Die Kunden im Baywa Backnang kennen Oliver Czimbal als Leiter der Zooabteilung. Unter den verendeten Tieren waren auch viele Malawi-Buntbarsche. Foto: Phillip Weingand / imago/zoonar
Oliver Czimbal verkauft seit 25 Jahren Haustiere in der Baywa Backnang und ist entsetzt: Offenbar wurden zwei seiner Becken absichtlich vergiftet – mit tödlichen Folgen für die Fische.
Seit einem Vierteljahrhundert arbeitet Oliver Czimbal bei der Baywa in Backnang, fast genauso lange leitet er dort den Fachbereich Zoo. Wenn Kunden wissen wollen, wie sie ihre Welse zum Laichen bringen, oder wenn sie das richtige Futter für ihre Farbratte brauchen – der 56-Jährige weiß Rat. So schnell erschüttert den Fachmann nichts. Doch neulich, an einem Morgen Ende März, erlebte er einen Schock: Ein seltsamer Geruch hing über der Aquarienabteilung. Beim genaueren Hinsehen quoll aus zweien der großen 300-Liter-Becken Schaum. Alle Tiere darin, fast 60 Fische, waren tot. Czimbal ist überzeugt: „Die hat jemand absichtlich vergiftet.“
Bei den betroffenen Tieren handelte es sich um Malawi-Buntbarsche und Fiederbartwelse. Ihnen war nicht mehr zu helfen. „Alles robuste Tiere, die auch etwas aushalten“, sagt Czimbal. Deswegen gehe er von einer größeren Menge einer schädlichen Substanz im Wasser aus. Dass eine Krankheit den Tieren zum Verhängnis wurde, könne er ausschließen. „Wir schauen die Fischle jeden Abend an, und am Abend zuvor ging es ihnen gut.“ Eine Krankheit raffe auch nicht binnen weniger Stunden zwei komplette Aquarien dahin.
Vor allem Fische sind das Fachgebiet von Oliver Czimbal
Fiederbartwelse sind prachtvolle Fische. Foto: imago/imagebroker
Czimbal ist seit seiner Kindheit Tierfan, vor allem Fische haben es ihm angetan. „Mein Vater hatte ein Aquarium, ihm sind ständig Fische eingegangen. Das tat mir leid, mit acht Jahren habe ich ihm dann gesagt, er soll die Finger davon lassen, ich mache das jetzt.“ Er las sich ein, seitdem hielt er immer Fische. Seine Leidenschaft hat er irgendwann zum Beruf gemacht. Dafür musste er Sachkundenachweise und Prüfungen bei der Wilhelma, dem Regierungspräsidium und dem Veterinäramt absolvieren. Der Tod der Tiere macht ihn wütend.
Was genau der oder die Täter ins Becken gekippt haben, weiß er nicht. „Den Geruch schätzte irgendwie jeder anders ein. Manche meinten, Spülmittel zu erkennen, für andere roch es eher nach Chlor.“ Er vermutet, dass die Unbekannten sich irgendwo im Sortiment des Baumarktes bedient und das Mittel dann heimlich in die weit unten gelegenen und damit gut zugänglichen Becken gegossen haben könnten.
Was das Motiv für diese Tat gewesen sein könnte? Czimbal hat keine Ahnung. „Vielleicht waren es Tierhasser – es kann aber auch eine Art Mutprobe gewesen sein, oder ein dummer Streich.“ Eines sei aber klar: „Für die Tiere war das garantiert qualvoll.“ Zudem ist dem Markt natürlich ein finanzieller Schaden entstanden, denn die Fische gehören zu den kostspieligeren Arten. „Insgesamt gingen dadurch etwa 1600 Euro futsch“, sagt Czimbal.
Fast 60 Fische fanden einen qualvollen Tod.
Im Lauf seiner Tätigkeit bei dem Backnanger Baumarkt hat er nun schon einiges mitbekommen. Etwa Kunden, die nicht verstehen können, dass er Kaninchen nur als Paar verkauft – nicht aus Geldgier, sondern weil die Nager es gut haben sollen. Oder solche, die Diskussionen anfangen, wenn er keinen Fisch herausgibt, der sein Dasein in einem Goldfischglas fristen müsste – oder gar im Rahmen einer TikTok-Challenge lebendig verschluckt werden soll. „So etwas kam tatsächlich schon vor. Aber das mit dem Vergiften ist auch für mich neu.“
Bei einem weiteren Vorfall in der Baywa Backnang starb eine Maus
Wobei – einen anderen Vorfall gab es Monate zuvor, nur ein paar Meter weiter, in der Kleintierabteilung. Ein Unbekannter hatte eine Mausefalle – mutmaßlich aus dem Sortiment des Marktes – aufgespannt und in eines der Nagetiergehege gelegt. Eine neugierige Maus fand in der Falle den Tod, eine entsetzte Mutter mit Kind entdeckte den Vorfall. „Ich glaube aber nicht, dass es zwischen den beiden Fällen einen Zusammenhang gibt“, meint er.
Anzeige bei der Polizei hat er nach dem mutmaßlichen Fischmord keine erstattet. „Die Chancen, die Verantwortlichen zu finden, halte ich einfach für zu gering.“ Auch die Deckel der Aquarien abzuschließen, sei im Alltag nicht machbar. Konsequenzen ziehen er und seine Kollegen dennoch: „Wir sind jetzt viel wachsamer und überlegen uns, wo wir Überwachungskameras installieren könnten.“ Freilich, hofft er, dass er so etwas nie wieder erleben muss. „Gnade dem Gott, den ich bei so etwas erwische“, sagt Czimbal.