Die Sanierung des 1970 errichteten Bibliothekbaus in der Urbanstraße soll noch im Herbst dieses Jahres starten, direkt im Anschluss an den Umzug und die Entleerung der Magazine, so der Direktor der Württembergischen Landesbibliothek, Rupert Schaab. „In einer ersten Tranche sind für die Sanierung bereits 50 Millionen Euro bewilligt“, erklärt Schaab. Eine zweite, etwa halb so große Finanzierungstranche, soll folgen. Wie der Chef der Landesbibliothek betont, handele es sich beim Umzug der Landesbibliotheksbestände „um den größten Büchereiumzug in Deutschland seit Jahren“.
Geheimes Zwischenlager
16 Wochen lang werden in der Urbanstraße täglich 16 Lkw mit rollenden Bücherregalen gefüllt, um sie in ein Ausweichquartier am Stadtrand zu transportieren. Der genaue Standort der Lagerhalle, die auch Büroflächen umfasst, bleibe aus Sicherheitsgründen geheim, erklärt Jörg Ennen, stellvertretender Leiter der Abteilung Bildung und Wissenschaft in der Landesbibliothek. Außer den rund fünf Millionen Medieneinheiten, die in den beiden fußballplatzgroßen Magazinetagen unter dem Hauptgebäude lagern, müssen auch große Teile der Verwaltung der Landesbibliothek umziehen. Hierfür wurde ein Interimsstandort mit 150 Büros in der Schwabstraße in Stuttgart-West angemietet.
„Wie lange die Sanierung dauert, ist derzeit unklar“, sagt Jörg Ennen. „Vorgesehen waren einmal fünf Jahre. Aber wie viel Verzögerung die Störungen der Wirtschaft verursachen wird, lässt sich gegenwärtig noch nicht absehen.“
Der Umzug selbst gleicht einem logistischen Kraftakt. „Seit drei Jahren laufen hierfür die Planungen“, so der stellvertretende Magazinleiter Ralf Pauls. Das beauftragte Transportunternehmen sei mit rund 40 Beschäftigen im Einsatz. Die Transportregale werden an vier Stellen in den Magazinen gleichzeitig beladen, um den Zeitplan einzuhalten. „Jeder laufende Meter Buchregal erhält einen Barcode“, erklärt Pauls. Der Barcode erhält nicht nur die Information, wo im Ausweichquartier die Bücher platziert werden müssen. Das System stellt auch sicher, dass es zu versehentlichen Umstellungen jeweils nur innerhalb eines Regalmeters kommen kann.
Umfangreiches Sicherheitskonzept
Der Interimsstandort für die Medienbestände wurde mit einer neuen Kompaktregalanlage ausgestattet, die von den Maßen später in die sanierten Kellermagazine der Landesbibliothek passen soll. Weil es bei der Lieferung der Regale zu Verzögerungen kam, müssen derzeit Teile der Regalanlage noch montiert werden, während bereits aufgebaute Regale schon befüllt werden.
„Für die besonders sensiblen Buchbestände gibt es ein umfangreiches Sicherheitskonzept“, sagt Pauls. So werden zum Beispiel wertvolle alte Handschriften und Inkunabeln (Wiegendrucke) von den Mitarbeitern der Landesbibliothek selbst in sogenannte Security-Wagen verladen, die teils klimatisiert sind. Der Tresorbestand mit den allerwertvollsten Büchern und Handschriften wurde gesondert umgezogen und wird an einem sicheren, geheimen Ort verwahrt.
Für die Nutzer der Landesbibliothek soll es, wenn alles nach Plan läuft, durch die Auslagerung der Buchbestände bei der Ausleihe nur zu „allenfalls kleinen Verzögerungen“ kommen, wie Schaab betont. Zwischen dem Interimsstandort und der Landesbibliothek verkehre täglich ein Transport, der bestellte Medien anliefert. „Als Nutzer hat man die Möglichkeit, sein Leihkonto so einzustellen, dass man eine E-Mail bekommt, wenn das Buch bereitliegt.“