Vor- und Nachteile für Gärtner Hochbeet oder normales Beet?
Mehr Ertrag, weniger Schädlinge und Rückenschmerzen: Hochbeete sind die neuen Lieblinge von Hobbygärtnern. Dabei haben klassische Bodenbeete auch viele Vorteile.
Mehr Ertrag, weniger Schädlinge und Rückenschmerzen: Hochbeete sind die neuen Lieblinge von Hobbygärtnern. Dabei haben klassische Bodenbeete auch viele Vorteile.
Stuttgart - Ein Gemüsegarten auf dem Balkon oder auf der Terrasse? Mithilfe eines Hochbeetes ist das kein Problem. „Wobei das eher hohe Beete und keine klassischen Hochbeete sind“, sagt Harald Schäfer vom Landesverband der Gartenfreunde Baden-Württemberg. Das richtige Hochbeet sei ein „bepflanzter Komposter“.
Damit aus den schichtweise eingefüllten Zweigen, dem Laub und Kompost fruchtbare Erde wird, braucht es Bodenlebewesen wie Regenwürmer. „Diese können nur einziehen, wenn das Hochbeet auf Gartenerde steht. Auf dem Balkon kann man nur reine Erde einfüllen“, sagt die Agrarwissenschaftlerin Doris Kampas, die mehrere Bücher zum Thema Hochbeet geschrieben hat. Sie gibt auch zu bedenken, dass große Hochbeete sehr schwer sind – was nicht jeder Balkon aushält.
Ein Stück Rasen umgraben, fertig ist das Bodenbeet. Ein Hochbeet dagegen muss selbst gezimmert oder teuer gekauft werden. Hinzu kommt das Befüllen: „Man braucht Füllmaterial wie Zweige und Laub. Ein kleiner Garten gibt das kaum her“, sagt Kampas. Natürlich könne man das Material auch zukaufen. „Aber dann wird das Beet sehr teuer.“ In den folgenden Jahren sackt das Hochbeet durch das kompostierbare Füllmaterial in sich zusammen. „Dann reicht es, wenn ich im Herbst Laub einarbeite und Kompost nachschichte.“ Komplett neu füllen müsse man das Beet erst nach rund zehn Jahren wieder.
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Steht das Hochbeet einmal im Garten, hat man damit weniger Arbeit als mit einem klassischen Bodenbeet, meint Agrarwissenschaftlerin Doris Kampas. „Bodenbeete muss ich jedes Jahr umstechen, ich muss regelmäßig Unkraut jäten und Schädlinge wie Schnecken ablesen und das alles auf den Knien. Das ist anstrengend.“ Auch im Hochbeet kommt man ums Unkraut jäten und Schädlinge ablesen zwar nicht herum, „aber es gibt dort deutlich weniger“, meint Kampas. Die Arbeit im Stehen sei angenehmer und rückenschonender. Allerdings muss ein Hochbeet häufiger gegossen werden als ein normales Beet, sagt Harald Schäfer vom Landesverband der Gartenfreunde Baden-Württemberg. „Das liegt an der lockeren Erde sowie an der stärkeren Erwärmung des Beetes durch die Sonne.“
Der größte Vorteil von Hochbeeten ist die fruchtbare Erde, weil das Beet wie ein bepflanzter Komposthaufen funktioniert. „Es gibt fast doppelt so viel Ertrag wie in einem normalen Beet“, sagt Expertin Kampas. Wolle man den gleichen Effekt in einem Bodenbeet erreichen, „müsste man jedes Jahr ein riesiges Loch graben und Berge an Kompost aufschütten.“ Oder viel künstlich düngen. Vor allem, wenn man ungünstige Bodenverhältnisse im Garten vorfindet. Oft dauert es Jahre, bis man die Erde so bearbeitet hat, dass sich Erfolge einstellen. „Im Hochbeet kann man gleich loslegen“, sagt Kampas.
Im Bodenbeet kann problemlos jedes Gemüse wachsen. Im Hochbeet dagegen sollte man auf große Gewächse wie Mais oder Stangenbohnen verzichten, „es sei denn, man will mit einer Leiter ernten“, sagt Kampas. Insbesondere im ersten Jahr ist die Erde im Hochbeet nährstoffreich, weshalb man am besten Pflanzen wählt, die zu den Starkzehrern gehören, also viele Nährstoffe brauchen wie Paprika oder Kohl. Wer von Beginn an nicht auf Salat verzichten möchte, legt eine Mischkultur aus Stark- und Schwachzehrern an. „Dann wird der Salat nicht zu stark mit Nitrat belastet .“ Wurzelgemüse profitieren von der tiefgründig-lockeren Füllung im Hochbeet und werden lang und kräftig. Wer viele verschiedene Gemüse anbauen möchte, ist mit einem Bodenbeet besser beraten. „Im Hochbeet ist der Platz sehr begrenzt“, sagt Harald Schäfer vom Landesverband der Gartenfreunde Baden-Württemberg. Hochbeet-Expertin Kampas rät zu einer Kombination aus beidem, wenn man den Platz dazu hat. „Dann kann ich die Vorteile beider Beetformen für die jeweiligen Pflanzen nutzen.
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Bei der Verrottung im Hochbeet entsteht Kompostierwärme, und diese heizt die Erde auf. Dadurch kann im Frühjahr deutlich früher und im Herbst länger gesät werden als im Bodenbeet. Hinzu kommt, dass die Erträge im Hochbeet durch die vielen Bodennährstoffe insbesondere in den ersten Jahren deutlich größer sind als im Bodenbeet.
Richtig platziert können Hochbeete ein schöner und zugleich nützlicher Sichtschutz sein. Man kann dahinter Mülltonnen oder Komposthaufen verstecken oder sich damit einfach ein ungestörtes Plätzchen für den Liegestuhl bauen.