Das Wellarium ist im Sommer immer wieder brechend voll. Daran werden die neuen Preise wohl nichts ändern Foto: Werner Kuhnle
Das Wellarium in Steinheim führt ein neues Saisonkarten-Modell mit drei Stufen ein. Bürgermeister Thomas Winterhalter erklärt, warum der Schritt aus Sicht der Stadt nötig ist.
So gut wie alle Kommunen im Landkreis kämpfen mit finanziellen Sorgen – und das wirkt sich zunehmend auch auf den Alltag der Bürgerinnen und Bürger aus. Ein besonders aufsehenerregendes Beispiel liefert nun die Stadt Steinheim mit ihrem Freibad Wellarium.
In einer ausführlichen Pressemitteilung sowie einem Instagram-Video erklärt Bürgermeister Thomas Winterhalter die angekündigten Preissteigerungen von sieben bis zu 100 Prozent.
Doch was ändert sich konkret?
Der Einzeleintritt für Erwachsene soll von bislang 6,50 auf 7 Euro steigen. Auch die Abendkarte sowie der ermäßigte Eintritt verteuern sich jeweils um 50 Cent. Die Zehnerkarte für Erwachsene soll künftig 63 statt bisher 58 Euro kosten, die ermäßigte Zehnerkarte steigt von 30 auf 36 Euro. Diese Anpassungen bewegen sich noch im moderaten Bereich.
Deutlich einschneidender fallen die Änderungen bei den Saisonkarten aus. Ab dem kommenden Sommer soll es anstelle der bisherigen Freibad-Flatrate drei verschiedene Saisonkarten geben. Die Stufe Bronze ermöglicht bis zu 30 Besuche, Silber berechtigt zu 60 Eintritten, während Gold unbegrenzten Zugang bietet. Die Preise liegen bei 95 Euro für Bronze, 142,50 Euro für Silber und 190 Euro für Gold. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr kostete die unbegrenzte Saisonkarte noch 95 Euro – der Preis für das Rundum-sorglos-Paket hat sich damit verdoppelt.
„Wir haben uns die Besuche der Saisonkartenbesitzer genauer angeschaut und festgestellt, dass viele rund 30 Mal pro Saison kommen“, begründet Winterhalter die neue Struktur. Eine weitere, kleinere Gruppe nutze das Freibad bis zu 60 Mal, und es gebe nur sehr wenige „Hardcore-Besucher“, die noch häufiger im Wellarium seien.
Mit Blick auf den Preis pro Besuch seien die Saisonkarten jedoch weiterhin attraktiv, betont der Bürgermeister. Bei der Bronze-Karte koste ein Besuch etwas mehr als 3 Euro, bei Silber sogar nur etwas über 2 Euro.
Zwischen wirtschaftlichem Druck und sozialer Verantwortung
Winterhalter hebt zugleich hervor, dass der Verwaltung die Entscheidung für die Preisanpassungen nicht leicht gefallen sei. „Uns ist bewusst, dass die Menschen nicht plötzlich mehr Geld in der Tasche haben. Wir kennen unsere Verantwortung als Naherholungsangebot und für viele auch als Urlaubsersatz“, so der Bürgermeister. Gleichzeitig befinde sich die Stadt in finanziellen Zwängen, die sich nicht wegdiskutieren ließen.
Gestiegene Kosten im Energie- und Personalbereich belasteten den städtischen Haushalt erheblich. Trotz der Preisanpassungen müsse die Stadt Steinheim den Betrieb des Freibads weiterhin mit rund 500.000 Euro jährlich bezuschussen, die Gemeinde Murr steuere etwa 260.000 Euro bei. Würde sich das Wellarium selbst tragen müssen, läge der Eintrittspreis bei rund 10 Euro, rechnet Winterhalter vor. Ein Betrag, der kaum vermittelbar wäre.
Noch schwerer wiegt aus Sicht der Stadt die anstehende Sanierung des Freibads. Diese sei in absehbarer Zeit unumgänglich und nur mit Fördermitteln zu stemmen. Förderungen wiederum gebe es nur dann, wenn die Kommune nachweisen könne, dass sich der laufende Betrieb annähernd rechnet. „Die Stabilisierung des kommunalen Zuschusses ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, die Sanierungsfrage seriös anzugehen“, so Winterhalter.
Bislang galt das Wellarium im regionalen Vergleich – besonders in Sachen Saisonkarte – als eher günstig. Im Mineralfreibad Bönnigheim kostete der Einzeleintritt im vergangenen Jahr 6,90 Euro, die Saisonkarte 120 Euro. In Besigheim lagen der Eintritt bei 7 Euro und die Jahreskarte bei 110 Euro.
Mit Blick in die Zukunft dürfte die Preisanpassung in Steinheim jedoch kein Einzelfall bleiben – das Saisonkartenmodell könnte zum Vorbild für andere Freibäder werden. Schon jetzt tun sich Städte wie Marbach und Vaihingen schwer, ihre in die Jahre gekommenen Schwimm- und Freibäder zu erhalten – oder überhaupt offen zu halten. Die Diskussionen in Marbach und Vaihingen und das Gerangel um die geringen Fördermittel zeigen, wie fragil die kommunale Bäderlandschaft inzwischen ist.