Vor der Premiere „Macbeth“ in Esslingen: Die Mörder und ihre grausame Menschlichkeit

Ein Mörderpaar, das auch sympathisch sein kann: Felix Jeiter als Macbeth und Eva Dorlaß als seine Lady. Foto: Patrick/Pfeiffer

Seine Taten sind grauenhaft, aber es sind die eines Menschen, der auch sympathisch sein kann. Der Regisseur Hans-Ulrich Becker, der Shakespeares „Macbeth“ an der Esslinger Landesbühne inszeniert, will ein kontroverses Bild des Machtmenschen zeigen.

So kennt man ihn, so lehrte er einen in mehreren Jahrhunderten Theatergeschichte Furcht und Abscheu: der Machtmensch Macbeth, dem seine Lady im Nacken sitzt, ihn aufstachelnd und anspornend zum skrupellosen Weg an die Spitze, auf den Thron – auch wenn der Weg über einen Mord führt. Er muss sich seiner Frau gegenüber beweisen, lässt sich in seiner „toxischen Männlichkeit von ihr provozieren“, sagt der Regisseur Hans-Ulrich Becker, der Shakespeares Tragödie an der Esslinger Landesbühne inszeniert. Die gefährliche Liaison von letztlich sexuell befeuertem Ehrgeiz und unbedingtem Willen zur Macht ist die Formel des blutigen Aufstiegs. Und an dessen Ziel lauert die nackte Angst, die Macbeth samt nunmehr delirierender Gattin befällt.

 

Mensch und Monster

Das Mörderpaar, das in der Unmenschlichkeit seiner Taten eine grausame Menschlichkeit zeigt und dann selbst erfährt: Das ist das fatale Verhältnis und Verhängnis, dem Becker nachspüren will. Macbeth will er nicht – oder nicht nur – als Monster vorführen, sondern analysieren „als Mensch, der jeder von uns sein könnte, wenn jemand die falschen Knöpfe drückt“.

Dieser falsche Knopfdruck erfolgt in der näheren und weiteren sozialen Umgebung; namentlich „in der symbiotischen Beziehung eines jungen Paars, das ein Kind verloren hat“, sagt Becker. Aus solcher Traumatisierung entsprungen mündet der Traum der Macbeths von der großen Macht in der erneuten Traumatisierung durch die Machtbesessenheit. Gerade in dieser Verstrickung blitzt aber eine merkwürdige Nähe auf und strahlt nach außen ab. „Wir zeigen auch“, sagt Becker, „dass die beiden sympathisch sein können“.Im Bühnenbild von Katja Lebelt orientiert sich der Regisseur an der Raumwirkung des elisabethanischen Theaters zu Shakespeares Zeit, ohne dieses zu kopieren. Entscheidend sei aber, dass „alle Schauspielerinnen und Schauspieler immer auf der Bühne anwesend sind“. Becker hat eine eigene Fassung des Stücks erstellt auf der Basis der ältesten deutschen Übersetzung von Wieland, die nicht nur weit „rauer“ sei als Dorothea Tiecks romantisierende Version. Sondern auch, zumindest in seiner Fassung, „höchst verständlich“, verspricht der Regisseur.

Raumwirkung des elisabethanischen Theaters

Die Premiere beginnt an diesem Freitag, 24. März, um 19.30 Uhr im Esslinger Schauspielhaus. Weitere Vorstellungen: 31. März, 20. und 22. April, 5., 17. und 27. Mai, 11. und 21. Juli.

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