Wind“, sagte er und erklärte „das städtische Leben zur Basis wirtschaftlicher Erfolge“.
Zwei gleiche Fragen an das Trio
Im Anschluss an seine Vorstellung stellte sich jeder Kandidat der Zuhörerschaft für Fragen, von denen viele sehr individueller Art waren. Michael Teichmann, Vorsitzender des Vereins Freie Wähler Reichenbach, jedoch wollte von jedem aus dem Trio das Gleiche wissen. Er fragte nach den größten Herausforderungen der nächsten acht Jahre und nach dem jeweils geplanten Vorgehen bei der Grundsteuereform.
Richter betonte, dass ihm die schlechte wirtschaftliche Entwicklung die größte Sorge bereite, da die steigenden Sozialausgaben ja auch refinanziert werden müssten. „Und mein Vorschlag an den Gemeinderat zur Grundsteuer ist, dass wir insgesamt nicht mehr einnehmen sollten als bisher.“ Schück sieht es als ihre wichtigste Aufgabe an, „dass Reichenbach attraktiv bleibt“, und versicherte, dass sie sich in das Thema Grundsteuer schnell einarbeiten werde. Zisakis sieht die größte Herausforderung darin, „Reichenbach lebenswerter zu machen“. Und was die Grundsteuer angehe, „darf es für die Leute insgesamt nicht teurer werden“.
Absolute Mehrheit ist erforderlich
Wahltag Am Sonntag, 20. Oktober, hat die Reichenbacher Bürgerschaft die Wahl. Amtsinhaber Bernhard Richter hat in Kirsten Schück und Apostolos Zisakis gleich doppelt Konkurrenz. Als Bürgermeister beziehungsweise als Bürgermeisterin gewählt ist, wer am Wahltag die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen bekommt.
Stichwahl Sollte es diese absolute Mehrheit in der ersten Runde nicht geben, findet am 3. November eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten statt.