Vor Derby der Fußball-Landesliga „Ich war schon immer forsch und mit eigener Meinung“
Marvin Kuhn, Kapitän des TV Echterdingen, über sein Comeback nach fast einjähriger Verletzungspause, Saisonziele und das Spiel am Samstag gegen den TSV Bernhausen.
Marvin Kuhn, Kapitän des TV Echterdingen, über sein Comeback nach fast einjähriger Verletzungspause, Saisonziele und das Spiel am Samstag gegen den TSV Bernhausen.
Im Pokalwettbewerb hat der TV Echterdingen vor vier Wochen die Erstrundenpartie gegen seinen Nachbarn TSV Bernhausen mit 2:4 verloren. An diesem Samstag, 18 Uhr, kommt es nun an selber Stätte zum schnellen Wiedersehen, diesmal am zweiten Spieltag der Fußball-Landesliga. Auf Gastgeber-Seite inzwischen wieder dabei: der Kapitän Marvin Kuhn, der nach fast einjähriger Verletzungspause gerade erst sein Pflichtspiel-Comeback gegeben hat. In unserem Interview sagt der 35-Jährige, warum er es auf die älteren Kickertage noch einmal wissen will, und was er von seiner Mannschaft erwartet.
Herr Kuhn, wie hat sich das Knie beim Comeback 330 Tage nach erlittenem Riss des vorderen Kreuzbands und des Meniskus angefühlt?
Ich muss sagen, überraschend gut. Es ist alles stabil und ich bin bereit für eine lange, möglichst erfolgreiche Saison.
Keine Angst mehr, in die Zweikämpfe zu gehen?
Dank eines Schlüsselmoments im Training vor zwei Wochen gar nicht. Bis dahin war ich in der Vorbereitung noch etwas vorsichtig, aber dann bin ich mit einem Teamkollegen Knie an Knie zusammengestoßen. Zuerst dachte ich, das war es dann wieder für die nächsten Monate. Aber dass das Knie diese Situation schadlos überstanden hat, hat mir alle Zweifel genommen und mich wieder mutig gemacht.
Gab es zwischenzeitlich Gedanken, die Karriere zu beenden?
Logisch denkt man darüber in meinem Alter nach. Nach einigem Hin und Her und vielen Gesprächen mit den Ärzten und meiner Frau war aber klar, dass ich mir zwar nichts mehr beweisen muss, aber noch viel Motivation in mir habe.
Was war der wichtigste Faktor für ein Weiter?
Nach der Geburt meines zweiten Sohnes und nach mehreren einsamen Joggingrunden habe ich wieder angefangen, Spiele unserer Mannschaft anzuschauen und gemerkt, dass es noch sehr stark in mir kribbelt und ich dem Verein, in dem ich fünf schöne Jahre hatte, nach dem Abstieg noch einmal helfen kann und auch möchte.
Wie sehen Sie die sportliche Situation?
Man muss ganz klar sagen, dass Verein und Mannschaft in der Verbandsliga an ihre Grenzen gestoßen sind. Der sportliche Sprung ist deutlich größer als jener von der Bezirks- in die Landesliga. Wir hätten nach der ersten Saison schon ziemlich personell aufrüsten müssen, um eine noch realistische Chance auf den Ligaverbleib zu haben, aber diese Möglichkeiten gibt es finanziell bei uns nicht.
Heißt das, Sie haben einen möglichen Wiederaufstieg schon abgehakt?
Ich glaube nicht, dass es in Mannschaft und Abteilung überhaupt jemand gibt, der dieses Ziel offensiv anstreben würde, gleich wieder nach oben zu gehen. Favoriten sind ohnehin andere, und wenn wir uns in der Landesliga wieder stabilisieren und zwischen Platz fünf und acht landen, sind wir wohl alle sehr zufrieden.
Wie schätzen Sie den anstehenden Gegner ein, den TSV Bernhausen?
Wir haben im Pokal die Gegentore zu blöden Zeitpunkten bekommen und hätten das Spiel nicht verlieren müssen. Es war aber schon deutlich zu sehen, dass das eine gefestigte, technisch sehr starke Mannschaft ist, die sicher ganz vorne mitspielt.
Wie ist nach der Rückkehr Ihre Rolle im Team?
Ich war schon immer ein forscher Fußballer mit eigener Meinung, der führen und andere mitreißen kann. Ich glaube, das ist jetzt auch ganz wichtig, weil wir uns in einer Phase der Neuorientierung befinden und nicht mehr allzu viele erfahrene Kräfte im Kader haben. Ich habe versucht, auch während der Verletzungspause nah dran zu sein und mit Ratschlägen zu helfen.
Wann fällt die Entscheidung, ob es noch eine weitere Saison geben wird?
Wenn es nach meiner Frau und meinem dreijährigen großen Sohn geht, dann darf ich schon noch ein bisschen weitermachen. Sie haben mir schon bestätigt, dass ich wieder mit einem breiten Grinsen ins Training fahre.