Bei einem Gefahrgutunfall in Filderstadt war die Feuerwehr mit 32 Fahrzeugen und 115 Einsatzkräften vor Ort, da Explosionsgefahr drohte. Was ist genau passiert?
Am Dienstag, 29. Juli, ist es nachmittags zu einem Gefahrgutunfall in einer Spedition in Filderstadt gekommen. Die Feuerwehr ist mit 32 Einsatzfahrzeugen und etwa 115 Kräften an der Raiffeisenstraße vor Ort gewesen, insgesamt mehr als 13 Stunden lang, bis der Einsatz beendet werden konnte.
Was war genau passiert? Ein großes Fass mit einer brennbaren und ätzenden Flüssigkeit war leckgeschlagen und in der Lagerhalle an der Raiffeisenstraße ausgelaufen. Dadurch kam es zu chemischen Reaktionen mit Dampfbildung – so wurden die Brandmelde- sowie die Kohlenstoffdioxidlöschanlage des Betriebs ausgelöst. Ein zweites Fass mit einer brennbaren anderen Flüssigkeit wurde ebenfalls beschädigt, und Flüssigkeit trat aus.
Die Kreisstraße 1225 war komplett gesperrt
Feuerwehrkommandant Jochen Thorns war als Einsatzleiter vor Ort. Er bestätigt, dass laut Einschätzung des Feuerwehrchemikers die ausgelaufene Flüssigkeit auch explosionsfähig war – es war also größte Vorsicht geboten. Der Gefahrgutzug der Feuerwehr Filderstadt war im Einsatz, auch der Gefahrgutzug der Feuerwehr Esslingen und ein Messzug des Landkreises Esslingen, der bei der Feuerwehr Ostfildern stationiert ist, außerdem waren drei Fahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) dabei. Zusätzlich war die Polizei vor Ort, die sich mit dem Ordnungsamt auch um die notwendige Straßensperrung kümmerte: die Kreisstraße 1225 war während der Maßnahmen komplett gesperrt.„Gefahrguteinsätze sind meist etwas länger, das liegt in der Natur der Sache“, sagt Thorns. Die Einsatzkräfte waren in orangefarbenen Chemikalien-Schutzanzügen mit Atemschutzgeräten unterwegs.
Die umliegenden Gebäude und eine Tiefgarage wurden geräumt, im betroffenen und einem direkt angrenzenden Gebäude musste wegen der Explosionsgefahr der Strom abgestellt werden. „Die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr waren extrem aufwendig“, erklärt Jochen Thorns, „es war ein Problem, die Gefahrenstoffe aufzunehmen, da der Bereich sehr eng war.“ Alles sei vorschriftsmäßig gelagert gewesen, betont der Stadtbrandmeister, allerdings seien dort viele Paletten gelagert gewesen, die zunächst mühsam aus dem Weg geräumt werden mussten. Anschließend seien die Gefahrenstoffe mit Quartzsand abgedeckt, gebunden und schließlich entfernt worden.
200 Menschen waren von der Räumung betroffen
Die Feuerwehr war mit 32 Einsatzfahrzeugen und rund 115 Kräften vor Ort, da die Trupps, die jeweils mit den Gefahrstoffen arbeiteten, alle 20 Minuten ausgetauscht werden mussten: „Nach 20 Minuten ist die Atemluftversorgung aufgebraucht“, erklärt Jochen Thorns, „darum ist die Einsatzzeit der Trupps jeweils begrenzt.“
Rund 200 Menschen waren von der Räumung der Gebäude betroffen. Sechs Menschen, darunter zwei Feuerwehrkräfte und zwei Betriebsmitarbeiter, wurden kurzzeitig vom Rettungsdienst betreut, da diese bei ersten Sichtungen in der Lagerhalle ohne Atemschutz unterwegs gewesen waren. Eine medizinische Behandlung war jedoch nicht notwendig.
Bevor der Einsatz beendet werden konnte, wurden alle angrenzenden Gebäude von der Feuerwehr mit Messgeräten überprüft, und konnten zwischen 22.15 Uhr und 3.15 Uhr wieder freigegeben werden. Zwei Gebäude mussten davor mit einem mobilen Großventilator der Feuerwehr Filderstadt belüftet werden.