Vor Millionenschaden bewahrt Mutig eingegriffen: Lokführer verhindert Katastrophe bei Schönbuchbahn

Die Schönbuchbahn steht schon wieder im Depot. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

Eigentlich hätte sich ein Lokführer der Schönbuchbahn am Sonntag einen Orden verdient: Er verhinderte, dass der Zug im Wert von 5,6 Millionen Euro in Rauch aufging.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Wie jetzt bekannt wurde, hat die Geistesgegenwart eines Lokführers die Schönbuchbahn vor einem Millionen-Schaden bewahrt. Als der Zug am Sonntag am Haltepunkt Danziger Straße in Böblingen stoppte, war in einem sogenannten Triebwagen ein Schaltschrank in Brand geraten und Rauch war im Zug aufgestiegen.

 

Anstatt sich in Sicherheit zu bringen, hat der Lokführer mit dem Handfeuerlöscher die Flammen erstickt. Das Feuer hatte er dabei so gründlich gelöscht, dass die hinzugerufene Feuerwehr Böblingen nicht mehr eingreifen brauchte. Sie suchte noch mit einer Wärmebildkamera die Fahrzeuge ab, konnte aber keine Gefahr mehr feststellen.

Die Nexio-Züge der Schönbuchbahn bei einer Testfahrt. Foto: Stefanie Schlecht

Ohne diese Aktion hätten sich die Flammen ungehindert ausgebreitet, hätte der Zug mit einem Wert von rund 5,6 Millionen Euro zerstört werden können. So aber gerieten weder er noch die Fahrgäste in weitere Gefahr. Durch diesen erneuten Defekt hat die Schönbuchbahn ihren Betrieb vorläufig eingestellt und Passagiere müssen wieder auf den Schienenersatzverkehr ausweichen, also auf die an den Haltepunkten bereitgestellten Busse. Sie fahren von Böblingen bis Dettenhausen jede halbe Stunde und von Böblingen bis Holzgerlingen im Viertelstunden-Takt. Wann die Schönbuchbahn schlussendlich wieder einsatzfähig ist, kann die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) noch nicht sagen.

Nicht für die Technik verantwortlich

Die Schönbuchbahn wird von der WEG betrieben im Auftrag des Zweckverbands Schönbuchbahn, der wiederum von den beiden Landkreisen Tübingen und Böblingen gebildet wird. Der Manager der WEG, Jan Schillinger, betont in diesem Zusammenhang, dass die WEG nicht für den technischen Zustand der Fahrzeuge verantwortlich ist, sondern allein der spanische Hersteller CAF, dessen Aufgabe es sei, die Züge zu warten und zu zertifizieren. Die Techniker dort sind gerade dran, den Schaden zu analysieren. Der Fehler sei „nichts Großes“, aber es werde wohl diese Woche nichts mehr mit dem Betrieb der Fahrzeuge. Auch die Leute der CAF sind froh, dass der Lokführer eingegriffen hat, verweisen aber auch auf die zahlreichen Sicherheitssysteme, die es an Bord eines Nexio gibt.

Die zwölf Nexio Züge, die der Landkreis Böblingen im Jahr 2025 anschaffte, haben rund 67 Millionen Euro gekostet, und wurden im Juli des vergangenen Jahres in Betrieb genommen. Doch seit dieser Zeit steht die Bahn unter einem schlechten Stern: Die Einführung der Züge des Typs CAF Nexio mündete in eine Reihe von Mängeln, die den Betriebsalltag seit Monaten massiv beeinträchtigen. Regelmäßige Zugausfälle, erhebliche Verspätungen und die Notwendigkeit von Schienenersatzverkehren sind für Pendler und Anwohner trauriger Alltag geworden.

Schon früher Schwierigkeiten

Doch die Schwierigkeiten begannen schon viel früher: Eigentlich hätte die Zulassung der Nexio Züge schon 2021 erfolgen sollen. Allerdings gab es wiederholt Verzögerungen bei der Bereitstellung, was auch zu einer rechtlichen Auseinandersetzung zwischen Hersteller und Schönbuchbahn geführt hatte, der am Ende außergerichtlich gelöst wurde. Damals war es um die Bremsen gegangen, die zu stark verzögert hatten.

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