Beste Aussichten, auch wenn’s noch knapp vier Monate dauert: Der prächtige Sternenhimmel leuchtet ab 30. November wieder über dem Fellbacher Rathausinnenhof. Foto: Michael Käfer
Die Vorbereitungen auf den Fellbacher Weihnachtsmarkt sind bereits im Gange. Etliche Budenbesitzer können aufatmen: Die unattraktiven Stände auf dem Kirchplatz an der Einfahrt zur Rathaus-Tiefgarage kommen weg. Dafür wird die Märchenwelt vergrößert.
Dirk Herrmann
05.08.2024 - 17:36 Uhr
Alle Jahre wieder – kommt nicht etwa das Christuskind im August, aber im Hochsommer der Ausblick der Fellbacher Feel-Veranstaltungsgesellschaft auf den Weihnachtsmarkt, der erst vier Monate später an den Start geht. So war es auch kürzlich im Gemeinderat, als Jens Mohrmann, der Geschäftsführer der Fellbacher Event & Location GmbH (ohne Anglizismen geht’s in diesem Business eben nicht), den von der sonnig-dampfigen Atmosphäre aufgeheizten Lokalparlamentariern einen Ausblick auf die Eiszeit im kühlen Winter gab.
Strategiewechsel vor einem Jahr scheitert
Dies hier ist ein guter Standort: Bude auf dem Fellbacher Weihnachtsmarkt 2023. Foto: Peter Hartung (Stadt Fellbach)
Die ausführlichen, schriftlichen Infos, ausgearbeitet vom Feel-Mitarbeiter Max Seeger, waren mit dem einleitenden Satz „jährlich wiederkehrende Berichterstattung“ versehen. Eine solche Formulierung deutet in der Regel nicht auf eruptive Neuigkeiten hin, aber man kann sich täuschen.
So wie im vergangenen Jahr, als Mohrmann und Oberbürgermeisterin Gabriele Zull mit einem fast revolutionären Strategiewechsel aufwarteten: Die vor allem beim Nachwuchs beliebte Eislaufbahn sollte vom Standort im Park der Schwabenlandhalle in den Innenhof des Rathauses verfrachtet werden. Also dorthin, wo sich eigentlich der Kern des Weihnachtsmarkts befindet, wo sich die Alteingesessenen mit Verwandten und Freunden unter dem prächtigen Sternenhimmel mit Tausenden von Glühbirnchen treffen, um über längst vergessene Zeiten zu plaudern. Stattdessen sollten nun also die Schlittschuhläufer im Innenhof der Verwaltungsburg ihre Kurven drehen, während die Stammgäste sich ums Rathaus herum speziell gruppieren sollten.
Die Vision hielt allerdings keine zwei Wochen. Dann, nachdem die Proteste auch im direkten Gespräch gegenüber der Rathauschefin immer vehementer wurden, folgte die „Pirouette retour“, wie es in einem Bericht unserer Zeitung hieß: Der Rathausinnenhof ist weiterhin das begehbare Zentrum, die Eisfläche bleibt auf dem Guntram-Palm-Platz. Und die Kufenflitzer können ihre Kreisel auf einer Kunsteisbahn hinlegen, denn ein Kunststoffuntergrund ist es in Fellbach im Gegensatz zu Rollschuh-Flächen wie etwa auf dem Stuttgarter Schlossplatz nicht. Ansonsten wollte man sich in Fellbach offenkundig heuer ähnlichen Gegenwind wie 2023 ersparen und verzichtete auf ganz große Veränderungen.
Das vergangene Jahr offenbarte bei diesem nach Mohrmanns Einschätzung „grundsätzlich sehr guten Weihnachtsmarkt“ durchaus noch Verbesserungspotenzial, wie die Manöverkritik von 2023 zutage förderte. Dies betrifft insbesondere die nahe der Einfahrt in die Rathaus-Tiefgarage gelegenen Standplätze: Diese liegen weit ab vom eigentlichen Geschehen, „die Stände hatten eine zu geringe Frequenz“, so Mohrmann.
Besondere Atmosphäre im Märchenwald auf dem Alten Friedhof. Foto: esc
Diverse Händler hatten seinerzeit gegenüber unserer Redaktion über Einnahmeverluste geklagt: „Seit diesem Jahr sind wir so im Abseits; das macht sich im Umsatz sehr stark bemerkbar“, sagte eine Verkäuferin von Strumpfwerk aller Art aus Alpaka und Angora. Für sie gibt es nun bessere Perspektiven, die Stände werden wieder näher zum eigentlichen Geschehen an der Lutherkirche und am Rathaus gerückt.
Stattdessen wird nun der Märchenwald im Alten Friedhof mit zusätzlichen Lichtelementen ausgestattet. Auf dem früheren Gottesacker sind auch die von der Stuttgarter Kulissenmalerin Franziska Walbrühl liebevoll gestalteten Märchenfiguren aus Holz, wie die Bremer Stadtmusikanten oder der Mäusekönig, zu finden.
Im vergangenen Jahr sei, so Mohrmann, das in die Räume des ehemaligen Restaurants Roter Hirsch verlegte Märchenzelt gut angekommen. Genauso beliebt waren auch wieder Traditionen wie die von Schülern geschmückten Weihnachtsbäume, der Lichterhimmel im Rathausinnenhof und das Bühnenprogramm im Schaugarten.
Die Aktions- und Wechselhütten, die von Kunsthandwerkern und Verkäufern von winterlichen Waren betrieben werden, sollen in diesem Jahr an jedem Tag vergeben werden. So soll vermieden werden, dass die Hütten über mehrere Tage geschlossen bleiben.
Je mehr Buden, desto mehr Frequenz
Die Stuttgarter Kulissenmalerin Franziska Walbrühl hat die Märchenfiguren aus Holz gefertigt. Foto: privat
In der Debatte bescheinigten die meisten Redner dem Feel-Team „gute Gedanken“, Optimierungsversuche und Schritte in die richtige Richtung, auch wenn der Fellbacher Weihnachtsmarkt „noch ausbaufähig“ sei. Außerdem sei es auf jeden Fall richtig, dass die Eisbahn wieder auf dem Guntram-Palm-Platz aufgebaut werde, so Karl Würz (Grüne). Erich Theile (CDU) monierte jedoch den „langen Weg“ zur Eisbahn und bedauerte die Reduzierung der Buden. „Je mehr Buden, desto mehr Frequenz“, so seine Meinung.
Termin Die Eröffnung des 46. Fellbacher Weihnachtsmarkts durch OB Gabriele Zull, unterstützt durch den Süßigkeiten verteilenden Nikolaus, erfolgt am Samstag, 30. November, um 17 Uhr. Der Weihnachtsmarkt geht bis zum vierten Advent, also Sonntag, 22. Dezember. Das Eishockey-Benefiz-Besenspiel „Glatze vs. Locke“ findet wie gehabt an Neujahr statt.