Solche Vorfälle machen Eltern Angst: Vor zwei verschiedenen Schulen sollen Fremde aus einem Auto heraus Kindern angeboten haben, sie nach Hause zu fahren. In einem dritten Fall soll ein Junge von einem Unbekannten in einem Auto verfolgt worden sein. „Wir bekommen solche Meldungen immer wieder“, sagt die Polizeisprecherin Kara Starke. In den vergangenen drei Wochen habe es eine leichte Häufung gegeben. Betrachte man aber die vergangenen drei Monate, seien es immer noch unter 20 Meldungen, die von der Kripo bearbeitet würden. „Wir nehmen jeden Fall ernst. Das Thema ist extrem sensibel“, betont Kara Starke.
Mehrere Schulen haben inzwischen Elternbriefe rausgeschickt, um über die möglichen Vorfälle zu informieren. Vor allem aber geht es um Hinweise, was Kinder wissen sollten, wenn sie allein unterwegs sind – und wie Eltern ihren Nachwuchs stärken können. Unsere Redaktion hat sich dazu zusätzlich mit der Polizei ausgetauscht. Die wichtigsten Regeln im Überblick.
Erstens: Kinder dürfen nie mit Fremden mitgehen
„Die Kommunikation mit den Eltern sollte im Vordergrund stehen“, sagt Kara Starke. Kinder sollten immer wieder daran erinnert werden, dass sie nie mit Fremden mitgehen dürfen. Sie sollten nicht zu nah an Fahrzeuge herantreten, auch nicht, wenn jemand etwas fragen möchte. Kinder müssen verinnerlichen, dass es eine Lüge ist, wenn ihnen Süßigkeiten oder gar kleine Hunde oder Katzen versprochen werden. Bei jüngeren Mädchen und Jungen könne es hilfreich sein, gemeinsam eine Liste mit den Personen zu erstellen, mit denen sie mitgehen dürfen, sagt Kara Starke. Wichtig in diesem Zusammenhang: Der Name des Sprösslings sollte nicht sichtbar auf dem Ranzen oder der Kleidung stehen. Fremde mit bösen Absichten könnten diese Information sonst ausnutzen, um Vertrauen zu dem Kind aufzubauen. „Allerdings sollten Kinder auch wissen, das nicht jeder Fremde automatisch böse ist“, betont die Polizeisprecherin.
Zweitens: Kinder sollen Nein sagen und laut sein
Kinder dürfen gegenüber Erwachsenen immer „Nein“ sagen. Ihnen sollte bewusst sein, dass sie nicht mit Erwachsenen sprechen müssen. Den Ausruf: „Nein, das will ich nicht! Gehen Sie weg!“ sollten Eltern mit ihren Nachwuchs üben. Wichtig ist das „Sie“, um Fremde auf Distanz zu halten. Außerdem wird so auch für Passanten offensichtlich, dass das Kind die Person nicht kennt. Im Zweifel sollten Kinder wegrennen, sie sollten sich aber niemals verstecken.
Drittens: Kinder müssen wissen, wo sie Hilfe bekommen
Kinder sollten sich gegenseitig stärken und aufeinander Acht geben. „Am besten, sie sind nicht allein, sondern in Laufgruppen unterwegs“, sagt Kara Starke. Die Mädchen und Jungen müssen wissen, wo sie bei einer potenziellen Gefahrensituation Hilfe bekommen. So zum Beispiel in Geschäften, die sich an der Aktion „Gute Fee“ beteiligen. Erkennbar sind diese an einem entsprechenden Aufkleber am Eingang. Kinder und Erwachsene sollen im Notfall die 110 wählen. „Die Polizei hilft immer und sofort“, betont Kara Starke.
Viertens: Eltern müssen ihren Kindern zuhören
Wenn Kinder von Erfahrungen, Übergriffen, Drohungen oder Beobachtungen erzählen, müssen Eltern aufmerksam zuhören. Sollte sich das Kind dabei falsch verhalten haben, darf man ihm keine Vorwürfe machen, sonst erzählt der Nachwuchs bald gar nichts mehr. Im Gegenteil: Eltern sollten Kinder dafür loben, dass sie sich ihnen anvertrauen.
Fünftens: Was Eltern nicht tun sollten
Nachrichten, wonach Fremde Kinder auf dem Schulweg angesprochen haben sollen, verbreiten sich heutzutage wie ein Lauffeuer. Der Grund sind häufig private Gruppen bei Messenger-Diensten wie Whatsapp. „Als Elternteil sollte man aufpassen, dass man nicht schon durch das bloße Weiterleiten solcher Nachrichten Panik schürt“, sagt Kara Starke. Es sei Aufgabe der Polizei, wichtige Meldungen und Zeugenaufrufe zu veröffentlichen. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda würden immer wieder Fälle kreiert, die es nicht oder zumindest nicht in der überlieferten Form gegeben habe. „Das macht es für uns unter Umständen schwierig, das eine vom anderen zu unterscheiden, und kann schlimmstenfalls von tatsächlichen Vorfällen ablenken“, sagt Kara Starke und rät daher: „Lieber immer die Polizei informieren. Wir nehmen jeden Hinweis ernst.“