Vor der Wahl im Kreis Göppingen Spannung: Wer wird neuer Landrat?
Wer löst Edgar Wolff als Landrat in Göppingen ab? In wenigen Tagen endet die Bewerbungsfrist und kurz darauf werden die Kandidaten für den Posten bekanntgegeben.
Wer löst Edgar Wolff als Landrat in Göppingen ab? In wenigen Tagen endet die Bewerbungsfrist und kurz darauf werden die Kandidaten für den Posten bekanntgegeben.
Es war knapp, sehr knapp. Als der damalige Ebersbacher Bürgermeister und Freie-Wähler-Kreisrat Edgar Wolff am 3. April 2009 gegen zwei weitere Kandidaten antrat, um Landrat im Kreis Göppingen zu werden, gab es erst mal ein Patt. Also musste ein zweiter Wahlgang her. Nur Wolff und sein Bad Ditzenbacher Amtskollege Gerhard Ueding warfen erneut ihren Hut in den Ring – und wieder stand es unentschieden. Würde am Ende das Los entscheiden? Nein, denn mit der denkbar knappsten Mehrheit setzte sich im dritten Wahlgang das Lager aus Freien Wählern, SPD und Grünen durch, 33 zu 31 Stimmen für Wolff, CDU-Kandidat Ueding hatte das Nachsehen. Acht Jahre später wurde Wolff fraktionsübergreifend mit 62 von 63 Stimmen wiedergewählt, doch jetzt ist Schluss: Der gebürtige Deizisauer wird im April 66 Jahre alt sein, und dann ist Schluss mit dem Landrats-Job.
Doch wer wird sein Nachfolger? Der oder die wird auf den Tag genau 16 Jahre und einen Tag nach Wolffs erstem Wahlerfolg gewählt, am 4. April. Klar ist eigentlich nur, dass die Bewerbungsfrist am kommenden Montag, 13. Januar, endet. Am Freitag kommender Woche werden dann im Landratsamt die Umschläge im „Ausschuss zur Vorbereitung der Wahl des Landrats/der Landrätin“ geöffnet und die Namen der Bewerber bekannt gegeben.
Klar ist aber auch, dass die CDU nicht erneut auf der Verliererseite stehen möchte, stellt sie doch auch mit 21 Mitgliedern die mit Abstand größte Fraktion im Kreistag. Doch das Projekt „Neuer Landrat“ steht unter größter Geheimhaltung, eine kleine Findungskommission hat sich auf die Suche nach dem geeigneten Kandidaten begeben, nicht einmal alle Fraktionsmitglieder wissen momentan, wer im Gespräch ist. Sie sollen es noch vor der Wahl erfahren, doch Fraktionsvorsitzender Wolfgang Rapp will sich nicht weiter äußern: „Nächste Woche endet die Bewerbungsfrist und am 17. Januar machen wir die Umschläge auf, dann wissen wir mehr.“
Inoffiziell plaudern manche Kreisräte zwar etwas mehr, doch Namen werden nicht genannt. Sicher scheint jedoch, dass der Bewerber oder die Bewerberin aus den Reihen der Christdemokraten nicht aus dem Landkreis stammt. Auch wurden in einigen Rathäusern die zur Kandidatur notwendigen Wählbarkeitsbescheinigungen beantragt, was aber nichts heißen muss: „Das können auch falsche Spuren sein, die gelegt wurden“, vermutet ein Kreisrat.
Die zweitgrößte Fraktion, die Freien Wähler (13 Mandate), will ebenfalls wieder jemanden ins Rennen schicken. „Wir sondieren und werden dann schon unser Glück versuchen“, kündigt Fraktionschef Hans-Rudi Bührle an. Was er ausschließt, ist, dass ein Fraktionsmitglied kandidiert. Es solle jemand „von außen“ sein, der einen anderen Blick auf den Landkreis hat. „Im weitesten Sinne jemand, der sich den Freien Wählern zugehörig fühlt, wir haben den Radius schon etwas ausgedehnt.“
Vieles deutet darauf hin, dass die SPD-Fraktion (zehn Mitglieder) niemanden aufbieten wird, auch wenn Fraktionsvorsitzender Benjamin Christian das so nicht bestätigen will. Er sagt aber: „Wir sind natürlich gesprächsbereit mit allen demokratischen Fraktionen und potenziellen Kandidaten.“ Keiner mit Grünem-Parteibuch wird am 4. April zur Wahl stehen, zumindest nominiert die achtköpfige Fraktion niemanden. Das bekräftigt Kreisrätin Ulrike Haas: „Wir haben uns als kleine Fraktion nicht auf die Suche begeben und nicht aktiv eingebracht.“ Eine Anfrage bei der neunköpfigen AfD-Fraktion zur Landratswahl blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Ablauf
Am 13. Dezember 2024 hat die Bewerbungsfrist begonnen, an diesem Tag wurde die Stelle im Staatsanzeiger ausgeschrieben. Am Montag, 13. Januar, endet die Frist, bis dahin müssen sich Kandidatinnen und Kandidaten entschieden haben, ob sie antreten. Am Freitag, 17. Januar, tagt dann der Ausschuss zur Wahlvorbereitung ab 14 Uhr im Landratsamt, dann werden die Namen der Bewerberinnen und Bewerber bekanntgegeben. Am 4. April wählt der Kreistag die Nachfolgerin oder den Nachfolger von Edgar Wolff.
Kandidaten
In der Landkreisordnung für Baden-Württemberg ist in Paragraf 38 festgelegt, wer den Posten eines Landrats oder einer Landrätin antreten kann: „Wählbar zum Landrat sind Deutsche im Sinne von Artikel 116 des Grundgesetzes, die am Wahltag das 30., aber noch nicht das 68. Lebensjahr vollendet haben und die Gewähr dafür bieten, dass sie jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintreten.“