Esslingen - Vielleicht ist „Park“ ein zu großes Wort für die rund 3000 Quadratmeter messende, keilförmige Fläche zwischen der Rossneckar-Brücke am Hengstenberg-Areal und dem geplanten Standort der neuen Hochschule. Aber so wurde sie nun mal von Anfang an genannt. Geboren war die Idee einer Grünanlage ganz im Westen der Neuen Weststadt bereits 2011 im Zuge des Wettbewerbs für den künftigen Stadtteil. Wie auch immer man es nennen mag: Entstanden ist in jedem Fall ein sehr hübsches Fleckchen zum Verweilen, das am Dienstag offiziell eröffnet wurde.
Dem Klimawandel entgegenwirken
Auf der dem Rossneckar zugewandten Seite gibt es eine Picknickwiese, die allerdings noch wachsen muss, und mehrere Sitzgelegenheiten aus Holz. Schatten bieten mittig angeordnete Zerr-Eichen, die irgendwann ausladende Kronen haben werden, schirmförmige Schnurbäume auf der Wiese und mehrstämmige Himalaya-Birken auf den Mauerkronen. Das Grünflächenamt hat bewusst klimaresiliente Baumarten gepflanzt. Zur Rossneckarböschung hin säumt noch eine Reihe Linden das Gebiet. Die zur Bahnlinie orientierte Südseite der Parkanlage wurde als Artenschutzfläche gestaltet. Die Trockenmauern sind mit Schüttgut hinterfüllt und bieten Hohlräume. Offene Fugen ermöglichen zudem, dass sich die streng geschützten Mauer- und Zauneidechse ansiedeln. Am Montag haben Arbeiter die Amphibienschutzwände zusammengerollt, die die Tiere von der Baustelle ferngehalten haben. Jetzt gibt es nur noch einen Maschendrahtzaun, damit Besucher nicht auf die angrenzende Gleisanlage laufen.
Schotterlinsen, liegen gelassene Baumstämme und Wurzelstöcke sind zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Wohlfühlen sollen sich mit diesem Mix aber auch die Menschen. Vor allem für Studierende des nahe gelegenen Studentenwohnheims und für die Bewohner in der dicht besiedelten Weststadt ist es ein Ort zum Luftholen. Gleichzeitig soll der Park durch Verdunstung und Beschattung mit Bäumen den Folgen des Klimawandels entgegenwirken. Saatgutmischungen, die blütenreiche heimische Wildstauden hervorbringen, sollen zudem Wildbienen und Schmetterlinge anlocken.
Artenschutz und Aufenthalt verbinden
„Dass man Aufenthalt und Artenschutz verbindet, findet man noch nicht oft“, betonte Burkhard Nolte, Leiter des Esslinger Grünflächenamts. Das Gebiet sei deshalb auch ein Testraum und könnte Schule machen. „Das wird viel Resonanz bei den Bürgern finden“, lobte OB Jürgen Zieger. Der Park musste lange vor der Hochschule fertig sein, an deren künftiger Stelle derzeit nur ein Erdhügel zu sehen ist, denn er ist auch Ausgleich für den Eingriff in die Natur. Ein wichtiger Teil der Parkfläche ist der Geh- und Radweg, der das Zentrum mit Mettingen verbindet. „Das ist ein kleiner, feiner Abschluss der Strecke“, lobte Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht. Auch Barbara Frey vom Bürgerausschuss Innenstadt ist angetan. „Wir sind glücklich. Man muss jede Möglichkeit zur Begrünung nutzen.“
Gekostet hat die Anlage 450 000 Euro, weitere 100 000 Euro mussten für den Artenschutz aufgewendet werden. Die Pläne der Landschaftsarchitekten von frei raum concept aus Stuttgart hat die Firma ggl Grupp aus Kornwestheim umgesetzt.