Vorboten der Landtagswahl Drei Herrenberger machen Eigenwerbung in Leonberg
Besuch aus dem „Ausland“: Bei der CDU am Engelberg empfehlen sich Parteifreunde aus dem Gäu für die Nachfolge von Sabine Kurtz.
Besuch aus dem „Ausland“: Bei der CDU am Engelberg empfehlen sich Parteifreunde aus dem Gäu für die Nachfolge von Sabine Kurtz.
Irgendwie ist immer Wahlkampf. In Leonberg ganz besonders. Klar, Bundestagswahl. Aber am Engelberg wird im nächsten Jahr zudem ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Oder eine Oberbürgermeisterin? Keiner weiß es.
Die Leonberger CDU, nach Jahren des Darbens endlich wieder stärkste Kraft, will es aber wissen. Und zwar dergestalt, dass das künftige Stadtoberhaupt möglichst aus ihren Reihen kommt, zumindest jedoch mit dem christdemokratischen Segen in den Kampf ums Rathaus geht.
Dann ist ja noch die Landtagswahl. Zwar bestimmen die Baden-Württemberger erst im Frühjahr 2026 einen Nachfolger ihres grünen Patriarchen Winfried Kretschmann. Doch genau wie sich für die Landeskrone die Anwärter bereits in Stellung bringen, wird ebenso eine Etage tiefer um möglichst gute Startpositionen gekämpft.
Dass die drei Herren aber einen vergleichsweise weiten Weg auf sich genommen haben, hat einen gewichtigen Grund: Sie alle wollen als Direktkandidat im Wahlkreis Leonberg-Herrenberg für die CDU ins Rennen gehen. Denn auch in dem ein wenig merkwürdig geschnittenen Wahlkreis steht einen Generationswechsel an: Sabine Kurtz wird sich 2006 nach 20 Jahren aus dem Landtag verabschieden. Die Leonbergerin war Vizepräsidentin des Landtags und ist jetzt Parlamentarische Staatssekretärin im Agrarministerium.
Swen Menzel wollte sie schon bei der Wahl 2021 als Kandidat beerben. Damals gab die Basis der erfahrenen Parlamentarierin den Vorzug. Nun versucht es der 46-jährige Banker abermals. In Leonberg stellt er einen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik in den Mittelpunkt der christdemokratischen Bemühungen: „Die Bundesregierung macht Politik zum Standortrisiko.“ Und er streichelt die Seele der Traditionalisten: „Das C im Namen ist unendlich wichtig.“ Punkten will der jetzt in Nufringen lebende CDU-Mann zudem mit lokaler Nähe: Denn ursprünglich komme er ja aus Rutesheim.
Tobias Pfander gibt sich als echter Herrenberger zur erkennen. Der 47-Jährige hat Betriebswirtschaft studiert und arbeitet im Export. Er fordert, dass eine Energiewende nicht zu Lasten der Wirtschaft gehen dürfe. Auch Pfander hat einen landespolitischen Hintergrund: Er war 2021 Ersatzkandidat von Sabine Kurtz. Nun will er in die erste Reihe: „Ich brenne für unsere Demokratie, unsere Freiheit, unser Land und unseren Wahlkreis.“
Der dritte Gast, Albrecht Stickel, Fraktionschef der CDU in Herrenberg, unterstreicht die ähnlichen Problemfelder, die beide Städte haben – vom fehlenden Geld bis zu den unter Druck stehenden Krankenhäusern. Ob er wirklich für den Landtag antrete, das will er noch vor Weihnachten entscheiden. Alle drei erhalten von den Leonberger Parteifreunden freundlichen Applaus. Eine Präferenz ist nicht herauszuhören.
Eine Gemeinsamkeit zwischen beiden Städten treibt in der Tat auch die Leonberger Christdemokraten um: die Zukunft der Gesundheitsversorgung. Helmut Noë, Vorsitzender des Krankenhaus-Fördervereins und langjähriger Fraktionschef im Kreistag, warnt eindringlich vor einem Abbau in Leonberg. Deshalb müsse nun auch dringend ein Gesundheitscampus angegangen werden.